Liebe Traderinnen und Trader,
das Geld verlässt die Chips und sucht Rüstung, Silber und die zweite Reihe. Auslöser bleibt die US-Inflation: Die Erzeugerpreise sind im September um 1,3 Prozent zum Vormonat gestiegen, der stärkste Sprung seit März 2022. Die Jahresrate liegt bei 6,3 Prozent, nach 3,7 Prozent bei den Verbraucherpreisen am Mittwoch.
Trotzdem fielen die Renditen zehnjähriger US-Anleihen im Tagesverlauf auf rund 5,0 Prozent zurück. Die Terminmärkte sehen eine Zinserhöhung am 28. Oktober nur noch mit knapp 30 Prozent Wahrscheinlichkeit. Der Zinsschock wird also gehandelt, aber nicht als Panik – und genau in diesem Umfeld entstehen die Setups dieser Ausgabe.
Rheinmetall: Der Ausbruch ist da, jetzt muss das Quartal liefern
Rheinmetall hat die Marke geknackt, an der die Aktie zuletzt wiederholt abgeprallt war. Nach einem Schluss von 979 Euro am Mittwoch notiert der Titel aktuell bei 1.031,40 Euro, ein Plus von 5,4 Prozent im Verlauf. Das Tageshoch lag bei 1.035,60 Euro, das Tagestief bei 977,60 Euro – diese Spanne ist die Zone, die jetzt zählt.
Charttechnisch wird aus dem Widerstand bei 1.000 Euro eine Unterstützung, sofern der Kurs darüber schließt. Fundamental bleibt die Lage angespannt: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie 34 Prozent im Minus, das 52-Wochen-Hoch von 1.965 Euro stammt vom 19. Januar. Analysten verlangen deshalb ein Rekordquartal, damit die Erholung mehr wird als ein Short-Squeeze.
Der Sektor liefert am Donnerstag Rückenwind von mehreren Seiten. Saab hat vom schwedischen Beschaffungsamt FMV einen Auftrag über 1,3 Milliarden Kronen (rund 115 Millionen Euro) für den Flugsteuerungsrechner des Gripen erhalten. Das ist kein Großauftrag, aber ein weiterer Baustein im Auftragsbuch. Die Saab-Aktie notiert 4,5 Prozent höher bei 56,92 Euro.
Lockheed Martin und Ruag haben das Projekt Rigi vertraglich fixiert: Emmen wird einer von vier Standorten weltweit für die Endmontage von F-35-Jets, Produktionsstart Herbst 2027. Das Projekt drohte 2025 wegen Mehrkosten von bis zu 1,3 Milliarden Franken zu kippen. In Berlin will die Bundesregierung KNDS zum Staatskonzern machen und fürchtet dabei ein „Airbus 2.0″.
Bei Thyssenkrupp hoben JPMorgan das Kursziel von 15 auf 17 Euro (weiter „Neutral“) und Jefferies von 13 auf 16,50 Euro (weiter „Kaufen“) an. Bei einem Kurs von knapp 14 Euro bedeutet das Jefferies-Ziel ein Aufwärtspotenzial von fast 20 Prozent.
Silber: Jahrestief am Mittwoch, Rebound am Donnerstag, die Range hält
Silber hat am Mittwoch den schlimmsten Tag seit Monaten erlebt und sich am Donnerstag stabilisiert. Nach den Verbraucherpreisdaten fiel der Preis um 6,29 Prozent auf 55,74 Dollar, im Tief auf 55,39 Dollar – ein Jahrestief.
Am Donnerstag erholt sich Silber um rund 2 Prozent und notierte im Verlauf wieder über 57 Dollar. Damit testet das Metall die Untergrenze der mehrmonatigen Handelsspanne zwischen 55 und 75 Dollar. Die entscheidende Marke liegt bei 54,50 Dollar, dem 0,786-Fibonacci-Niveau.
Wettmärkte sehen eine Chance von 61,5 Prozent, dass 54 Dollar im Oktober noch erreicht werden – wer hier kauft, muss den Stopp also ernst nehmen. Nach oben warten die 50-Tage-Linie bei rund 64 Dollar und die Widerstandszone zwischen 66 und 69 Dollar.
Dass Silber gegenüber Gold zuletzt deutlich mehr Boden verloren hat, wirft die Frage nach der mittelfristigen Einordnung auf. Analyst Daniel Wilhelmi sieht das Metall im laufenden Rohstoff-Superzyklus vor Gold, getragen von der Industrienachfrage aus Photovoltaik und Verteidigung, und nennt in seinem kostenlosen Sonderreport ausgewählte Silber-Minen-Aktien mit Namen und WKN. Silber-Report mit Namen und WKN sichern
Gold gibt in diesem Setup den Takt vor. Gold liegt aktuell 1,2 Prozent höher nahe 4.150 Dollar, getragen von fallenden Renditen und einem Dollar, der von seinem 18-Monats-Hoch zurückkommt. Direkt darüber liegt die 200-Tage-Linie bei 4.164 Dollar.
Das Gold-Silber-Verhältnis ist auf ein Jahreshoch von 73,8 gestiegen: Silber hat gegenüber Gold deutlich mehr abgegeben und bietet deshalb bei einer Beruhigung das größere Aufholpotenzial. Die These für Trader lautet: Solange 54,50 Dollar hält, ist der Abverkauf eine Liquidation, keine Trendwende – fällt die Marke, ist die Range gebrochen und das Setup hinfällig.
Drägerwerk: Fallendes Messer oder Chance an der 100-Euro-Marke?
Drägerwerk ist am Donnerstag das Schlusslicht im SDAX. Die Vorzüge brachen nach vorläufigen Quartalszahlen um 14,67 Prozent auf 99,50 Euro ein, das Niveau von Ende Juli. Das bereinigte operative Ergebnis im dritten Quartal lag deutlich unter den Markterwartungen, der Gewinn sank trotz Zollrückerstattungen wegen überproportional gestiegener Kosten. Die Jahresprognose 2026 hat Drägerwerk bestätigt.
Analyst Harald Hof von mwb research senkt die Gewinnschätzung für 2026, bleibt aber bei „Kaufen“ mit Kursziel 135 Euro. Sein Argument: Historisch entstehen bis zu 60 Prozent des jährlichen operativen Gewinns (Ebit) erst im vierten Quartal.
Die Drägerwerk-Vorzüge liegen seit Jahresbeginn trotz des Einbruchs noch 44 Prozent vorn. Für ein Rebound-Setup brauchen Sie einen Schluss über 100 Euro mit abnehmendem Volumen auf der Verkaufsseite – vorher bleibt das ein fallendes Messer.
Zweite Reihe gespalten: DocMorris steigt, Aixtron stürzt
Die zweite Reihe zeigt am Donnerstag zwei gegensätzliche Welten. DocMorris hat im dritten Quartal die bereinigte Ebitda-Gewinnschwelle vorzeitig erreicht und die Jahresprognose erhöht. Die DocMorris-Aktie markierte im Verlauf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 16,65 Euro und notiert aktuell bei 15,65 Euro, ein Plus von 4,3 Prozent.
Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Konkurrent Redcare Pharmacy testet parallel seine Hochs – der Sektor läuft, der Rücksetzer vom Tageshoch ist die Einstiegszone. Zudem kündigt flatexDEGIRO einen Aktienrückkauf von bis zu 100 Millionen Euro an, vorbehaltlich der BaFin, und legte am Nachmittag rund 4 Prozent zu.
Auf der Gegenseite steht die Halbleiter-Zulieferkette. Aixtron verlor am Nachmittag fast 13 Prozent, Siltronic und Süss MicroTec jeweils rund 10 Prozent, Jenoptik knapp 7 Prozent und fiel dabei charttechnisch unter die Tiefs der vergangenen Monate. Infineon liegt aktuell rund 4,5 Prozent im Minus.
Der Philadelphia-Halbleiterindex notiert 20 Prozent unter seinem Allzeithoch – das ist formal ein Bärenmarkt, auch wenn der Sektor auf Dreijahressicht weit im Plus bleibt. Für Trader ist der Chipsektor kein Boden-Setup, solange die gerissenen Tiefs nicht zurückerobert sind.
Während DocMorris neue Hochs markiert und Aixtron zweistellig einbricht, zeigt sich, wie stark die Titelauswahl über den Depoterfolg entscheidet. Der kostenlose Report „Rekord Aktien“ stellt fünf Unternehmen mit Wachstumsperspektive vor und setzt auf Qualität, Wachstum und Trendfaktoren statt auf blinde Spekulation. Fünf Wachstumswerte im Report entdecken
Tesla: Roadster-Nacht, Barclays-Fusionsthese und die 200-Tage-Linie
Tesla zeigt in der Nacht auf Freitag gegen 3 Uhr MESZ den neuen Roadster, fast neun Jahre nach der Erstankündigung. Das Event findet auf einem SpaceX-Gelände in Texas statt; gezeigt werden soll eine limitierte Version mit Kaltgas-Triebwerken für kurze Flugmanöver. Die Anzahlung beträgt 50.000 Dollar, der Endpreis soll über 250.000 Dollar liegen.
Morningstar schätzt den Absatz auf rund 2.000 Fahrzeuge pro Jahr – bei 1,6 Millionen Auslieferungen im Vorjahr. Elon Musk selbst nennt das Modell einen Imageträger, keinen Umsatztreiber. Die Tesla-Aktie notiert aktuell bei 323,65 Euro, 1,6 Prozent im Minus und unter der 200-Tage-Linie. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 259,75 Euro bis 424,10 Euro.
Interessanter als das Auto ist die Note von Barclays. Analyst Dan Levy hält eine Fusion von Tesla und SpaceX noch vor Dezember für möglich, spätestens binnen sechs bis zwölf Monaten. Erwartet wird ein reiner Aktientausch, bei dem SpaceX mit rund 2,1 Billionen Dollar Bewertung Tesla mit rund 1,5 Billionen übernimmt.
Musk käme auf etwa 37 Prozent der Anteile und 56 Prozent der Stimmrechte. Barclays bleibt bei „Hold“ mit Kursziel 370 Dollar. SpaceX notiert aktuell 4 Prozent im Minus bei 130,86 Euro.
Am 21. Oktober folgen die Tesla-Quartalszahlen; der Konsens erwartet einen sinkenden Gewinn je Aktie. Dazu läuft eine Sicherheitsuntersuchung der US-Behörde NHTSA zu Robotaxis in Schulzonen. Die Roadster-Nacht liefert Schlagzeilen, aber die handelbare Information kommt erst mit den Zahlen.
Marschroute
Rheinmetall: Ein Schluss über 1.000 Euro bestätigt den Ausbruch, das Tageshoch von 1.035,60 Euro ist die nächste Hürde, unter 977 Euro ist der Ausbruch gescheitert. Silber: 54,50 Dollar ist die Linie zwischen Liquidation und Trendbruch, 64 Dollar das erste Ziel. Drägerwerk: Erst ein Schluss über 100 Euro macht aus dem Absturz ein Rebound-Setup.
DocMorris: Rücksetzer unter das Tageshoch von 16,65 Euro sind die Einstiegszone, solange die Prognoseerhöhung trägt. Chipwerte: Kein Boden ohne Rückeroberung der gerissenen Tiefs. Termine: Rede von Fed-Chef Warsh am Freitag, Tesla-Zahlen am 21. Oktober, Fed-Entscheid am 28. Oktober.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
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