Liebe Traderinnen und Trader,
drei Vermögenswerte, drei völlig unterschiedliche Ausgangslagen: Rheinmetall kämpft mit einer frischen Prognosesenkung, der DAX bricht Rekorde aus eigener industrieller Kraft, und Bitcoin steht exakt an der Schwelle, die über den nächsten Trend entscheidet. Wer am Montag in die neue Handelswoche startet, sollte alle drei Linien im Kopf haben – nicht nur den Schlusskurs vom Freitag.
Rheinmetall: Prognosesenkung trifft auf Rekord-Auftragsbestand
Rheinmetall senkte am Donnerstag seine Umsatzprognose für 2026 von 14 bis 14,5 Milliarden Euro auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Auslöser ist das geplatzte Fregattenprojekt F126, das den Konzern rund 300 Millionen Euro Umsatz kostet. Konzernchef Armin Papperger zeigte sich zudem „sehr unzufrieden“ über den Verlust eines Marineauftrags mit einem Volumen von 10 Milliarden Euro. Die operative Marge soll trotzdem bei rund 19 Prozent bleiben, der Auftragsbestand liegt weiterhin bei über 80 Milliarden Euro.
Der eigentliche Kurstreiber für die neue Woche liegt woanders: dem Boxer-Großauftrag. Papperger erwartet den Abschluss noch bis Jahresende, Rheinmetalls Anteil an dem rund 25 Milliarden Euro schweren Deal mit KNDS liegt bei 12,4 Milliarden Euro, dazu kommt ein Servicevertrag von etwa 4 Milliarden Euro. Erste Erlöse aus der ATACMS-Raketenproduktion mit Lockheed Martin fließen dagegen erst ab 2028 – kurzfristig also kein Hebel. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.145,40 Euro, leicht schwächer als am Vortag. Nach dem Kursrutsch infolge der Prognosesenkung hat sich der Titel damit stabilisiert, bleibt aber gut 26 Prozent im Minus seit Jahresbeginn und weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007 Euro.
Für Trader ergibt sich ein zweigeteiltes Bild: Kurzfristig bleibt der Titel nach der Prognosesenkung fragil, doch der erwartete Boxer-Abschluss liefert einen fest datierten Termin, der die Aktie aus der aktuellen Seitwärtsrange lösen könnte – genau die Art Gegengewicht, die ein Depot in volatilen Tech-Wochen gebrauchen kann.
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DAX-Rekord: Diesmal liefert die Industrie den Beweis, nicht die Fed
Der DAX markierte am Freitag im Verlauf ein neues Allzeithoch bei rund 26.440 Punkten und schloss bei etwas über 26.300 Zählern – ein Plus von mehr als 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert ist, wer diesmal den Impuls lieferte: nicht nur der schwache US-Arbeitsmarktbericht, sondern handfeste deutsche Konjunkturdaten. Die Industrieproduktion legte im Juni um 0,2 Prozent zu, nach einem kräftigen Plus von 0,7 Prozent im Mai, getragen von einem Sprung in der Autoproduktion um 3,6 Prozent. Gleichzeitig schrumpfte das deutsche Handelsbilanzdefizit von 19,3 auf 15,4 Milliarden Euro.
Diese Kombination aus robuster Realwirtschaft und einem deutlich abkühlenden US-Arbeitsmarkt – die USA verloren im Juli überraschend 23.000 Stellen statt der erwarteten 80.000 neuen Jobs – hat die Anleger in Sicherheit gewogen, ohne dass die Fed-Zinsdebatte den Ton angeben musste. Für deutsche Depots heißt das: Die Rekordrally steht diesmal auf zwei Beinen, nicht nur auf der Hoffnung auf laxere US-Geldpolitik. Wer nach der Rally Gewinne mitnehmen will, sollte dennoch beachten, dass Einzelwerte innerhalb des Index deutlich divergierten – SAP zog kräftig an, während Daimler Truck nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal unter Druck geriet. Der Index läuft, aber er läuft nicht geschlossen.
Bitcoin: Der Widerstand entscheidet über die nächste Etappe
Bitcoin notierte zuletzt bei rund 65.200 Dollar und hat sich damit spürbar von seinem 52-Wochen-Tief bei knapp 57.700 Dollar Anfang Juli erholt. Die entscheidende Marke für die neue Woche liegt zwischen 66.000 und 66.500 Dollar: Gelingt der Ausbruch, öffnet sich charttechnisch der Weg Richtung 70.000 Dollar. Scheitert der Versuch erneut, droht ein Rückfall in die Unterstützungszone bei 61.000 bis 62.000 Dollar – im schlechtesten Fall sogar bis 50.000 Dollar.
Für Zuversicht sorgt das On-Chain-Bild: Große Wallets mit 10 bis 10.000 BTC haben seit dem 29. Juli mehr als 20.000 Bitcoin im Wert von über 1,2 Milliarden Dollar akkumuliert, US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von 754,7 Millionen Dollar. Selbst eine seit Juli 2011 inaktive Wallet mit knapp 50 Bitcoin – damals für etwa 500 Dollar gekauft, heute über 3 Millionen Dollar wert – wurde am Donnerstag bewegt, ein Indiz für die zunehmende Aktivität rund um die aktuellen Niveaus. Gegenläufig: Trump Media hat sein Krypto-Engagement zurückgefahren, die geplante Akkumulation des CRO-Tokens von Crypto.com beendet und 2.628 Bitcoin im Wert von rund 165 Millionen Dollar an Crypto.com transferiert – was den CRO-Kurs am Freitag um 5 Prozent drückte.
Der Termin, der die Richtung vorgeben dürfte, ist der US-Inflationsbericht am Mittwoch. Bis dahin dürfte der Markt technisch zwischen den beiden Marken pendeln, während die auf September verschobene Abstimmung über das CLARITY Act im Senat als politischer Unsicherheitsfaktor im Hintergrund bleibt.
Während Bitcoin an der Schwelle zwischen 66.000 und 66.500 Dollar um die nächste Etappe kämpft, richten viele Anleger den Blick bereits auf die nächste Generation vielversprechender Kryptowährungen. Ein kostenloser Report nennt 3 Kryptos, deren Gewinnpotenzial nach Einschätzung von Finanzexperten sogar das von Gold übertreffen könnte. Kostenlosen Krypto-Report herunterladen
Uber/Delivery Hero: Die Finanzierung wächst, die Kurslücke bleibt
Bei Delivery Hero ging es zuletzt vor allem um die Deal-Struktur – jetzt liefert Uber die operative Bestätigung dazu. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 14,19 Milliarden Dollar, das bereinigte Bruttotransaktionsvolumen legte um 24 Prozent zu. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kurssprung auf rund 65 Euro. Wichtiger für die Übernahme: Uber hat sich eine neue unbesicherte revolvierende Kreditlinie über 7,7 Milliarden Dollar bis 2031 sowie ein separates Term Loan zur Finanzierung des 14,8-Milliarden-Euro-Angebots (41,50 Euro je Aktie) gesichert und die Brückenfinanzierung um 4 Milliarden Euro reduziert – ein Zeichen, dass die Bank-Seite des Deals zunehmend Substanz gewinnt.
Delivery Hero selbst schloss die Woche bei 37,19 Euro und damit weiterhin klar unter dem gebotenen Übernahmepreis. Das ist kein Zufall, sondern ein Urteil: Der Markt traut dem für das zweite Halbjahr 2027 anvisierten Abschluss noch nicht vollständig, auch wegen des geplanten Verkaufs von 14 Delivery-Hero-Einheiten an SSW Partners zur Kartellfreigabe. Die Finanzierung steht – der regulatorische Fahrplan bestimmt weiterhin das Tempo.
Marschroute
Der Sonntagabend ist der letzte ruhige Moment vor der neuen Handelswoche – nutzen Sie ihn, um diese drei Marken im Kalender zu markieren:
- Rheinmetall: Der Boxer-Abschluss (12,4 Mrd. Euro Rheinmetall-Anteil, plus 4 Mrd. Euro Service) wird bis Jahresende erwartet und dürfte über die nächste Kursrichtung entscheiden. Kurzfristig bleibt der Titel nach der Prognosesenkung fragil.
- DAX: Die Rekordrally steht erstmals auf zwei Beinen – deutsche Industriedaten plus schwache US-Jobs. Zu beobachten bleibt, ob diese Story trägt, sobald die Fed-Zinsdebatte wieder lauter wird.
- Bitcoin: Range zwischen 61.000/62.000 Dollar (Support) und 66.000/66.500 Dollar (Widerstand). Der US-Inflationsbericht am Mittwoch liefert den nächsten echten Test der oberen Marke.
- Delivery Hero: Kurs (37,19 Euro) bleibt unter dem Angebotspreis (41,50 Euro) trotz solider Uber-Zahlen und gesicherter Finanzierung – die Prämie hängt weiter am Vollzugstermin 2027.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
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