Richemont könnte sich am Eigentümerwechsel bei De Beers beteiligen. Bloomberg berichtete gestern unter Berufung auf fünf Informanten über Gespräche mit dem Global Diamond Consortium. Für den Eigentümer von Cartier und Van Cleef & Arpels stünde dabei weniger der finanzielle Beitrag als die Positionierung natürlicher Diamanten im Vordergrund. Eine Teilnahme ist allerdings nicht sicher.
Kleiner Anteil mit strategischem Gewicht
Neben Richemont verhandelt auch Signet Jewelers über einen Beitritt zum Konsortium. Dieses gilt als bevorzugter Bieter für Anglo Americans 85-%-Anteil an De Beers. Mögliche Beteiligungen der beiden Unternehmen dürften angesichts bereits zugesagter Anteile afrikanischer Staaten und privater Investoren klein ausfallen.
RBC sieht Richemonts Bedeutung vor allem in der Positionierung natürlicher Diamanten und weniger in der Finanzierung der Übernahme. Ein Einstieg könnte dem Konzern zudem Zugang zu natürlichen Diamanten sichern. Damit wäre die Beteiligung vor allem eine strategische Ergänzung für die Schmuckhäuser und nicht lediglich eine Finanzanlage.
Botswana hält bereits 15 % an De Beers und besitzt ein Vorkaufsrecht. Über dessen Ausübung hat das Land noch nicht entschieden. Offizielle erwarteten einen Abschluss der Transaktion im vierten Quartal 2026.
Für Anleger ist diese Unterscheidung entscheidend: Gespräche über einen Konsortialbeitritt sind noch keine verbindliche Investitionszusage. Weder Richemonts Teilnahme noch die konkrete Größe einer möglichen Beteiligung stehen fest.
Schwache Diamantpreise begrenzen die Perspektive
Die mögliche Beteiligung fällt in einen Markt mit widersprüchlichen Signalen. De Beers meldete eine stabilisierte Nachfrage nach natürlichen Diamanten, besonders in den USA und Indien. Gleichzeitig belasteten im Labor gezüchtete Diamanten weiterhin das niedrigere Preissegment.
Im dritten Quartal 2026 fiel der durchschnittlich erzielte Rohdiamantpreis um 45 % auf 84 US-Dollar je Karat. Die bessere Nachfrage ging somit nicht mit einer Erholung des Durchschnittspreises einher.
Für Richemont wäre ein Einstieg deshalb nicht mit einer Wette auf bereits wiederhergestellte Preissetzungsmacht gleichzusetzen. Die strategische Bedeutung natürlicher Diamanten für die Schmuckhäuser steht einem weiterhin schwierigen Marktumfeld gegenüber.
RBC bleibt vor Halbjahreszahlen zuversichtlich
Unabhängig von den Übernahmegesprächen bestätigte RBC am Mittwoch die Einstufung „Outperform“ für Richemont. Das Kursziel liegt bei 220 CHF.
Analyst Piral Dadhania erwartet für die anstehenden Halbjahreszahlen ein organisches Umsatzwachstum von 15,6 % und eine EBIT-Marge von 23 %. Die Wachstumsschätzung entspricht dem Konsens. Bei der Marge liegt Dadhania leicht über den Markterwartungen.
Damit bleibt das operative Geschäft der unmittelbarere Prüfstein für Anleger. Die Bilanzvorlage wird voraussichtlich am 13. November erwartet. Die De-Beers-Gespräche eröffnen daneben eine strategische Perspektive, deren finanzielle Tragweite erst mit konkreten Beteiligungskonditionen beurteilbar wäre.
Stand heute, 23. Oktober: Richemont – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Richemont investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 23. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

