Während Nahost-Sorgen die europäischen Börsen bremsen, schert eine Aktie deutlich aus: Richemont schießt auf ein Rekordhoch. Der Genfer Luxuskonzern hat mit seinen Quartalszahlen nicht nur die eigenen Anleger überrascht, sondern gleich die halbe Branche mitgezogen.

Das Papier legte am Vormittag um 6,4 Prozent auf 195 Schweizer Franken zu und knackte damit seine bisherige Bestmarke von gut 190 Franken aus dem Juni. Damit war Richemont Spitzenwert im Schweizer Leitindex SMI – und das in einem Marktumfeld, das durch steigende Anleiherenditen und Sorgen vor einer Eskalation zwischen den USA und dem Iran belastet war.

Schmuck zieht, Uhren hinken hinterher

Der Konzernumsatz kletterte im ersten Geschäftsquartal 2026/27 um 17 Prozent auf 6,33 Milliarden Euro, währungsbereinigt sogar um 20 Prozent. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 11,5 Prozent in Lokalwährungen gerechnet – die Diskrepanz erklärt den Kurssprung.

Treiber bleibt das Schmuckgeschäft mit Cartier und Van Cleef & Arpels: Hier wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 24 Prozent auf 4,37 Milliarden Euro. Die Uhrenmarken IWC und Piaget kamen dagegen nur auf ein bereinigtes Plus von 8 Prozent. Regional überraschte vor allem die Erholung in China, Macau und Hongkong mit zweistelligem Wachstum, während die USA mit einem Umsatzplus von 27 Prozent die stärkste Einzelregion blieben. Selbst im krisengeplagten Mittleren Osten und Afrika legte das Geschäft noch um 3 Prozent zu.

Analysten sehen Signalwirkung für die Branche

Deutsche Bank Research beließ Richemont nach den Zahlen auf „Buy“ mit einem Kursziel von 195 Franken. Analyst Adam Cochrane sprach von einem soliden Bericht mit positiver Signalwirkung für die gesamte europäische Luxusbranche und erwartet nun spürbar steigende Konsensschätzungen für das Ergebnis je Aktie – eine Einschätzung, die RBC-Analyst Piral Dadhania teilt.

Die Zahlen zogen auch Wettbewerber mit: LVMH gewann 2,5 Prozent, Hermès 2,2 Prozent, Kering 3,3 Prozent und Burberry 2,8 Prozent. Der Vergleich zeigt aber, wie weit sich Richemont vom Rest der Branche abgesetzt hat: Seit Jahresbeginn steht bei Richemont ein Kursplus von rund 13 Prozent, während LVMH 23 Prozent verlor, Hermès 20 Prozent und Kering 16 Prozent. Burberry büßte im gleichen Zeitraum 14 Prozent ein.

Zur Ergebnisentwicklung und zum Ausblick äußert sich das Management um Verwaltungsratspräsident Johan Rupert traditionell nicht im ersten Quartal. Die nächsten konkreten Zahlen zur Profitabilität dürften daher erst mit dem Halbjahresbericht folgen.