Rio Tinto Aktie: China wird zum Zünglein an der Waage

Die geplante Fusion der Bergbauriesen Rio Tinto und Glencore hängt entscheidend von der Genehmigung Chinas ab, dem größten Rohstoffabnehmer. Pekings Auflagen könnten den Verkauf strategischer Vermögenswerte erfordern.

Rio Tinto Aktie
Kurz & knapp:
  • China als entscheidender Genehmigungsgeber für Fusion
  • Marktmacht bei Kupfer und Eisenerz im Fokus
  • Verkauf afrikanischer Assets als mögliche Bedingung
  • Rio Tinto schließt Kooperationen mit BHP und AWS

Der angelsächsische Bergbauriese steht vor seiner womöglich größten strategischen Weichenstellung seit Jahren. Die Anfang Januar 2025 öffentlich gewordenen Fusionsgespräche mit dem Schweizer Konkurrenten Glencore könnten einen Branchenkoloss mit über 200 Milliarden Dollar Marktwert entstehen lassen. Doch ein Akteur dürfte bei diesem Megadeal das letzte Wort haben: Peking.

Analysten und Rechtsexperten sind sich einig, dass eine Zusammenführung der beiden Konzerne zwingend die Zustimmung der chinesischen Kartellbehörden benötigt. Der Grund liegt auf der Hand: China ist der mit Abstand größte Abnehmer von Rohstoffen beider Unternehmen. Bei früheren Branchenfusionen wie Glencores 35-Milliarden-Dollar-Übernahme von Xstrata im Jahr 2013 musste Peking bereits grünes Licht geben.

Der Preis für Pekings Segen

Die chinesischen Regulierer dürften vor allem die Marktkonzentration bei Kupfer und Eisenerz kritisch unter die Lupe nehmen. Ein fusioniertes Unternehmen würde nach Berechnungen von Barrenjoey etwa 17 Prozent der weltweiten Kupfervermarktung kontrollieren – ein enormer Hebel für ein einzelnes Unternehmen. Zwar liegt der Anteil an der tatsächlichen Minenproduktion nach Barclays-Schätzungen nur bei 7,5 Prozent, doch die politische Dimension überlagert rein wirtschaftliche Erwägungen.

Bereits vor Bekanntwerden der Fusionspläne hatte Rio Tinto Gespräche über einen Aktien-gegen-Vermögenswerte-Tausch mit seinem größten Einzelaktionär geführt: dem chinesischen Staatskonzern Chinalco, der 11 Prozent hält. Im Gespräch waren dabei unter anderem die Simandou-Eisenerzmine in Guinea und die Oyu-Tolgoi-Kupfermine in der Mongolei.

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Glencore kennt die chinesischen Spielregeln aus eigener leidvoller Erfahrung. 2013 musste der Konzern seine Beteiligung an der Las-Bambas-Kupfermine in Peru für knapp 6 Milliarden Dollar an chinesische Investoren verkaufen – als Bedingung für die Xstrata-Übernahme. Zusätzlich verpflichtete sich Glencore, chinesischen Kunden über siebeneinhalb Jahre Mindestmengen an Kupferkonzentrat zu bestimmten Preisen zu liefern.

Afrikanische Assets im Visier

Branchenkenner wie Glyn Lawcock von Barrenjoey rechnen damit, dass Peking auch diesmal Zugeständnisse fordern wird. Besonders afrikanische Vermögenswerte gelten als wahrscheinliche Verkaufskandidaten, da Lateinamerika chinesischen Investitionen zunehmend skeptisch gegenübersteht. „China wird dies als Gelegenheit sehen, sich Vermögenswerte zu sichern“, so Lawcock.

Die Brisanz des Themas wird durch die wachsende strategische Bedeutung von Kupfer verschärft. Das Metall gilt als unverzichtbar für die Energiewende und den Ausbau künstlicher Intelligenz – zwei Bereiche, in denen sich China und die USA einen erbitterten Technologiewettlauf liefern. Das Weiße Haus hat Chinas Dominanz über Kupfer-Lieferketten bereits als direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit bezeichnet.

Wie würde Washington also auf den Verkauf wichtiger Kupfer-Assets an chinesische Staatsunternehmen reagieren? Die Frage bleibt offen und könnte zum Stolperstein werden. Politische Erwägungen haben schon früher Megadeals zum Scheitern gebracht: 2018 scheiterte Qualcomms 44-Milliarden-Übernahme von NXP Semiconductors an fehlender chinesischer Genehmigung – als Reaktion auf den damaligen Handelskonflikt mit den USA.

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Positive Signale aus Down Under

Während die Fusionsverhandlungen laufen, setzt Rio Tinto parallel auf Kooperation statt Konfrontation. Mitte Januar 2025 gaben der Konzern und BHP eine Zusammenarbeit bei der Eisenerzförderung in Australien bekannt. Durch gemeinsame Projekte in den benachbarten Minen Yandicoogina und Yandi in der Pilbara-Region wollen beide bis zu 200 Millionen Tonnen zusätzliches Eisenerz gewinnen – mit minimalem Kapitaleinsatz durch bessere Nutzung vorhandener Infrastruktur.

Zeitgleich verkündete Rio Tinto eine strategische Partnerschaft mit Amazon Web Services. AWS wird als erster Kunde Kupfer aus Rio Tintos innovativer Nuton-Technologie beziehen und in US-Rechenzentren verbauen. Die Nuton-Methode nutzt Mikroorganismen zur Kupfergewinnung aus Sulfiderzen und produziert 99,99 Prozent reines Kupfer direkt am Minenstandort – mit deutlich geringerem Wasserverbrauch und niedrigeren CO2-Emissionen als herkömmliche Verfahren.

Die zweijährige Vereinbarung umfasst auch Cloud-basierte Datenanalyse zur Optimierung des Biolaugungsprozesses in der Johnson-Camp-Mine. Ein Schritt, der Rio Tintos Ambitionen im Zukunftsmarkt für grünes Kupfer unterstreicht.

Die Investoren honorierten die Nachrichten: Die Rio-Tinto-Aktie legte in London zeitweise um 1,02 Prozent auf 64,20 Pfund zu. Ob die Fusion mit Glencore letztlich zustande kommt, wird maßgeblich davon abhängen, welchen Preis Peking dafür verlangt – und ob beide Seiten bereit sind, ihn zu zahlen.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.