Der amerikanische Arbeitsmarkt trotzt den Zinssorgen. Er liefert der Federal Reserve frische Argumente für eine straffere Geldpolitik. Im Oktober entstanden in den USA 165.000 neue Stellen – rund 100.000 mehr als von Ökonomen erwartet. Die Arbeitslosenquote sank unerwartet auf 4,1 Prozent. Diese anhaltende Beschäftigungsdynamik verschafft den Währungshütern neuen Spielraum, um die hartnäckige Inflation mit weiteren Zinsschritten zu bekämpfen.
Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, stellte umgehend klar, worauf sich die Märkte einstellen müssen. Die Notenbank werde ihre Geldpolitik voraussichtlich weiter straffen müssen. Das oberste Ziel bleibe die Preisstabilität. Allerdings seien der genaue Zeitpunkt sowie das Ausmaß möglicher weiterer Schritte noch unklar.
Hinzu kommt eine ungebrochene Verschuldungsbereitschaft der privaten Haushalte. Der US-Konsumkredit kletterte zuletzt um 27,84 Milliarden Dollar. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg um 13,40 Milliarden Dollar gerechnet. Im Vormonat hatte das Plus bei 8,19 Milliarden Dollar gelegen. Die Konsumenten stützen damit die Binnennachfrage auf Pump.
Risse unter der Oberfläche
Der Beschäftigungsbericht offenbart jedoch eine geteilte Realität. Auf der einen Seite steht das verarbeitende Gewerbe, das seit Dezember 2025 um 101.000 Jobs zulegte. Auf der anderen Seite verlieren Arbeitslose zunehmend den Anschluss an den Arbeitsmarkt.
Die durchschnittliche Dauer der Erwerbslosigkeit stieg auf 27,1 Wochen. Der Median kletterte parallel auf 11,9 Wochen. Abgesehen von der Phase der Pandemie markiert dies den höchsten Stand seit rund einem Jahrzehnt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Einkommen der Inflation hinterherhinken: Da das nominale Lohnwachstum moderat bleibt, sinken die Reallöhne der Beschäftigten weiter.
Für die Federal Reserve bedeutet diese Gemengelage eine heikle Gratwanderung. Daly bewertete das jüngste Verharren der Leitzinsen zwar als angemessen, bekräftigte jedoch ihre Bereitschaft zu weiteren Zinserhöhungen, sollten die wirtschaftlichen Daten dies erfordern. Die US-Notenbank wird in den kommenden Wochen vor allem prüfen, ob der Preisdruck nachhaltig nachlässt oder der robuste Beschäftigungszuwachs die Teuerung erneut antreibt.


