Roche liefert beim Multiple-Sklerose-Kandidaten Fenebrutinib neue Phase-III-Daten. Sie zeigen erstmals in einer prospektiven Studie eine Wirkung auf chronisch aktive Hirnläsionen, einen Haupttreiber der langfristigen Behinderungsprogression. Die Aktie legte am Mittwoch moderat zu und gehörte zu den leicht gestützten Schwergewichten im Schweizer Leitindex.

Fenebrutinib wirkt im Gehirn

Die Daten stammen aus den Studien FENhance 1 und 2 bei schubförmiger MS sowie FENtrepid bei primär progredienter MS. Roche präsentiert sie auf dem Kongress MSToronto2026. Fenebrutinib verringerte das Volumen langsam wachsender Läsionen um bis zu 30 Prozent. Bei den sogenannten paramagnetischen Randläsionen sank die Neubildung in der schubförmigen Form um 62 Prozent. Als Vergleich dienten aktive Standardtherapien.

Auch die übrigen Ergebnisse der gepoolten FENhance-Studien fallen deutlich aus. Die jährliche Schubrate sank gegenüber dem Vergleichspräparat Teriflunomid um 55 Prozent. Drei Viertel der Patienten zeigten nach knapp zwei Jahren keine Krankheitsaktivität. Der jährliche Hirnvolumenverlust ging um 23 Prozent zurück.

Roche sieht darin das Potenzial für das erste hochwirksame orale Medikament für beide MS-Formen. Fenebrutinib ist ein reversibler BTK-Hemmer, der die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Das Mittel bleibt vorerst Prüfpräparat.

Ocrevus und Enspryng ergänzen

Das Portfolio liefert weitere Argumente. Mit Ocrevus blieben 90 Prozent der Kinder zwischen 10 und 17 Jahren zwei Jahre lang schubfrei. Die EU-Kommission hatte die Zulassung für diese Altersgruppe am 15. Oktober erteilt, die US-Behörde FDA schon im Mai.

Beim Antikörper Enspryng stehen Daten zur seltenen Autoimmunerkrankung MOGAD im Fokus. Patienten erholten sich nach Schüben numerisch besser als unter Placebo. Eine US-Entscheidung über die Zulassung wird im Januar 2027 erwartet. Es wäre die erste Zulassung für diese Erkrankung.

Marktreaktion

Der Kurs reagierte nur verhalten. Roche gewann 0,5 Prozent, der Schweizer Markt insgesamt hinkte europäischen Börsen etwas hinterher. Der SMI schloss 0,5 Prozent höher bei 14.552 Punkten. Defensive Titel waren bei der guten Stimmung in Europa weniger gefragt.

Der Kongress läuft noch bis zum 23. Oktober. Dann folgt die späte mündliche Präsentation zu den Läsionsdaten. Die Entscheidung der FDA zu Enspryng im Januar 2027 setzt den nächsten Meilenstein.