Ein erfolgreicher Raketentest und trotzdem geht es weiter bergab. Rocket Lab meldet einen wichtigen technischen Fortschritt bei der neuen Neutron-Rakete. Die Aktie reagiert darauf mit einem weiteren Verlust von 3,20 Prozent. Der Markt straft das Papier gerade für etwas ganz anderes ab.

Ein Ausverkauf ohne Gnade

Der Kurs schloss am Montag bei 57,40 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 16,81 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 34,62 Prozent. Damit hat die Aktie fast ein Drittel ihres Wertes innerhalb eines Monats verloren.

Der Abstand zum Rekordhoch von 133,80 Euro aus dem Mai beträgt mittlerweile 57,10 Prozent. Die Aktie notiert damit deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 92,80 Euro. Der 14-Tage-RSI von 29,0 signalisiert eine überverkaufte Situation – ein Wert, der normalerweise auf eine baldige Gegenbewegung hindeutet.

Der Neutron-Test als Lichtblick

Inmitten des Ausverkaufs lieferte Rocket Lab immerhin eine positive Nachricht. Das Unternehmen führte einen vollständigen Zündtest des AVac-Triebwerks durch, das für die Vakuum-Version der Neutron-Rakete vorgesehen ist. Der Test gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zum ersten Flug der wiederverwendbaren Rakete.

Rocket Lab hält weiter am Zeitplan fest. Der Jungfernflug der Neutron soll im vierten Quartal 2026 stattfinden.

Die Iridium-Übernahme belastet die Stimmung

Der eigentliche Auslöser für den Kursverfall liegt woanders. Rocket Lab hatte eine Übernahme von Iridium Communications angekündigt, für 54 Dollar je Aktie und einen Unternehmenswert von rund 8 Milliarden Dollar. Das Geschäft soll Rocket Lab zu einem vertikal integrierten Anbieter von Weltraum-Infrastruktur machen.

Der Markt reagiert skeptisch. Anleger fürchten eine Verwässerung ihrer Anteile durch die Übernahme. Hinzu kommt die Verschiebung des Neutron-Erstflugs auf das vierte Quartal 2026 sowie planmäßige Aktienverkäufe von CEO Peter Beck zwischen dem 6. und 8. Juli, zu Preisen zwischen etwa 82 und 102 Dollar. Diese Kombination trifft auf einen Markt, der sich ohnehin gerade von Raumfahrt-Titeln abwendet.

Auch die Stimmung unter Privatanlegern zeigt den Umschwung deutlich. Sentiment-Werte aus der Reddit-Community fielen von einem Hoch von 85 rund um die Ankündigung der Iridium-Übernahme auf Tiefstwerte zwischen 18 und 24 Mitte Juli.

Analysten uneinig über den richtigen Einstiegspunkt

Die Wall Street ist gespalten. Piper Sandler startete die Coverage kürzlich mit einem neutralen Rating. Citizens und Roth Capital halten dagegen an optimistischen Kurszielen fest und argumentieren, die Iridium-Übernahme stärke die Position von Rocket Lab als vertikal integrierter Infrastruktur-Anbieter im Weltraumsektor.

Andere Marktbeobachter mahnen zur Vorsicht. Ihre Einschätzung: Wer jetzt einsteigt, könnte noch tiefere Kurse verpassen – ein Kauf lohne sich erst nach weiteren Rückgängen.

Zwei Termine dürften die kommenden Monate prägen. Der Erstflug der Neutron im vierten Quartal 2026, nun gestützt durch den erfolgreichen Triebwerkstest. Und der Abschluss der Iridium-Übernahme, der laut früheren Unternehmensangaben nicht vor Mitte 2027 zu erwarten ist. Bis dahin bleibt die Schwankungsbreite hoch – die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt derzeit bei 95,66 Prozent.