Operative Erfolge auf der einen Seite, Kursverluste auf der anderen: Rocket Lab erlebt gerade eine ungewöhnliche Schere. Während das Unternehmen seinen 85. Electron-Flug absolvierte und einen Rekordauftragsbestand vorweist, zieht das makroökonomische Umfeld den Kurs deutlich nach unten.
Breiter Tech-Ausverkauf trifft Wachstumswerte
Am vergangenen Freitag verlor die Aktie rund 7,6 Prozent und schloss bei 60,93 US-Dollar — ein Wochenverlust von knapp 9,4 Prozent. Auslöser ist weniger eine unternehmensspezifische Schwäche als vielmehr ein breit angelegter Abverkauf im Tech-Sektor. Allein in der letzten Märzwoche verloren die sogenannten „Magnificent 7″ zusammen über 850 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung. Hintergrund: Die Märkte rechnen zunehmend mit Zinserhöhungen der US-Notenbank statt mit den erhofften Senkungen — ein Umfeld, das wachstumsorientierte Titel besonders hart trifft.
Technisch hat die Aktie dabei wichtige Unterstützungsmarken verlassen. Sie notiert nun unterhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts von rund 73,64 US-Dollar, der damit als Widerstand fungiert. Analysten sehen die kurzfristige Handelsspanne zwischen 55 und 67 US-Dollar.
Starke Pipeline, schwache Stimmung
Fundamental bleibt das Bild deutlich freundlicher. Am 28. März absolvierte Rocket Lab erfolgreich die Mission „The Daughter Of The Stars“ — den ersten dedizierten Start für die Europäische Weltraumorganisation ESA, der Celeste-Navigationssatelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn brachte. Es war der sechste Unternehmensstart in diesem Jahr, der zweite innerhalb von nur fünf Tagen.
Hinzu kommt ein 190-Millionen-Dollar-Vertrag für HASTE-Starts im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums — der größte Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte. Der Gesamtauftragsbestand umfasst inzwischen mehr als 70 Missionen, der Rekordbacklog zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres lag bei 1,85 Milliarden US-Dollar, darunter ein Satellitenvertrag mit der Space Development Agency im Wert von bis zu 816 Millionen US-Dollar.
Neutron als nächster Katalysator
Der erste Start der Neutron-Rakete ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Das Fahrzeug soll langfristig von NASAs „Ignition“-Programm profitieren — einem 20-Milliarden-Dollar-Plan für eine Mondbasis, der potenzielle Frachtaufträge in Aussicht stellt. Bis dahin dürfte die Aktie vor allem von der Entwicklung im breiteren Tech-Sektor und den Erwartungen an die Fed-Politik abhängen.
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