Rocket Lab verliert innerhalb einer Woche fast ein Fünftel seines Börsenwerts. Der Auslöser ist kein operativer Rückschlag, sondern ein Ereignis, das noch gar nicht stattgefunden hat: der erwartete Börsengang von SpaceX.
SpaceX zieht die Aufmerksamkeit auf sich
SpaceX peilt laut Reuters eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an. Der Marktstart soll bereits am 12. Juni erfolgen. Das zwingt Investoren dazu, die gesamte Branche neu zu bepreisen — und Rocket Lab steht dabei als wichtigster börsennotierter Vergleichswert im Mittelpunkt.
Das Risiko ist zweischneidig. Einerseits könnte der SpaceX-IPO frisches Kapital in Weltraumaktien ziehen. Andererseits droht ein klassisches „Sell-the-News“-Szenario nach dem starken Vorbereitungsanstieg. Der Kurs zeigt, welche Seite derzeit überwiegt.
Rocket Lab notiert aktuell bei 113,42 Dollar — ein Minus von 5,45 Prozent am Freitag. Vom 52-Wochen-Hoch bei 151,00 Dollar, das erst am 27. Mai erreicht wurde, trennt die Aktie inzwischen ein Abstand von fast 25 Prozent.
Operative Stärke bleibt unbestritten
Der Ausverkauf trifft ein Unternehmen in operativ guter Verfassung. Im ersten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Umsatz von 200,3 Millionen Dollar — ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand liegt bei 2,2 Milliarden Dollar. Die Liquidität übersteigt ebenfalls zwei Milliarden Dollar.
Im selben Quartal unterzeichnete das Unternehmen 31 neue Electron- und HASTE-Verträge sowie fünf weitere dedizierte Neutron-Starts. Das Startprogramm umfasst inzwischen mehr als 70 gebuchte Missionen.
Als nächste Mission steht der Electron-Flug „The Grain Goddess Provides“ für den japanischen Kunden iQPS an. Der Start soll frühestens im Juni 2026 vom Startkomplex in Neuseeland erfolgen und den Satelliten QPS-SAR-13 in eine 575-Kilometer-Umlaufbahn bringen. Es wäre der achte Start für iQPS im Rahmen eines geplanten 15-Missionen-Programms.
Weltrauminfrastruktur trifft KI-Narrativ
Rocket Lab positioniert sich nicht nur als Startdienstleister. Im Februar stellte das Unternehmen fortschrittliche Solarzellen vor, die gigawattfähige Rechenzentren im Orbit versorgen sollen. Die Technologie soll die Abhängigkeit von Galliumarsenid- und Germanium-Lieferketten reduzieren.
Das ist relevant, weil SpaceX seinen IPO laut Reuters auch um das Thema KI-Infrastruktur herum aufgebaut hat. Weltraumbasierte Rechenkapazität wird damit zum direkten Vergleichspunkt für Investoren.
Langfristiger Aufwärtstrend intakt
Trotz des Rückgangs handelt Rocket Lab noch deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 96,20 Dollar und weit über dem 200-Tage-Schnitt von 72,64 Dollar. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie knapp 50 Prozent im Plus. Auf Zwölfmonatssicht beträgt der Kursgewinn sogar rund 329 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 135,63 Prozent zeigt allerdings, wie heftig die Schwankungen bleiben. Entscheidend wird sein, ob Rocket Lab seinen Auftragsbestand und die Neutron-Entwicklung in konkrete Finanzergebnisse ummünzen kann — bevor SpaceX den Vergleichsmaßstab für die gesamte Branche neu setzt.
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