Liebe Leserinnen und Leser,
eine Rakete explodiert auf Cape Canaveral, und die Konkurrenz steigt im Kurs. Am Donnerstagabend zerlegte sich Blue Origins New Glenn bei einem Bodentest, die Startrampe wurde erheblich beschädigt — und am Freitag zogen Rocket Lab und AST SpaceMobile weiter an. Das klingt nach Ironie. Es ist die Logik eines Sektors, der auf Erwartungen handelt, nicht auf Umsätze. Gleichzeitig lieferte Dell am Freitag Quartalszahlen, die selbst optimistische Analysten sprachlos machten, der Iran-Waffenstillstand drückte Brent unter 93 Dollar, und die US-Inflation stieg auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Vier Themen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben — aber gemeinsam die Koordinaten für die kommende Handelswoche setzen.
Space-Aktien: 74 Prozent in einem Monat — und ein frisches Monopol
Rocket Lab hat sich im vergangenen Monat um 74 Prozent verteuert, AST SpaceMobile um 55 Prozent. Beide Titel haben sich binnen zwölf Monaten fast vervierfacht. Treiber ist die Spekulation auf einen SpaceX-Börsengang, der dem Unternehmen eine Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar zuschreiben könnte — das wäre das 80-Fache des für 2026 erwarteten Umsatzes. Dazu kommen NASA-Pläne für eine dauerhafte Mondpräsenz im Rahmen des Artemis-Programms.
Die Explosion der New Glenn verschiebt die Wettbewerbslage: Blue Origin war der einzige ernstzunehmende Konkurrent für die Artemis-Mondlandefähren. Fällt Blue Origin als Anbieter vorübergehend aus, profitieren SpaceX und damit indirekt die börsennotierten Zulieferer und Wettbewerber wie Rocket Lab.
Am US-Markt verschiebt sich die Wettbewerbslandschaft — und wer frühzeitig die richtigen Titel identifiziert, ist klar im Vorteil. Welche 3 US-Aktien Experten jetzt bei Rekordständen noch Potenzial zusprechen, zeigt dieser kostenlose Report. Gratis-Report: 3 Top US-Aktien jetzt sichern
Doch die Bewertungen sind fragil. Der Leerverkaufsanteil bei AST SpaceMobile liegt bei knapp 20 Prozent, bei Rocket Lab bei 7 Prozent. Das verstärkt Kurssprünge in beide Richtungen. Wer sich an den Elektroauto-Hype 2020/21 erinnert — Nikola insolvent, Rivian 90 Prozent unter Allzeithoch — sollte Gewinne konsequent absichern. Die Parallelen sind nicht zufällig: Hohe Bewertungen, wenig Umsatz, viel Fantasie.
Iran-Deal drückt Öl — aber die Straße von Hormus bleibt ein Engpass
Brent Rohöl fiel am Freitag um rund 1,8 Prozent auf 92,05 Dollar, WTI auf 87,36 Dollar — der größte Wochenrückgang seit Anfang April. USA und Iran haben ein vorläufiges Abkommen zur Verlängerung des Waffenstillstands um 60 Tage und zur Aufnahme von Atomgesprächen signalisiert. US-Verteidigungsminister Hegseth nannte die Gespräche „produktiv“, Trumps finale Entscheidung steht allerdings noch aus.
Ein Detail geht in der Erleichterung unter: Analysten von RBC Capital Markets erwarten, dass der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus selbst nach einem Abkommen nur auf 60 bis 70 Prozent des Vorkriegsvolumens zurückkehren dürfte. Die VAE bauen zwar eine Umgehungspipeline, die 2027 fertig sein soll — aber die Versorgungslücke bleibt mittelfristig bestehen. Energietitel, die von hohen Ölpreisen profitiert haben, stehen unter Abgabedruck. Europäische Versorger und energieintensive Industrien könnten dagegen kurzfristig aufatmen.
Dell sprengt alle Erwartungen — Nvidia steckt hinter jeder Zahl
Dell legte am Freitag um 32,76 Prozent auf 420,91 Dollar zu — der beste Handelstag in der Unternehmensgeschichte. Der Auslöser: Quartalszahlen für Q1 FY2027, die den Konsens in jeder Kategorie pulverisierten. Der Umsatz stieg um 88 Prozent auf 43,8 Milliarden Dollar. Das KI-Server-Geschäft wuchs um 757 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar. Das bereinigte EPS von 4,86 Dollar übertraf die Erwartung von rund 2,96 Dollar um mehr als 60 Prozent. Dazu kam ein Fünfjahresvertrag mit dem US-Verteidigungsministerium über rund 9,7 Milliarden Dollar.
Das Management hob die Jahresprognose auf 165 bis 169 Milliarden Dollar Umsatz an und erwartet allein im KI-Server-Segment 60 Milliarden Dollar — ein Plus von 144 Prozent gegenüber dem Vorjahr. JPMorgan, Wells Fargo und Loop Capital erhöhten ihre Kursziele auf 460 bis 550 Dollar.
Für Trader ist die zweite Ebene entscheidend: Hinter jedem KI-Server steckt Nvidia-Hardware. Jim Cramer bezeichnete Nvidia als den „klaren Gewinner“ von Dells Quartal. Und kommende Woche dürfte Nvidia nachlegen: Reuters und Axios berichten übereinstimmend, dass Nvidia und Microsoft auf der Computex in Taiwan sowie Microsofts Build-Konferenz die ersten Windows-PCs mit Nvidia-Hauptprozessoren vorstellen werden. Neben Microsofts Surface-Linie soll auch Dell entsprechende Geräte zeigen. Die entscheidende Frage: Liefert die Computex konkrete Verkaufszahlen — oder nur Prototypen? Davon hängt ab, ob der Sektor weiteren Rückenwind bekommt.
VW kauft sich Software bei Rivian — das Eingeständnis kostet 5,8 Milliarden
Volkswagen ist mit 15,9 Prozent inzwischen größter Einzelaktionär bei Rivian und hat Amazon (knapp 13 Prozent) überholt. Bis zu 5,8 Milliarden Dollar fließen in ein Gemeinschaftsunternehmen, das Rivians Elektronik-Architektur als Basis für künftige VW-Elektromodelle nutzen soll. Für VW-Aktionäre ist das ein klares Signal: Wolfsburg kompensiert die eigene Software-Schwäche durch externe Zukäufe, nachdem der Versuch, alles intern aufzubauen, gescheitert ist. Rivian selbst bringt mit dem R2 ein günstigeres SUV auf den Markt — bleibt aber ein Hochrisiko-Titel, der noch immer rund 90 Prozent unter seinem Allzeithoch von Ende 2021 notiert.
US-Inflation: Die Fed hat keinen Spielraum — und der Dollar bleibt stark
Der PCE-Preisindex stieg im April auf 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der höchste Wert seit über drei Jahren. Der Kern-PCE liegt bei 3,3 Prozent. Gleichzeitig fiel die persönliche Sparquote der US-Haushalte auf 2,6 Prozent — den tiefsten Stand seit fast vier Jahren. Die Amerikaner finanzieren ihren Konsum zunehmend aus Rücklagen, nicht aus wachsendem Einkommen.
Fed-Chef Kevin Warsh, seit dem 15. Mai im Amt, steht vor seiner ersten FOMC-Sitzung am 16./17. Juni praktisch ohne Handlungsoptionen. Der Markt preist eine Zinserhöhung 2026 mit rund 31,5 Prozent ein, eine Senkung bis Juni mit 1,7 Prozent — faktisch ausgeschlossen. Goldman Sachs erwartet Zinssenkungen um insgesamt 50 Basispunkte auf 3,0 bis 3,25 Prozent im Jahresverlauf, aber erst wenn der Arbeitsmarkt deutlicher nachgibt. Für europäische Anleger bedeutet das: Der Dollar bleibt gestützt, der DXY testet die obere Bandbreite bei 100 — was exportorientierte DAX-Titel unter Druck halten kann.
Was die kommende Woche entscheidet
Zwei Ereignisse geben die Richtung vor: Trumps finale Entscheidung zum Iran-Abkommen und die Nvidia/Microsoft-Präsentationen auf Computex und Build. Scheitert der Iran-Deal oder bleibt er fragil, dürfte Brent schnell wieder Richtung 95 Dollar drehen — mit direkten Folgen für Inflation und Zinserwartungen. Gelingt eine belastbare Einigung, verlagert sich der Fokus zurück auf Tech und KI-Infrastruktur, wo Dell und der Halbleitersektor den Takt vorgeben. Positionieren Sie sich entsprechend — und sichern Sie Gewinne im Space-Sektor, bevor die Schwerkraft zurückkehrt.
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Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


