Ein argentinisches Gericht hat die Erschließung des Sea-Lion-Ölfelds vor den Falklandinseln vorläufig untersagt. Das Gericht im argentinischen Río Grande erließ am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen Rockhopper Exploration und den israelischen Projektpartner Navitas Petroleum.

Die Richter forderten die beiden Unternehmen auf, sämtliche materiellen Handlungen zur Bohrung am Meeresboden sowie die Errichtung von Förderinfrastruktur umgehend zu unterlassen.

Die gerichtliche Anordnung markiert eine neue Eskalationsstufe im Konflikt um die Rohstoffvorkommen im Südatlantik. Bereits Anfang des Monats hatte Argentiniens Präsident Javier Milei das Entwicklungsvorhaben öffentlich als Bedrohung der nationalen Sicherheit bezeichnet.

Gesetzentwurf sieht drastische Strafen vor

Gestern verschärfte die Regierung in Buenos Aires den politischen Druck weiter. Sie brachte einen 133 Artikel umfassenden Gesetzentwurf zur Verteidigung der nationalen Souveränität in den argentinischen Kongress ein. Das Gesetzesvorhaben sieht für unautorisierte Ressourcenausbeutung in den beanspruchten Gewässern Freiheitsstrafen von bis zu 20 Jahren vor. Zudem sollen an den Ölpreis gekoppelte Geldstrafen verhängt werden können.

Flankiert wird die Gesetzesinitiative durch Schritte der Justiz. Ein argentinischer Bundesstaatsanwalt forderte Medienberichten zufolge am 15. September die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen Führungskräfte und Anteilseigner beider beteiligten Energieunternehmen.

Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie real die operativen Risiken für das zentrale Entwicklungsprojekt des Explorers sind.

Partner verweist auf britische Lizenzen

Der Partner und Betriebsführer Navitas Petroleum trat den argentinischen Vorstößen entgegen. Das Unternehmen betonte, dass die Aktivitäten auf gültigen Bohrlizenzen beruhen, die von der Regierung der Falklandinseln vergeben und von der Regierung des Vereinigten Königreichs ausdrücklich gestützt werden.

Nach Einschätzung von Navitas Petroleum dürften die jüngsten Ereignisse weder die operativen Vorarbeiten noch den Zeitplan für die Inbetriebnahme des Projekts wesentlich beeinträchtigen.

Zugleich sicherte sich Rockhopper Exploration frische finanzielle Mittel für das Vorhaben. Am Mittwoch gab das Unternehmen das Ergebnis eines offenen Angebots an bestehende Aktionäre bekannt. Die Platzierung war mit einer Annahmequote von rund 118 Prozent überzeichnet und spülte dem britischen Unternehmen einen Bruttoerlös von rund 20 Millionen US-Dollar in die Kassen.

An den Börsen hinterlassen die politischen Störfeuer dennoch Spuren. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 0,8060 Euro. Binnen 30 Tagen summiert sich der Kursrückgang damit auf 5,7 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1,06 Euro hat sich der Titel damit inzwischen spürbar nach unten abgesetzt.