Hoffnung auf eine leichte Entlastung der angespannten Transportrouten im Nahen Osten drückt die Ölpreise ins Minus. Am Donnerstag verbilligte sich Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November im Handelsverlauf um fast drei Prozent auf 102,76 Dollar je Barrel. Damit knüpften die Notierungen an die deutlichen Abschläge vom Vortag an.
Hinter der jüngsten Abwärtsbewegung stehen Hinweise auf diplomatische und infrastrukturelle Fortschritte. Marktbeobachter verweisen darauf, dass China den Iran aufgefordert haben soll, mäßigend auf die Huthi-Rebellen im Jemen einzuwirken. Angriffe der Miliz auf Tankschiffe hatten das weltweite Rohölangebot in den vergangenen Wochen spürbar verknappt.
Hoffnung auf saudi-arabische Pipeline
Bereits am Mittwoch war der Brent-Preis zeitweise um fast vier Dollar je Barrel gefallen. Auslöser waren Pläne Saudi-Arabiens, die beschädigte Ost-West-Pipeline schrittweise wieder hochzufahren. Innerhalb weniger Tage soll etwa die Hälfte der Durchleitungskapazität wieder zur Verfügung stehen.
Bis zur vollständigen Wiederherstellung der saudi-arabischen Transportroute wird es allerdings noch etwas dauern. Der Vollbetrieb der Pipeline ist erst in sechs Wochen vorgesehen.
Entsprechend vorsichtig fallen die Reaktionen an den Märkten aus. Anlagestratege Haris Khurshid vom Hedgefonds Karobaar Capital sieht noch keinen Grund für eine Entwarnung. Durch die Pipeline gewinne das Angebot zwar etwas Spielraum zurück, für unvorhergesehene Ausfälle gebe es im aktuellen Umfeld aber kaum Reserven.
Hohes Preisniveau bleibt vorerst bestehen
Trotz der jüngsten Kursverluste bleibt das Preisniveau im historischen Vergleich außergewöhnlich hoch. Der Krieg mit dem Iran und die damit verbundene Blockade der strategisch entscheidenden Straße von Hormus haben Rohöl über Monate verteuert. Seit Beginn des Jahres liegt das Plus für Brent-Öl bei rund 70 Prozent.
Ob die Entlastung an den Rohstoffmärkten anhält, hängt nun vor allem an der tatsächlichen Umsetzung des saudi-arabischen Zeitplans für die Pipeline und einer spürbaren Beruhigung der Schifffahrtswege rund um die jemenitische Küste.


