WTI steht unter Druck, hat sich nach den kräftigen Verlusten vom Vortag aber leicht stabilisiert. Am 05. Juni 2026 lag das US-Leitöl bei rund 93,06 Dollar je Barrel. Der Markt reagiert vor allem auf die Hoffnung, dass sich die Lage im Nahen Osten dauerhaft beruhigt.

Waffenruhe bremst Risikoaufschläge

Im Zentrum steht die in Washington vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Vorgesehen sind Sicherheitszonen unter Kontrolle der libanesischen Armee. Die Hisbollah soll sich südlich des Litani-Flusses zurückziehen.

Das nimmt dem Ölmarkt zunächst einen Teil der geopolitischen Risikoprämie. Vor allem die Hoffnung auf ein entspannteres Verhältnis zwischen den USA und dem Iran stützt diese Sicht. Für die Schifffahrtswege durch die Straße von Hormus wäre das ein wichtiger Punkt, weil dort ein großer Teil der weltweiten Öl- und LNG-Exporte läuft.

Ganz ruhig ist die Lage aber nicht. Die Hisbollah lehnt die Bedingungen ab. Berichten zufolge kommt es weiter zu lokalen Gefechten.

US-Daten senden gemischte Signale

Die Fundamentaldaten aus den USA wirken derweil gegenläufig. Laut Energy Information Administration sanken die Rohöllagerbestände in der Woche zum 29. Mai um 7,974 Millionen Barrel. Der Markt hatte nur mit rund 3,3 Millionen Barrel gerechnet.

Das spricht für eine robuste Nachfrage. Zugleich stiegen die Benzinvorräte im selben Zeitraum um 3,364 Millionen Barrel. Das dämpft den positiven Effekt der sinkenden Rohöllager.

Auch die Förderung bleibt hoch. Die US-Ölproduktion liegt bei etwa 13,7 Millionen Barrel pro Tag und damit über dem Vorjahresniveau.

Handel bleibt nervös

Neben dem Nahen Osten bleibt auch die Iran-Politik der US-Regierung ein Preistreiber. Das Außenministerium hat Bedingungen für eine umfassende Einigung formuliert. Dazu zählen Fragen zum Atomprogramm und zur Sicherheit in der Golfregion. Eine Reaktion aus Teheran steht aus.

Hinzu kommt ein breiteres Belastungsumfeld. Handelskonflikte und neue Zolldrohungen der USA halten die Stimmung an den Märkten angespannt. Die OPEC belässt ihre Nachfrageprognose für das laufende Jahr bei 1,2 Millionen Barrel pro Tag.

In den nächsten Tagen dürfte sich zeigen, ob sich das diplomatische Fenster im Nahen Osten verfestigt. Dann könnte der Druck auf WTI anhalten. Bleibt die Lage dagegen fragil, rücken die geopolitischen Aufschläge schnell wieder in den Vordergrund.