Rolls-Royce sichert sich über die exklusive Stellung beim Airbus A330neo einen weiteren Triebwerksauftrag. Avolon bestellte gestern 70 Trent-7000-Triebwerke für 35 Maschinen. An der Börse überwog dennoch der Verkaufsdruck: Die Aktie verlor gestern -2,9%. Der Auftrag stärkt damit das zivile Triebwerksgeschäft, setzte aber keinen positiven Kursimpuls.

Avolons Flugzeugbestellung zieht Triebwerksauftrag nach sich

Der neue Auftrag folgt auf Avolons Bestellung bei Airbus vom Freitag. Für Rolls-Royce ist die Verbindung unmittelbar: Der Trent 7000 ist das einzige Triebwerk des A330neo. Zusätzliche Bestellungen dieses Flugzeugtyps kommen deshalb auch dem Triebwerkshersteller zugute. Aviation News berichtete gestern über den Vertragsabschluss mit Avolon.

Mit der jüngsten Flugzeugbestellung steigt Avolons Gesamtverpflichtung für die A330-900 auf 114 Maschinen. Diese Größenordnung ordnet den neuen Triebwerksauftrag in eine breitere Flottenentscheidung ein. Sie ist allerdings nicht mit dem Umfang der jetzt gemeldeten Triebwerksbestellung gleichzusetzen.

Für Anleger liegt die Bedeutung vor allem in dieser festen Verknüpfung von Flugzeugplattform und Antrieb. Rolls-Royce muss bei einer A330neo-Bestellung keinen konkurrierenden Triebwerksanbieter verdrängen. Der konkrete Auftrag belegt zusätzliche Nachfrage nach dem Modell und nicht lediglich allgemeines Interesse am Luftfahrtgeschäft.

Nach Angaben von Rolls-Royce verbraucht die Kombination aus A330neo und Trent 7000 je Sitz 14 % weniger Treibstoff als die Vorgängergeneration. Das Triebwerk hat zudem über 5 Mio. Flugstunden absolviert. Damit verbindet der Hersteller sein Effizienzargument mit bereits gesammelter Betriebserfahrung.

Anleger achten auf die Profitabilität

Für die wirtschaftliche Einordnung reicht die Zahl bestellter Triebwerke allein nicht aus. Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses stehen auch Flugstunden, Triebwerkswartung und die Profitabilität des Ersatzteil- und Servicegeschäfts. Ebenso wichtig sind Margenverbesserungen und die Umsetzung des Geschäfts in tatsächlich zufließende Mittel. Der Avolon-Auftrag liefert einen Nachfragebeleg; diese operativen Maßstäbe ersetzt er nicht.

Die Analysten urteilen unterdessen unterschiedlich über die Aktie. RBC bewertete Rolls-Royce am Freitag mit „Outperform“. Bernstein vergab am 22. September dagegen „Market-Perform“. Die Einschätzungen setzen somit unterschiedliche Akzente bei der erwarteten relativen Kursentwicklung.

Der gestrige Kursrückgang unterstreicht diese Trennung zwischen Geschäftsnachricht und Börsenbewertung. Für Anleger ist der Avolon-Abschluss vor allem ein weiterer Beleg für die Nachfrage auf der exklusiv bedienten A330neo-Plattform. Entscheidend für die finanzielle Bewertung bleiben daneben die Profitabilität des laufenden Geschäfts und dessen Mittelzuflüsse.