JPMorgan traut Rolls-Royce weiter deutlich mehr zu. Die US-Bank erhöhte ihr Kursziel für die Aktie von 1.625 auf 1.800 Pence und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Analyst David Perry begründet den Schritt mit Halbjahresergebnissen, die den Bloomberg-Konsens klar übertroffen haben. Für Rolls-Royce ist es bereits das neunte „Beat and Raise“ in Folge seit dem Geschäftsjahr 2023 – eine Serie, die die Wall Street mittlerweile als Muster wertet statt als Ausnahme.

Neuntes Übertreffen in Folge stützt höhere Schätzungen

Perry hob im Zuge der Kurszielanhebung auch seine Gewinnschätzungen kräftig an: Für 2026 rechnet er nun mit 19 Prozent höheren Ergebnissen je Aktie, für 2027 mit einem Plus von 14 Prozent und für die Jahre 2028 bis 2030 mit Zuwächsen zwischen 13 und 14 Prozent. Das neue Kursziel, das JPMorgan auf Basis einer Summe-der-Einzelteile-Bewertung mit Zieldatum Dezember 2027 ermittelt, impliziert nach Berechnung der Bank ein Aufwärtspotenzial von rund 20 Prozent gegenüber dem Ausgangsniveau. Rolls-Royce selbst hatte die Prognose für den operativen Gewinn 2026 auf eine Spanne von 4,7 bis 4,9 Milliarden Pfund angehoben, beim freien Cashflow rechnet der Konzern nun mit 3,8 bis 4,0 Milliarden Pfund.

Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr liefern die Grundlage für den Optimismus: Der operative Gewinn kletterte um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,5 Milliarden Pfund, die operative Marge lag bei 22,5 Prozent. Der Gewinn pro Aktie im zweiten Quartal bezifferte sich auf 22,17 Pence.

Breiter Analystenkonsens, aber Bewertungsspanne bleibt groß

JPMorgan ist mit seiner positiven Einschätzung nicht allein, doch die Kursziele der Häuser liegen weit auseinander. Jefferies sieht die Aktie bei 1.870 Pence und damit sogar über JPMorgans neuem Ziel, RBC stuft sie mit „Outperform“ und einem Kursziel von 1.600 Pence ein. Berenberg (Buy, 1.430 Pence) und Deutsche Bank (Buy, 1.325 Pence) sind vorsichtiger positioniert. In der Gesamtschau kommt der Analystenkonsens auf ein durchschnittliches Kursziel von rund 1.521 Pence bei der Empfehlung „Moderate Buy“ – sechs Kaufempfehlungen stehen einer Halten-Einschätzung gegenüber. JPMorgans neues Ziel liegt damit über dem Marktdurchschnitt und markiert aktuell eine der optimistischeren Stimmen im Markt.

Die Kursreaktion blieb am heutigen Handelstag deutlich sichtbar. Die Rolls-Royce-Aktie notiert im deutschen Handel bei 17,88 Euro und legt damit um 2,71 Prozent zu, nachdem sie am Vortag noch bei 17,41 Euro geschlossen hatte. Damit nähert sich das Papier seinem 52-Wochen-Hoch von 18,01 Euro, von dem es nur noch knapp 0,7 Prozent entfernt notiert. Der Blick auf den langfristigen Trend zeigt zudem, wie weit die Erholung bereits fortgeschritten ist: Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 36 Prozent zugelegt.

Bewertung bleibt Diskussionspunkt

Nicht alle Marktteilnehmer sehen bei diesem Kursniveau noch günstige Einstiegschancen. Kritische Stimmen verweisen auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 55 und werten die Bewertung angesichts der bereits mehr als verzehnfachten Kursentwicklung der vergangenen fünf Jahre als anspruchsvoll. Dem stehen die kontinuierlich steigenden Gewinnschätzungen der Analysten gegenüber, die die aktuelle Bewertung aus ihrer Sicht zumindest teilweise rechtfertigen. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob die Serie der positiven Überraschungen bei den kommenden Quartalszahlen anhält – oder ob der Markt die künftigen Verbesserungen bereits eingepreist hat.