Mehr als ein Jahrzehnt war Rolls-Royce aus dem Markt für Kurzstreckenflugzeuge verschwunden. Mit dem UltraFan-30-Programm will der britische Triebwerkshersteller diesen Markt zurückerobern — und hat dafür nun grüne Rückendeckung aus Brüssel erhalten.

64 Millionen Euro aus Brüssel

Die EU-Initiative Clean Aviation Joint Undertaking fördert das Konsortium UNIFIED mit 64 Millionen Euro. Unter Führung von Rolls-Royce bringt das Projekt Partner aus sechs Ländern zusammen, darunter Airbus, Lufthansa Technik, ITP Aero sowie Forschungseinrichtungen wie das DLR, Imperial College London und die TU Darmstadt.

Ziel ist die Entwicklung und der Bodentest des UltraFan-30-Demonstrators, der für 2028 geplant ist. Das Triebwerk der 30.000-Pfund-Schubklasse soll bis zu 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als aktuelle Modelle und von Beginn an mit 100 Prozent nachhaltigem Flugkraftstoff kompatibel sein.

Timing ist kein Zufall

Airbus prüft derzeit Optionen für einen Nachfolger der A320neo-Familie, der voraussichtlich in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre in Dienst gehen soll. Ein erfolgreicher Bodentest 2028 würde Rolls-Royce genau dann mit einem reifen Technologiedemonstrator positionieren, wenn Airbus und Boeing ihre formellen Triebwerksauswahlprozesse einleiten.

2012 hatte Rolls-Royce seinen Anteil an International Aero Engines an Pratt & Whitney verkauft und damit den Narrowbody-Markt verlassen. Die EU-Förderung ist ein klares Signal, dass der Konzern bei der nächsten Triebwerksgeneration wieder mitspielen will.

Britische Staatsgelder noch offen

Parallel zur EU-Förderung verhandelt Rolls-Royce mit der britischen Regierung über bis zu 200 Millionen Pfund an Anschubfinanzierung — Teil eines insgesamt drei Milliarden Pfund schweren Programms. CEO Tufan Erginbilgic argumentiert, ein heimisches UltraFan-Programm würde bis zu 40.000 Arbeitsplätze sichern und langfristig mindestens 100 Milliarden Pfund an wirtschaftlichem Mehrwert generieren. Bleiben die britischen Mittel aus, prüft Rolls-Royce nach eigenen Angaben alternative Produktionsstandorte in Deutschland und den USA.

Das finanzielle Fundament für solche Ambitionen ist solide: Der operative Gewinn stieg 2025 um 41 Prozent auf 3,46 Milliarden Pfund, der freie Cashflow erreichte 3,3 Milliarden Pfund. Bis 2028 peilt der Konzern einen operativen Gewinn zwischen 4,9 und 5,2 Milliarden Pfund an.

Die Entscheidung von Airbus und Boeing über ihre nächste Narrowbody-Generation wird noch vor Ende des Jahrzehnts erwartet. Rolls-Royce hat sich mit dem EU-Zuschlag einen Platz am Verhandlungstisch gesichert — ob daraus ein Triebwerksauftrag wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren.