Rolls-Royce treibt die Kommerzialisierung seiner modularen Kernreaktoren voran. Die Tochtergesellschaft Rolls-Royce SMR vergab einen Vertrag an das tschechische Unternehmen ŠKODA JS über das Design und die Fertigung von Steuerstabantrieben. Für den britischen Industriekonzern markiert dieser Schritt einen weiteren Baustein beim Aufbau einer europäischen Lieferkette für künftige Reaktorflotten.
Zuliefervertrag für tschechische Fertigung
Die Komponenten sollen im Werk von ŠKODA JS in Pilsen hergestellt werden. Nach Angaben von Karel Bednář, dem Chef von ŠKODA JS, beläuft sich das Volumen auf wiederkehrende Aufträge von mehr als 1 Milliarde tschechischen Kronen pro Reaktor. Das Reaktormodell von Rolls-Royce ist auf eine Leistung von 470 Megawatt elektrisch ausgelegt und soll mindestens 60 Jahre Grundlaststrom liefern.
Rund 90 Prozent der Bauteile werden für eine industrielle Vorfertigung im Werk konzipiert. Dieser Ansatz soll Bauzeiten verkürzen und finanzielle Projektrisiken vor Ort minimieren.
Expansion in Tschechien und Nordeuropa
In Tschechien arbeitet Rolls-Royce eng mit dem Energieversorger ČEZ zusammen, der 20 Prozent an Rolls-Royce SMR hält. Geplant ist eine erste Reaktoreinheit am Standort Temelín. Über eine Vereinbarung im August peilen die Partner zwei weitere Standorte an, um eine Gesamtkapazität von bis zu 3 Gigawatt aufzubauen.
Auch in anderen europäischen Ländern wächst das Projektportfolio. In Großbritannien fiel im November 2025 die Standortentscheidung für drei Einheiten in Wylfa, gefolgt von einem Vertrag mit Great British Energy – Nuclear im April.
In Schweden wählte Videberg Kraft, an dem der Versorger Vattenfall die Mehrheit hält, das Konsortium im Juni für drei Reaktoren am Standort Ringhals aus. Der Betriebsstart für diese Projekte ist für Mitte der 2030er Jahre avisiert.
Gestärkte Bilanz stützt Wachstumskurs
Die Expansion im Nuklearsegment stützt sich auf eine spürbar gefestigte Finanzlage. Rolls-Royce wandelte eine frühere Nettoverschuldung von 3,3 Milliarden Pfund in ein Nettoguthaben von 2,1 Milliarden Pfund im Juni 2026 um. Der Konzern verfügt damit über die notwendige Liquidität für langfristige Technologieprogramme.
An den Handelsplätzen spiegelte sich die fundamentale Entwicklung wider. Mit einem Schlusskurs von 17,36 Euro am Freitag verzeichnet die Aktie seit Jahresanfang ein Plus von 32 Prozent und notiert 6,0 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
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