Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,

die Rückversicherer haben ihre Rekordjagd gestern abrupt beendet. JPMorgan stufte Munich Re und Hannover Rück ab, nur einen Tag nach dem Rekordhoch der Hannover Rück. Das war der Schlusspunkt einer Woche mit Wahlschock in den USA, einem Zinsschock vom Arbeitsmarkt und einem Ausverkauf bei Tech-Werten.

Für Ihr Depot stellt sich damit eine einfache, aber harte Frage. Welche Gewinne sind nur Rückenwind, und welche haben Substanz? Diese Ausgabe gibt darauf keine bequeme Antwort.

Rückversicherer: Der Rückenwind dreht

JPMorgan-Analyst Kamran Hossain hält die beste Zeit der Branche für beendet. Seiner Meinung nach haben die Rückversicherer so viel Rendite auf ihr Eigenkapital erzielt wie seit 30 Jahren nicht, und diese Phase ist nun vorbei. Er senkte Munich Re auf Neutral und Hannover Rück auf Untergewichten, also eher meiden.

Woran macht er das fest? An den Preisen für Versicherungsschutz gegen Naturkatastrophen. Sie fielen im Januar 2026 um rund 12 Prozent und zur Jahresmitte um rund 15 Prozent. Für die Erneuerungsrunde im Januar 2027 erwartet JPMorgan weitere zweistellige Rückgänge. Swiss Re lieferte in dieser Woche den Beleg. Der Konzerngewinn stieg zwar, im Schaden- und Unfallgeschäft sank er aber.

Die Börse reagierte heftig. Hannover Rück verlor gestern 4,37 Prozent, Munich Re fast genauso viel. JPMorgan belässt das Kursziel für Hannover Rück bei 270 Euro und damit klar unter dem Kurs von gestern. Die Dividenden bleiben ordentlich, doch auf weitere Kursfantasie aus sinkenden Prämien würde ich nicht setzen. Eine Abstufung nach einer Rekordwoche sitzt tief.

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Commerzbank: Rekordgewinn, aber das Kundengeld wandert ab

Die Commerzbank verliert Einlagen an die Konkurrenz. Seit Jahresbeginn flossen im Privatkundengeschäft 9 Milliarden Euro ab. Wer lockt das Geld weg? JPMorgans Chase mit 4 Prozent Tagesgeld, dazu die ING mit eigenen Angeboten.

Finanzvorstand Carsten Schmitt geht diese Angebote bewusst nicht voll mit. Deshalb hat er am Donnerstag die Prognose für den Zinsüberschuss leicht gesenkt. Das ist die Differenz zwischen den Zinsen, die eine Bank kassiert, und denen, die sie zahlt. Das Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Konzernergebnis gilt weiter. Im Quartal blieb der Gewinn allerdings knapp unter den Erwartungen.

Die eigentliche Geschichte ist die Übernahme. Unicredit hat Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile, der Abschluss wird für das vierte Quartal 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Aufsichtsrat Kevin Voß berichtet, Andrea Orcel verweigere derzeit Gespräche auf Vorstandsebene.

Laut Voß könnte Orcel auf einer Hauptversammlung Aufsichtsrat und Vorstand neu besetzen. Für Aktionäre sind die Kapitalrückflüsse von rund 3,2 Milliarden Euro für 2026 gesichert. Danach bestimmt Mailand das Tempo.

Tech und DAX: Ein grüner Tag ist noch keine Wende

Der US-Arbeitsmarkt hat die Zinswette gedreht. Im Oktober entstanden 165.000 neue Stellen, weit mehr als erwartet. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed im Dezember stieg damit auf rund 80 Prozent.

Der DAX rutschte gestern unter 26.000 Punkte, einen Tag nach seinem Rekordhoch. Schon am Donnerstag hatte der Wahlsieg der Demokraten die Tech-Werte erschüttert. Der Nasdaq Composite brach um 5,5 Prozent ein. Der Grund: Gina Hinojosa, die gewählte Gouverneurin von Texas, kündigte einen vorläufigen Stopp für neue Rechenzentren an.

Ist das Schlimmste damit vorbei? Ein grüner Tag beantwortet nicht, ob das eine überfällige Korrektur ist oder der Anfang vom Ende der KI-Blase. Nvidia erholte sich gestern, liegt auf Monatssicht aber 21 Prozent im Minus, Micron sogar 36 Prozent. Bei Nvidia kommt ein Wochenendrisiko hinzu. Laut Financial Times gehen US-Geheimdienste von einer Beziehung zwischen Chef Jensen Huang und einer mutmaßlich für Peking angeworbenen Chinesin aus.

Bitcoin: Den Fonds laufen die Anleger davon

Aus den Bitcoin-Fonds fließt Geld ab. Die amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs sind börsengehandelte Fonds, die echte Bitcoin halten. Sie verloren in dieser Woche 1,28 Milliarden Dollar, so viel wie seit Juni nicht mehr. Für das Gesamtjahr 2026 stehen die Fonds damit unterm Strich bei Abflüssen.

Bitcoin notiert heute bei rund 75.700 Dollar und liegt seit Jahresbeginn 14 Prozent im Minus. Am Donnerstag kam es zu massenhaften Zwangsverkäufen. Betroffen waren vor allem Anleger, die auf Kredit auf steigende Kurse gesetzt hatten.

Was fehlt Bitcoin jetzt? Käufer. Solange die Fed eine Zinserhöhung signalisiert und die Fondskäufer fernbleiben, fehlt der Treibstoff. Die Erholung über 80.000 Dollar zur Wochenmitte war nur geliehen. Wie hart das Umfeld ist, zeigt Coinbase: Die Aktie schloss die Woche 39 Prozent unter dem Jahresstart.

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Was jetzt zählt

Am Montag legt Hannover Rück Zahlen vor. Das ist der erste echte Test der JPMorgan-These, und das Unternehmen muss zeigen, ob seine Polster die sinkenden Prämien ausgleichen. Am Donnerstag folgen Allianz, Munich Re und Siemens.

Dazwischen kommt am Dienstag die US-Inflation für Oktober. Sie entscheidet, ob die Wette von rund 80 Prozent auf eine Zinserhöhung im Dezember hält. Achten Sie außerdem auf zwei Dinge: ob die Bitcoin-Fonds wieder Käufer finden und wie schwer der Bericht der Financial Times am Montag auf Nvidia lastet.

Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer