Liebe Traderinnen und Trader,

6 Prozent in wenigen Stunden – so schnell bewegt sich Bitcoin normalerweise nicht ohne handfesten Auslöser. Genau darum lohnt der Blick auf die Uhr: Um 20:00 Uhr MESZ veröffentlicht die Fed die Protokolle ihrer Juli-Sitzung, und der Kryptomarkt positioniert sich bereits Stunden vorher. Parallel zeigt sich unter der Oberfläche des schwachen Gesamtmarkts ein deutlich differenzierteres Bild: Rüstungswerte spalten sich in Gewinner und Verlierer, der Goldpreis profitiert von einer überraschenden Entscheidung des US-Finanzministeriums, und der Chip-Ausverkauf trifft längst nicht die gesamte Wall Street. Für Trader ergeben sich daraus heute mehrere konkrete Setups.

Rüstungssektor: Rheinmetall wackelt, die Nebenwerte laufen davon

Rheinmetall gibt im Tagesverlauf um rund 2,8 Prozent nach und markiert damit das Dax-Schlusslicht – auf den ersten Blick ein Alarmsignal. Der Blick auf die vergangenen 30 Handelstage relativiert das jedoch: Der Titel steht dort mit rund 19 Prozent im Plus und hat sich vom Jahrestief bei 902,50 Euro (Ende Juni) deutlich erholt, bleibt aber weit vom 52-Wochen-Hoch von gut 2.000 Euro aus dem Oktober entfernt. Auffälliger ist die Dispersion innerhalb des Sektors: RENK legt am Vormittag rund 2 Prozent zu, befeuert von Übernahmefantasie, während Vincorion seine Rally fortsetzt – binnen 30 Tagen ein Plus von rund 27 Prozent, nur noch knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 23,78 Euro. Für Anleger heißt das: Der Rücksetzer beim Platzhirsch Rheinmetall sagt wenig über die Verfassung der Branche aus, solange die kleineren, wachstumsstärkeren Namen weiter relative Stärke zeigen.

Bitcoin bricht vor den Fed-Protokollen nach oben aus

Bitcoin hat im Tagesverlauf kräftig zugelegt und steht rund 6 Prozent über dem Schlusskurs vom Vortag – ein Sprung, der die Kryptowährung über ihren 20-Tage- und ihren 50-Tage-Durchschnitt (beide um 63.900 Dollar) katapultiert hat. Charttechnisch ist das ein Ausbruchssignal aus der zuletzt engen Handelsspanne zwischen 62.000 und 63.000 Dollar, die zuvor als Unterstützungszone gehalten hatte. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Bei der Fed-Sitzung im Juli hatten drei Mitglieder – Logan, Hammack und Kashkari – für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte gestimmt, während sich die Mehrheit für einen Hold bei 3,5 bis 3,75 Prozent durchsetzte. Die Markterwartung für eine Zinserhöhung im September ist seither von rund 60 Prozent auf nur noch etwa ein Drittel gefallen – ein Umfeld, das Risikoassets tendenziell begünstigt. Untermauert wird die Bewegung von Spot-Bitcoin-ETF-Zuflüssen von 297,6 Millionen Dollar allein am Montag. Wer long positioniert ist, sollte die Reaktion auf die Protokolle heute Abend als Test für die Nachhaltigkeit des Ausbruchs beobachten: Ein Rückfall unter die 63.000er-Zone würde das Signal wieder entwerten.

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Gold und Dollar: Die Anleihe-Volte der US-Regierung wirkt

Das US-Finanzministerium hat die Obergrenze für Anleihenrückkäufe bei länger laufenden Papieren auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Operation angehoben – eine Maßnahme, die ab dem 9. September greift und den Markt überraschte. Die Folge: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen, zuvor auf einem 20-Jahres-Hoch von über 5,3 Prozent, gab merklich nach, der Dollar geriet unter Druck, und der Euro kletterte im Tagesverlauf auf über 1,16 Dollar – den höchsten Stand seit Ende Mai. Gold profitierte doppelt von sinkenden Renditen und einem schwächeren Dollar und legte um rund 3,5 Prozent zu, nachdem es bereits am Vortag eine deutliche Rally hingelegt hatte. Für Anleger mit Goldpositionen oder -ETCs ist die psychologische Marke von 4.500 Dollar je Feinunze der nächste Prüfstein; ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde laut Marktbeobachtern den Weg für weitere Zugewinne öffnen.

Chip-Ausverkauf: Die Bullen-These bleibt intakt

Der Halbleitersektor bleibt unter Druck: SanDisk und Micron hatten am Dienstag deutlich nachgegeben, der Nasdaq 100 war zeitweise um 1,7 Prozent gefallen. Wer den Sektor deshalb abschreibt, übersieht die Auftragslage der großen Anbieter: Broadcom hat für 2026 einen KI-Chip-Umsatz von 56 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, für 2027 sogar über 100 Milliarden Dollar. Genau diese Zahlen sind der Grund, warum viele Anleger den aktuellen Ausverkauf als Bewertungsfrage lesen und nicht als Nachfrageproblem. Kurzfristig bleibt trotzdem Vorsicht angebracht: Sowohl Nvidia als auch Broadcom notierten im Tradegate-Handel zuletzt ebenfalls im Minus – wer kurzfristig tradet, sollte die Reaktion der beiden Schwergewichte im Verlauf der Sitzung im Blick behalten.

Target und Moderna zeigen: Der Markt ist breiter als der Tech-Ausverkauf

Dass der Ausverkauf nicht die gesamte Wall Street erfasst, zeigen zwei Einzelfälle abseits der Tech-Schlagzeilen. Der US-Einzelhändler Target meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 26,5 Milliarden Dollar (+5,3 Prozent), ein Plus bei den Vergleichsumsätzen von 3,8 Prozent und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 4,11 Dollar – darin enthalten ist allerdings ein Sondereffekt aus einer Zoll-Rückerstattung von 1,65 Dollar je Aktie, ohne den der bereinigte Gewinn bei 2,46 Dollar gelegen hätte. Der Konzern hob dennoch seine Jahresprognose für den bereinigten Gewinn je Aktie auf 9,90 bis 10,90 Dollar an, deutlich über den Erwartungen. Die Aktie markierte im Tagesverlauf mit rund 138 Euro (Tradegate) ein neues 52-Wochen-Hoch. Noch spektakulärer die Bewegung bei Moderna: Nach positiven Phase-3-Daten zu einem gemeinsam mit Merck entwickelten mRNA-Krebsimpfstoff gegen Melanom schoss die Aktie im vorbörslichen Handel um rund 90 bis über 100 Prozent nach oben, während auch Partner Merck deutlich zulegte. Beide Bewegungen erinnern daran, dass die interessantesten Einzeltitel-Chancen derzeit außerhalb des überlaufenen KI-Handels liegen.

Marschroute

Der Abend gehört den Fed-Protokollen um 20:00 Uhr MESZ – sie dürften die Richtung für Dollar, Gold und Bitcoin bis Ende der Woche vorgeben. Bei Bitcoin bleibt die 62.000/63.000-Dollar-Zone der entscheidende Unterstützungstest: Ein Rutsch darunter würde den heutigen Ausbruch infrage stellen. Bei Rheinmetall gilt es zu beobachten, ob sich die Aktie über der psychologischen 1.170-Euro-Marke stabilisiert, während RENK und Vincorion kurzfristig die relative Stärke im Sektor demonstrieren. Gold bleibt bei nachgebenden Renditen der klare Profiteur – die 4.500-Dollar-Marke ist der nächste Härtetest, und ein Bruch nach oben dürfte weitere Zuflüsse anziehen.

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Gute Trades, Ihr Andreas Sommer