Ein neues Hochdruckgebiet zieht über den Atlantik heran und bringt Spanien, Frankreich und Großbritannien in den kommenden Tagen erneut Rekordtemperaturen. Für Stromversorger wie RWE ist das mehr als nur eine Wetternotiz. Steigt die Nachfrage nach Kühlung, steigt in der Regel auch der Strompreis — und davon profitieren Erzeuger mit breitem Kraftwerkspark unmittelbar.

Die RWE-Aktie nimmt diesen Rückenwind bereits vorweg. Nach einem kurzen Rücksetzer hat sich der Titel parallel zur Erholung des Dax über die 25.000-Punkte-Marke wieder gefangen. Ob es reicht, um nachhaltig über die Marke von 60 Euro zu klettern, dürfte sich schon in den nächsten Handelstagen entscheiden.

Netzausbau als struktureller Rückenwind

Neben dem kurzfristigen Wetterthema liefert der Ausbau der deutschen Stromnetze einen längerfristigen Treiber für die gesamte Branche. Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Stromtrasse Suedlink zwischen Scheeßel und dem Landkreis Stade ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die 700 Kilometer lange Verbindung soll ab 2028 Windstrom aus dem Norden zu den Industriezentren im Süden transportieren.

Für Energieversorger mit Erzeugungskapazitäten in Wind und Erneuerbaren bedeutet ein funktionierendes Übertragungsnetz bessere Vermarktungsmöglichkeiten und weniger Abregelung bei Überproduktion. Das stützt langfristig die Ertragsbasis der gesamten Branche, auch wenn der Bau der Trasse selbst nicht in RWE-Regie liegt.

Kurzfristig bleibt die Wetterlage der dominante Faktor. Hält die Hitzewelle über mehrere Wochen an, dürften steigende Strompreise die Fantasie an der Börse weiter befeuern — die 60-Euro-Marke bleibt dabei die entscheidende Hürde für die nächste Kursphase.