Saab rückt ins Zentrum der europäischen Luftverteidigung. Während des NATO-Gipfels in Ankara schmiedete Schweden eine strategische Allianz mit Deutschland. Die Kooperation markiert einen operativen Wendepunkt für den Rüstungskonzern.

Allianz für die nächste Jet-Generation

Beide Staaten unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei Kampfjets der nächsten Generation. Das Abkommen umfasst bemannte Flugzeuge sowie autonome Begleitsysteme, sogenannte „Loyal Wingmen“. Der Schritt folgt auf das industrielle Scheitern des FCAS-Programms im Juni 2026.

Saab priorisiert nun sein „F-Serien“-Konzept. Dieses setzt auf drei verschiedene Drohnenklassen und KI-gesteuerte Entscheidungsfindung. Während Schweden bis 2030 Konzepte für einen Gripen-Nachfolger prüft, positioniert die Partnerschaft mit Deutschland das Unternehmen als zentralen Akteur im Rennen um die sechste Jet-Generation.

Milliarden-Deal für GlobalEye

Dazu gelang Saab ein Durchbruch bei der Luftaufklärung. Die NATO wählte das schwedische GlobalEye-System als Nachfolger für ihre alternde AWACS-Flotte aus. In den nun startenden Verhandlungen geht es um bis zu zehn Maschinen. Das Volumen beläuft sich auf rund 4,5 Milliarden US-Dollar.

Das Interesse an der Technologie wächst auch über den Atlantik hinaus. Kanada plant aktuell den Kauf von sechs Einheiten des Aufklärers. Ferner richtet Saab seine Strategie konsequent auf Versorgungssicherheit aus. Der Konzern entwickelt taktische Drohnen-Systeme, die ohne Bauteile aus China auskommen.

Marktreaktion und technischer Ausblick

Der Aktienmarkt quittierte die Neuigkeiten am Freitag dennoch mit Verkäufen. Im Zuge einer allgemeinen Schwäche an der schwedischen Börse verlor das Papier 3,65 Prozent. Der Schlusskurs lag bei 28,28 US-Dollar.

Damit notiert der Titel nur knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Seit dem 52-Wochen-Hoch bei rund 40 US-Dollar im Januar hat das Papier deutlich an Boden verloren. Der Relative-Stärke-Index (RSI) deutet nach der jüngsten Volatilität auf eine neutrale Lage hin.

Die fundamentale Basis für das zweite Halbjahr 2026 bleibt robust. Die NATO plant im Rahmen ihrer neuen Strategie Investitionen in Milliardenhöhe, etwa durch die „Drone Edge“-Initiative. Die Verhandlungen über das milliardenschwere GlobalEye-Paket werden die kommenden Monate maßgeblich bestimmen.