Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,
an der Börse wird in diesen Wochen weniger das vergangene Quartal bezahlt als der Blick nach vorn. Wer seine Jahresziele bestätigt oder anhebt, wird belohnt. Wer sie kappt, wird ohne Gnade abgestraft. Das gilt für Nebenwerte genauso wie für Banken und Energietechnik.
In einem Umfeld steigender Zinsen zahlt der Markt nicht mehr für Hoffnung, sondern nur noch für bestätigte Ziele. Am deutlichsten sieht man das heute eine Etage unter dem DAX, in MDAX und SDAX.
Die zweite Reihe zeigt das Muster am klarsten
Salzgitter hebt das Jahresziel an, und die Aktie steigt um 8,9 Prozent. Heidelberger Druck kappt dagegen den Ausblick und bricht um 13 Prozent ein. Im Tagesverlauf lag das Minus zeitweise noch deutlich höher.
Wacker Chemie bestätigt seine Jahresziele und legt ebenfalls zu. Knorr-Bremse verliert deutlich, weil das Unternehmen die Konsensschätzung verfehlt hat, also die durchschnittliche Erwartung der Analysten. Im DAX läuft es genauso: Adidas bestätigt die Prognose und steigt, Henkel hebt den Ausblick an und legt leicht zu.
Selbst Volkswagen passt ins Bild. Der Konzern meldet einen Quartalsverlust von 5,82 Milliarden Euro nach Steuern und steht trotzdem im Plus. Die Abschreibungen auf Porsche und die China-Schwäche waren längst eingepreist, die Anleger hatten sie also schon im Kurs verrechnet.
Ist ein Absturz wie bei Heidelberger Druck nun eine günstige Gelegenheit? Eher nicht. Ein gekappter Ausblick ist in diesem Umfeld kein Einstiegssignal, sondern der Beginn einer Neubewertung, die sich über Tage hinzieht.
Welche Aktien nach Quartalszahlen besonders zuverlässig nach oben springen, zeigt das Live-Webinar „Quartals-Rally-Trading“. Genau das Muster, das sich gerade bei Salzgitter, Wacker Chemie oder Knorr-Bremse beobachten lässt, hat Bernd Wünsche systematisch für über 500 US-Aktien aus S&P 500 und Nasdaq 100 untersucht: acht Quartale, Umsatz und Gewinn getrennt, ausgewertet mit derselben LSEG-Infrastruktur, die auch institutionelle Analysten nutzen. Nur 88 Unternehmen haben in jedem der letzten acht Quartale sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen übertroffen, darunter Apple, Netflix, AMD und Seagate. Von diesen 88 sprangen nur 11 Aktien in mindestens sechs von acht Quartalen nach den Zahlen tatsächlich nach oben – Wünsche nennt sie die Dauer-Rally-Aktien. Am Beispiel Seagate zeigt er, wie aus einer Gewinnüberraschung von 3,11 statt erwarteter 2,84 Dollar ein Kurssprung von gut 10 Prozent wurde, drei Monate später wiederholte sich das Muster mit 18 Prozent. Am Sonntag, 1. November, um 18:00 Uhr stellt Bernd Wünsche im Webinar „Quartals-Rally-Trading“ diese 11 Aktien sowie seine Methode für Sofort-Trades rund um Quartalszahlen vor. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Banken: Rekord wird belohnt, jeder Makel bestraft
Die Deutsche Bank ist der Gewinner der Bankenberichtssaison. Nach einem gefeierten Rekordquartal steigt die Aktie um 3,6 Prozent. Die Volkswirte der Deutschen Bank erwarten unter Christine Lagarde noch eine letzte Zinserhöhung der EZB. Das stützt den Zinsüberschuss, den eine Bank aus Krediten abzüglich der Kosten für Einlagen erzielt.
Wie wenig Spielraum bleibt den anderen? Sehr wenig, das zeigt ING. Der Nettogewinn steigt auf 1,85 Milliarden Euro, verfehlt aber den Konsens von 1,97 Milliarden Euro. Ein neues Rückkaufprogramm rettet den Kurs nicht, die ING-Aktie gibt nach.
Bei BBVA steigt der Konzerngewinn im dritten Quartal um 19,1 Prozent. Doch im Heimatmarkt Spanien sinkt der Gewinn, und die Kernkapitalquote enttäuscht. Diese Kennzahl misst, wie dick das Eigenkapitalpolster einer Bank ist. Die BBVA-Aktie verliert 2,7 Prozent.
Damit steigt die Messlatte für die Commerzbank, die am 5. November berichtet. Die Commerzbank-Aktie hat sich seit dem Oktobertief in der Spitze um knapp 9 Prozent erholt. Getragen wurde das von der geplanten UniCredit-Übernahme und dem Aktienrückkauf. Wer jetzt einsteigt, kauft die Erwartung eines sauberen Quartals.
Siemens Energy: Die Rally nimmt viel vorweg
Siemens Energy gehört heute zu den stärksten DAX-Werten und hat auch auf Wochensicht kräftig zugelegt. Den neuen Schub liefert die Bank of America. Sie bestätigt ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 250 Euro, deutlich über dem aktuellen Kurs von 136,74 Euro.
Die Bank of America traut dem Konzern im Gasgeschäft höhere Margen zu als der Durchschnitt der Analysten. Der Rückenwind kommt aus den USA. GE Vernova hat seine Prognose für den freien Mittelzufluss angehoben, also für das Geld, das nach allen Ausgaben übrig bleibt. Zudem verdoppelt GE Vernova sein Rückkaufprogramm auf 20 Milliarden Dollar.
Was kann da noch schiefgehen? Die Wochenrally hat die Erwartungen der Bank of America bereits vorweggenommen. Bringt der Kapitalmarkttag am 11. November nur einen Zielkorridor für 2030, der den Konsens trifft, dürfte das die Aktie eher belasten als stützen. Barclays warnt bei Siemens Energy zudem vor Margendruck.
Öl, Zins und Euro: Die Rechnung für Dezember
Den Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei der Notenbank parken, lässt die EZB einstimmig bei 2,50 Prozent. Christine Lagarde kündigt ihren Rücktritt zum 7. Februar 2027 an und deutet zugleich eine Zinserhöhung im Dezember an. Der Markt preist diesen Schritt zu über 80 Prozent ein. Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit Mai 2025.
Der Hebel liegt bei der Energie. Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 Prozent, Energie verteuerte sich um 18,9 Prozent.
Beim Öl gibt es heute leichte Entspannung. Die Sorte Brent gibt nach, weil US-Vizepräsident Vance laut Wall Street Journal direkte Gespräche mit Iran anbietet und Katar einen neuen Entwurf vorlegt. Im Oktober hat Brent dennoch rund 10 Prozent zugelegt. Das Gegenrisiko: Laut Wall Street Journal warnen die USA die Golfstaaten vor einem möglichen Militäreinsatz nach den Zwischenwahlen am 3. November.
Wer die Zinsrechnung bezahlt, zeigt Vonovia. Nach gekappten Zielen bis 2028 fällt die Vonovia-Aktie und markiert ein neues Tief der vergangenen 52 Wochen. Der Zwischenbericht am 4. November wird die Dividendenfrage stellen.
Und Bitcoin? Die Kryptowährung pendelt ohne klare Richtung um 80.000 Dollar. Am Freitag laufen bei Deribit Bitcoin-Optionen über 11 Milliarden Dollar aus. Solche Kontrakte geben das Recht, zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen, und können kurzfristig Bewegung bringen.
Was jetzt zählt
Belohnt wird in dieser Saison nur, wer seine Ziele bestätigt oder anhebt. Deshalb ist die Commerzbank am 5. November der nächste Härtetest im Bankensektor. Bei Siemens Energy entscheidet der Kapitalmarkttag am 11. November, ob die Wochenrally trägt.
Über allem steht der Ölpreis. Iran-Diplomatie und US-Zwischenwahlen bestimmen über ihn mit, ob die EZB im Dezember tatsächlich noch einmal erhöht. Das wirkt direkt auf Banken, Immobilienwerte und den Euro.
Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer
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