Samsung Electronics steht kurz davor, mehr Quartalsgewinn einzufahren als Apple und Nvidia zusammen an einem einzelnen Konzern vorbeiziehen können. Am 7. Juli 2026 legt der südkoreanische Chip-Riese seine vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Auslöser: ein historischer Preisschub bei Speicherchips, angetrieben von der Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory für KI-Anwendungen.
Samsung könnte Apple und Nvidia übertrumpfen
Der Marktkonsens für den vorläufigen operativen Gewinn liegt bei rund 85 Billionen Won, umgerechnet etwa 55,9 Milliarden Dollar. Das wäre eine Verachtzehnfachung gegenüber dem Vorjahresquartal. Meritz Securities hält sogar bis zu 99,3 Billionen Won für möglich, sollte Samsung die Rückstellungen für Erfolgsprämien herausrechnen.
Bei 85 Billionen Won würde Samsung die jüngsten Quartalsrekorde von Nvidia (53,5 Milliarden Dollar) und Apple (50,85 Milliarden Dollar) übertreffen. Der Konzern rückte damit weltweit auf Platz zwei der profitabelsten Unternehmen vor – nur Saudi Aramco läge noch davor. Grund für den Boom ist ein regelrechter Superzyklus im Speichermarkt: Die Durchschnittspreise für DRAM und NAND-Flash-Speicher kletterten binnen eines Quartals um 40 bis 65 Prozent.
Der Chip-Boom wird zur Staatsaffäre
Die Größenordnung dieser Gewinnerholung hat die südkoreanische Regierung aufhorchen lassen. Sie plant einen staatlichen „Zukunftsfonds“, finanziert aus den erwarteten Steuereinnahmen der Chipindustrie. Die kombinierten operativen Gewinne von Samsung Electronics und SK Hynix sollen 2026 auf über 600 Billionen Won steigen, umgerechnet rund 430 Milliarden Dollar.
Der Fonds soll Projekte in den Bereichen künstliche Intelligenz, Fertigungstechnik und Wohnungsbau unterstützen. Die Ankündigung folgt auf Berichte, wonach Samsung und SK Hynix gemeinsam etwa 800 Billionen Won in einen neuen Halbleiter-Cluster in der Region Honam investieren wollen.
Samsung drückt bei Preisen weiter aufs Gas
Trotz der Rekordprognosen verlangt Samsung für das dritte Quartal 2026 weitere Preisaufschläge von rund 20 Prozent bei DRAM-Verträgen. Hersteller von Unterhaltungselektronik wehren sich gegen diese Erhöhungen. Das Angebot an Speicherchips bleibt jedoch knapp, was Samsungs Verhandlungsposition stärkt.
Die DRAM-Produktionskapazität liegt aktuell bei 650.000 bis 700.000 Wafern pro Monat. Das ist etwa doppelt so viel wie bei Micron. Langfristverträge machen inzwischen 30 bis 40 Prozent der Samsung-Kontrakte aus und sorgen für zusätzliche Stabilität in einem volatilen Markt.
Die Aktie hinkt der Gewinndynamik hinterher
An der Börse zeigt sich ein anderes Bild als in der Gewinnprognose. Die Aktie schloss am Freitag bei 309.500 Won und büßte binnen sieben Tagen 4,18 Prozent ein, auf Monatssicht sogar 5,93 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 374.500 Won, erreicht am 19. Juni 2026, liegt der Kurs mittlerweile 17,36 Prozent entfernt.
Der langfristige Trend bleibt trotzdem beeindruckend: Auf Jahressicht steht ein Plus von 407,36 Prozent zu Buche. Die Aktie notiert weiterhin 4,44 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 296.350 Won und liegt deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 175.635 Won. Der 14-Tage-RSI von 48,1 signalisiert eine neutrale Marktstimmung – Anleger positionieren sich offenbar erst kurz vor der eigentlichen Gewinnmeldung.
Die Diskrepanz zwischen fundamentaler Stärke und Kursschwäche der letzten Wochen dürfte sich am 7. Juli auflösen. Bestätigt Samsung die Konsensschätzung von 85 Billionen Won oder übertrifft sie sogar, wäre das ein Signal, dass der Speicherchip-Superzyklus noch längst nicht ausgereizt ist.
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