Samsung Electronics zeigt gerade zwei Gesichter. Auf der einen Seite steht ein technologischer Meilenstein bei Speicherchips für KI-Server. Auf der anderen Seite ein Aktienkurs, der trotz explodierender Gewinne seit Wochen unter Druck steht.

Am 8. Juli 2026 bestätigte Samsung die Serienproduktion der PM1763. Das ist eine neue Enterprise-SSD auf Basis des PCIe-6.0-Standards, entwickelt für KI-Server und Hochleistungsrechner. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Plus von 2,52 Prozent auf 285.000 Won.

Doppelt so schnell wie der Vorgänger

Die PM1763 nutzt Samsungs 9. Generation der V-NAND-Technologie und einen neu entwickelten 4-Nanometer-Controller. Das Modell mit 16 Terabyte Speicher erreicht sequenzielle Lesegeschwindigkeiten von bis zu 28.400 Megabyte pro Sekunde. Beim Schreiben sind es bis zu 21.900 Megabyte pro Sekunde – mehr als doppelt so viel wie beim Vorgängermodell PM1753.

Diese Geschwindigkeit hat einen konkreten Nutzen für KI-Anwendungen. Ein 40-Gigabyte-Sprachmodell lässt sich in etwa 1,4 Sekunden übertragen. Für Rechenzentren zählt jede Millisekunde, wenn Prozessoren und KI-Beschleuniger Daten austauschen müssen.

Samsung hat die SSD zudem für Flüssigkühlung optimiert. Die sogenannte Direct-to-Chip-Kühlung soll auch bei Dauerlast die volle Leistung halten. Der Stromverbrauch sinkt im Vergleich zum Vorgänger um mehr als das 1,8-Fache – ein Faktor, der die Betriebskosten großer Rechenzentren spürbar senken kann.

19-facher Gewinnsprung, trotzdem Kursverluste

Der eigentliche Kernkonflikt liegt woanders: bei der Diskrepanz zwischen Geschäftszahlen und Kursreaktion. Samsung hatte vorläufige Zahlen für das zweite Quartal gemeldet, die alle Erwartungen übertrafen. Der operative Gewinn soll um das 19-Fache auf rund 89,4 Billionen Won steigen.

Trotzdem gaben die Aktien in der vergangenen Woche deutlich nach. Der 7-Tage-Wert liegt bei minus 7,92 Prozent, über 30 Tage summiert sich das Minus auf 5,79 Prozent. Marktbeobachter führen den Rückgang auf bereits sehr hohe Erwartungen zurück – und auf Sorgen, dass US-Tech-Konzerne ihre Investitionen in KI-Rechenzentren drosseln könnten.

Vom Jahreshoch bei 374.500 Won, erreicht am 19. Juni, ist die Aktie mittlerweile fast 24 Prozent entfernt. Der Blick auf die längere Frist relativiert das allerdings: Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Plus von gut 122 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von über 370 Prozent.

Analysten bleiben trotz Rücksetzer optimistisch

Die Skepsis der vergangenen Tage deckt sich nicht mit der Einschätzung der Analysten. KB Securities hob sein Kursziel am Mittwoch von 530.000 auf 600.000 Won an. Andere Häuser setzen ihre Ziele teils noch höher an – manche liegen beim Doppelten des Schlusskurses vom 8. Juli.

Als Treiber gilt die erwartete Investitionswelle in KI-Infrastruktur. Analysten rechnen mit einem Anstieg der globalen KI-Investitionen von 800 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 1,1 Billionen Dollar im kommenden Jahr. Bis 2028 könnte die Summe auf 1,5 Billionen Dollar klettern. Diese Nachfrage dürfte die Knappheit bei Speicherchips über Jahre hinweg aufrechterhalten.

Die vollständigen Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlicht Samsung am 30. Juli 2026. Erst dann zeigt sich, wie stark der Speicherchip-Bereich mit Produkten wie der PM1763 zum Rekordgewinn beigetragen hat.