Die Stimmung im Halbleitersektor kippt schlagartig. Sandisk verlor am Dienstag zeitweise zehn Prozent an Wert – und das, obwohl der Markt eigentlich positive Nachrichten bekam. Der Auslöser: ein paradoxer Stimmungsumschwung rund um Speicherchips und eine massive Umschichtung institutioneller Anleger.

Samsungs Rekordgewinn löst Verkaufswelle aus

Das Problem ist fast schon zynisch. Samsung meldete für das zweite Quartal einen operativen Gewinn von umgerechnet rund 58,4 Milliarden Dollar – das 19-fache des Vorjahreswerts. Rekordzahlen, die eigentlich für Euphorie sorgen müssten.

Stattdessen fielen Samsungs Aktien in Seoul um sieben Prozent. Die Botschaft: Der Gipfel der Margen könnte erreicht sein. Zwar treibt Künstliche Intelligenz die Nachfrage weiter an. Doch die Angst vor einem NAND-Überangebot und nachlassenden Preiserhöhungen wächst.

Sandisk gilt als reiner Speicherspieler. Das macht die Aktie besonders anfällig. Die Verluste fielen deutlicher aus als bei diversifizierteren Wettbewerbern.

Kapitalabfluss und der SK-Hynix-Faktor

Ein weiterer Belastungsfaktor: SK Hynix plant seinen Nasdaq-Listing. Der südkoreanische Speicherhersteller will 29 Milliarden Dollar einsammeln. Anleger verkaufen offenbar bestehende Positionen – darunter Sandisk und Micron – um Kapital für die neue Aktie freizumachen.

Die Zahlen sind heftig. Sandisk eröffnete am Dienstag bei 1.619 Dollar, nach 1.744 Dollar am Vortag. Seit Monatsbeginn summiert sich der Verlust auf rund 23 Prozent. Dabei hatte die Aktie zuvor einen enormen Lauf hingelegt: Von einem Tief bei rund 40 Dollar kletterte sie auf über 2.300 Dollar.

Gemischte Signale trotz starkem Geschäft

Die operative Entwicklung bleibt robust. Im dritten Quartal legte der Umsatz um 251 Prozent auf 5,95 Milliarden Dollar zu. Besonders das Rechenzentrumsgeschäft wuchs mit plus 233 Prozent.

Die technischen Indikatoren zeigen ein gespaltenes Bild. Der RSI steht neutral bei 46,8 Punkten. Der Williams %R deutet dagegen auf überverkaufte Niveaus hin. Händler beobachten die Marke von 1.500 Dollar genau, weitere Unterstützung liegt bei rund 1.250 Dollar.

Für das vierte Quartal erwartet das Management einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll bei 30 bis 33 Dollar liegen.

Citigroup bleibt trotz der Kursschwäche konstruktiv und hob das Kursziel auf 2.500 Dollar an. Die Begründung: Die NAND-Angebotsverknappung könnte über 2027 hinaus anhalten. Kurzfristig entscheidet aber die Frage, ob sich der Speichersektor nach dem heftigen Ausverkauf wieder fängt.