SanDisk ist am Dienstag mit voller Wucht in den Kellerrutsch. Das Papier des Chip-Herstellers stürzte um 13,6 Prozent auf 1.963,60 Dollar ab. Der Ausverkauf war Teil einer globalen Talfahrt bei Speicherchips.

Das Timing könnte nicht schlechter sein. Anleger schichten um – weg von risikoreichen Tech-Werten, hin zu defensiven Titeln wie Nahrungsmittelaktien. Dazu kommen Sorgen vor einer strafferen US-Geldpolitik.

Panik an den Börsen Südkoreas

Der Startschuss für den Ausverkauf fiel in Seoul. Der KOSPI-Index brach am selben Tag um zehn Prozent ein. Schwergewichte wie Samsung Electronics und SK Hynix verloren zwölf Prozent oder mehr. Der Philadelphia-Halbleiterindex gab ebenfalls nach – minus 7,87 Prozent.

Dabei hatte SanDisks Jahresbilanz bislang einen ganz anderen Verlauf genommen: Plus 800 Prozent seit Januar. Manche Marktbeobachter sehen den jetzigen Einbruch daher vor allem als Gewinnmitnahme. Ein fundamentaler Bruch in der Firmengeschichte sei das nicht.

Derweil hat sich die Stimmung im Sektor eingetrübt. Immer mehr Investoren fragen sich, ob die Milliardeninvestitionen in Künstliche Intelligenz nachhaltig sind. Hinzu kommt die Aussicht auf eine zweite Zinserhöhung noch vor Dezember.

Die KI-Nachfrage bleibt intakt

Trotz Kursrutsch: SanDisk profitiert weiter von der KI-Infrastruktur. Der NAND-Speicher des Unternehmens wird zunehmend für KI-Inferenz-Aufgaben genutzt – also für die Verarbeitung großer Datenmengen direkt auf dem Endgerät.

Das schlägt sich in den Zahlen nieder. Mehr als ein Drittel der geplanten Bit-Produktion für das Geschäftsjahr 2027 ist bereits langfristig vertraglich gebunden. Die Bruttomargen sollen dabei über 80 Prozent liegen. Fundamental ist der Konzern zudem solide aufgestellt: null Schulden, 233 Prozent mehr Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft im jüngsten Quartal.

Analysten bewerten die Aktie im Schnitt mit „Moderat Kaufen“. Allerdings sind die Kursziele niedriger als der aktuelle Kurs.

Warten auf Micron

Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Branchenkollegen Micron. Der veröffentlicht am 24. Juni seine Quartalszahlen. Anleger hoffen auf ein Signal zur Gesundung des Speicherzyklus – vor allem zu Hight-Bandwidth-Memory-Lieferungen und DRAM-Kapazitäten.

Der Ausverkauf bei SanDisk war ein brutaler Einschnitt. Ob er eine Einstiegschance bietet oder den Beginn einer eitleren Korrektur markiert, entscheidet sich an den Micron-Zahlen.