SanDisk zeigt am Chip-Markt technologische Stärke. Am 2. Juli 2026 beginnt der Speicherhersteller mit dem Sampling seines neuen BiCS10-Flashspeichers. Trotzdem bricht die Aktie in denselben Tagen um mehr als 23 Prozent ein. Ein Rätsel ist das nicht — der Grund liegt woanders.

Technischer Fortschritt bei 3D-NAND

Der neue BiCS10-Chip bringt 332 Speicherschichten mit. Das entspricht einer Steigerung der Bit-Dichte um 59 Prozent gegenüber der Vorgängergeneration BiCS8. SanDisk entwickelt den Chip gemeinsam mit Kioxia und fertigt ihn im japanischen Werk Kitakami Fab2.

Auch bei der Geschwindigkeit legt SanDisk zu. Die Schnittstelle schafft bis zu 4,8 Gigabit pro Sekunde, ein Plus von 33 Prozent. Der Stromverbrauch sinkt gleichzeitig: minus 10 Prozent bei der Eingangsleistung, minus 34 Prozent bei der Ausgangsleistung. Der Chip zielt gezielt auf KI-Workloads und Enterprise-SSDs für Rechenzentren.

Massive Kursverluste trotz Produktnews

Die Marktreaktion fällt trotzdem hart aus. Am 2. Juli fällt die Aktie um 14,13 Prozent und schließt bei 1.762,01 Dollar. Über zwei Handelstage bis zum 3. Juli verliert das Papier rund 23,3 Prozent gegenüber seinen jüngsten Höchstständen — damit rutscht SanDisk offiziell in den Bärenmarkt.

Der Ausverkauf trifft nicht nur SanDisk. Institutionelle Anleger ziehen derzeit in großem Stil Kapital aus Halbleiter-Hardware ab und stecken es in KI-Software und defensive Sektoren um. Morgan Stanley warnte am 3. Juli, die Ära des „blinden Kaufens“ bei Speicherchips sei vorbei. Die Bank rät Investoren zu einem selektiveren Ansatz, während der Markt die Kapitalausgaben-Effizienz im KI-Sektor neu bewertet.

Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte

Die fundamentalen Daten passen kaum zum Kurssturz. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldet SanDisk einen Umsatz von 5,95 Milliarden Dollar — ein Plus von 251 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Datacenter-Segment treibt dieses Wachstum maßgeblich an: 1,467 Milliarden Dollar Umsatz, ein Anstieg von 233 Prozent im Quartalsvergleich.

Für das vierte Quartal bleibt das Management optimistisch. SanDisk erwartet einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar. Beim Non-GAAP-Gewinn je Aktie peilt der Konzern eine Spanne von 30 bis 33 Dollar an.

Analysten uneins, Charttechnik unter Druck

Die Einschätzungen der Analysten gehen derzeit auseinander. Zacks Research stufte die Aktie am 1. Juli von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurück. Andere Häuser halten dagegen an deutlich höheren Kurszielen fest:

  • Bernstein: Kursziel 3.000 Dollar
  • Jefferies: Kursziel 3.000 Dollar
  • Susquehanna: Kursziel 3.250 Dollar

Charttechnisch sehen Analysten eine erste Unterstützung nahe 1.500 Dollar. Als Widerstand gilt die Marke bei 1.900 Dollar, die nächste Hürde liegt bei 2.300 Dollar. Trotz des jüngsten Einbruchs bleibt die Jahresbilanz beeindruckend: Im ersten Halbjahr 2026 hatte die Aktie um mehr als 700 Prozent zugelegt.

Die Kluft zwischen Chart und Fundamentaldaten könnte sich in den kommenden Wochen als entscheidend erweisen. Hält die Unterstützung bei 1.500 Dollar, dürften die hohen Kursziele der Bankhäuser wieder stärker in den Fokus rücken. Bricht die Marke, dürfte die Sektor-Rotation aus Speicherchips weiter Bestand haben.