Der Pharmakonzern Sanofi treibt die Straffung seiner Strukturen nach der Milliardenübernahme von Blueprint Medicines voran. Während das Unternehmen in den USA Stellenstreichungen und Standortschließungen umsetzt, sorgen Produktionsschwierigkeiten an einem wichtigen Standort in Irland für Lieferverzögerungen bei Spezialmedikamenten zur Behandlung seltener Krankheiten. Operativ versucht das Management, den Fokus auf die angepassten Wachstumsziele und eine neue Führungsstruktur zu legen.
Stellenabbau und Standortschließungen in den USA
Infolge der im Juli des vergangenen Jahres abgeschlossenen Akquisition von Blueprint Medicines für 9,1 Milliarden US-Dollar reduziert Sanofi nun die Kapazitäten deutlich. Wie STAT News und der Boston Globe am Montag berichteten, werden in Massachusetts 229 Stellen gestrichen. Der Abbau der Arbeitsplätze soll im kommenden Oktober beginnen und sich phasenweise bis in das nächste Jahr hineinziehen.
Parallel dazu stellt der Konzern den Betrieb an zwei bisherigen Standorten von Blueprint Medicines in Cambridge ein. Diese Maßnahmen sind Teil der Strategie, die übernommenen Forschungs- und Entwicklungsbereiche vollständig in die bestehende Organisation einzugliedern. Ziel ist es, die Synergien der Großakquisition effizienter zu nutzen, nachdem die Integration seit über zwölf Monaten voranschreitet.
Produktionsprobleme in Waterford belasten Versorgung
Zusätzlich zur Restrukturierung kämpft Sanofi mit operativen Hürden in Europa. Am Standort Waterford in Irland sind Engpässe bei der Fertigung der Medikamente Myozyme und Nexviazyme aufgetreten, die bei Morbus Pompe eingesetzt werden. Laut der International Pompe Association liegt die Ursache in einem Flaschenhals bei der Endfertigung sowie in Schwierigkeiten bei der Qualitätskontrolle und der Chargenfreigabe.
Die Probleme folgen auf eine formelle Rüge der US-Gesundheitsbehörde FDA. Die Behörde hatte dem Werk nach einer Inspektion zu Beginn des Jahres einen Warnbrief ausgestellt und erhebliche Verstöße gegen die gute Herstellungspraxis dokumentiert. Dies betraf insbesondere die Laborkontrollen und die allgemeine Datenintegrität. In der Folge mussten Patienten, deren Infusionstermine zwischen dem 10. und 18. August geplant waren, mit Verschiebungen rechnen.
Managementwechsel und operative Ziele
Trotz dieser Herausforderungen hält Sanofi an seinem eingeschlagenen Kurs fest. Zum 1. September 2026 wird das Exekutivkomitee umgebildet, um die strategischen Prioritäten in der Forschung und im Vertrieb zu schärfen. François Roger übernimmt dabei die Finanzleitung, während Paulo Fontoura die Forschungssparte verantwortet. Zudem verlässt Roy Papatheodorou, der bisherige Chefjurist, das Unternehmen nach mehr als vier Jahren.
An der Börse wird die Entwicklung derzeit verhalten aufgenommen. Die Aktie notiert bei 78,40 € und liegt damit rund 3,6% über ihrem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier jedoch ein Minus von 5,5%, womit es der allgemeinen Marktentwicklung hinterherhinkt.
Vor gut drei Wochen hatte der Konzern seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben, nachdem die Quartalszahlen beim Umsatz und Gewinn über den Erwartungen der Analysten gelegen hatten. Auch die vor rund zwei Wochen erfolgte Indikationserweiterung für den Impfstoff MenQuadfi stützte zuletzt die Stimmung, wird nun jedoch von den operativen Problemen in der Fertigung überlagert.
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