Die Erste Group hat Santander heute von „Buy“ auf „Hold“ herabgestuft. Trotz steigender Gewinne sehen die Analysten Belastungen durch hohe Zinsen in Brasilien und ein langsameres Kreditwachstum in Europa. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie verlässlich Santander seine Wachstumsziele erreichen kann. Die bestätigten Jahresziele allein reichen dem Analysehaus nicht mehr für eine Kaufempfehlung.
Kreditrisiken begrenzen den Optimismus
Nach Einschätzung der Erste Group belasten die anhaltend hohen Zinsen brasilianische Kreditnehmer. Das verzögere die Normalisierung notleidender Kredite. In Europa erkennen die Analysten zugleich Anzeichen für ein langsameres Kreditwachstum infolge höherer Zinsen.
Beide Entwicklungen betreffen unterschiedliche Seiten des Geschäfts: Schwächere Kreditnehmer erhöhen die Risiken im Bestand, während eine nachlassende Kreditnachfrage das Neugeschäft begrenzt. Die Herabstufung stellt damit nicht das bisherige Gewinnwachstum infrage. Sie richtet den Blick vielmehr auf dessen Fortsetzung.
Santander erwartet weiterhin ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und sinkende Gesamtkosten. Für 2027 und 2028 soll der Gewinn jeweils zweistellig zulegen. Bis 2028 strebt die Bank einen Gewinn von mehr als 20 Mrd. Euro an.
Die Ziele setzen somit nicht allein auf zusätzliche Erträge. Auch niedrigere Kosten sollen den Ergebnisanstieg tragen. Die von der Erste Group beschriebenen Kreditrisiken stehen diesem Wachstumspfad als Unsicherheitsfaktor gegenüber.
Gewinnanstieg mit Sondereffekt
Das operative Geschäft liefert weiterhin Argumente für Santander. In den ersten neun Monaten 2026 erreichte der bereinigte ordentliche Gewinn laut EFE 11,176 Mrd. Euro. Das entsprach einem Anstieg um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Santander bestätigte heute sämtliche Jahresziele.
Für die Bewertung ist allerdings die Trennung zwischen laufendem Geschäft und Sondereffekten wichtig. Der Verkauf der polnischen Beteiligung hob den ausgewiesenen Gewinn zusätzlich an. Der Konzern wächst also auch bereinigt, doch der berichtete Zuwachs bildet nicht ausschließlich die operative Entwicklung ab.
Der zurechenbare Gewinn erreichte 12,405 Mrd. Euro und lag damit 20 Prozent über dem Vorjahreswert. Darin enthalten war ein Netto-Veräußerungsgewinn aus Polen von 1,895 Mrd. Euro.
Die stärkeren Ergebnisse verhindern bislang keine weitere Kursschwäche. Mit einer heutigen Tagesveränderung von -2,1% setzt die Aktie ihren Rückgang fort. Daraus lässt sich allerdings keine eindeutige Reaktion allein auf das neue Analystenurteil ableiten.
Zusätzliche Belastung in Großbritannien
Neben den Kreditrisiken kommt eine höhere Steuerbelastung hinzu. Wie die Wirtschaftszeitung Expansión gestern berichtete, steigt der britische Banken-Zuschlag auf Gewinne befristet von 3 auf 6 Prozent. Die Regelung gilt von Januar 2027 bis März 2028.
Santander UK erwartet dadurch über den gesamten Zeitraum brutto rund 100 Mio. Pfund Mehrkosten. Diese Belastung betrifft nicht die Kreditqualität, schmälert aber ebenfalls den Spielraum für Gewinnsteigerungen.
Die heutige Herabstufung markiert damit einen vorsichtigeren Blick auf Santander: Das bisherige Wachstum bleibt substanziell. Für eine erneute Kaufempfehlung der Erste Group genügt es dennoch nicht. Entscheidend ist nun, ob sinkende Kosten und steigende Erträge die Belastungen aus Kreditrisiken und zusätzlichen Steuern auffangen können.
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