Brasiliens Präsidentschaftswahl trifft die spanische Großbank an einer empfindlichen Stelle. Luiz Inácio Lula da Silva gewann die Stichwahl am Sonntag überraschend gegen den als wirtschaftsfreundlich geltenden Flávio Bolsonaro. Die Märkte hatten mehrheitlich auf das Gegenteil gesetzt.

Brasilien als zweite Ertragssäule

Das Land ist für Santander der zweitgrößte Gewinnbringer. Rund 15 Prozent des Konzerngewinns stammen von dort, der Vorsteuergewinn lag 2025 bei etwa 3,2 Milliarden Euro. Als einer der größten privaten Kreditgeber vor Ort hängt die Bank direkt an Zinsniveau und Konsumentenkrediten. Eine politische Kurswende schlägt deshalb unmittelbar auf die Bilanz durch.

Entsprechend fiel die Reaktion aus. In Madrid gab die Aktie zeitweise um etwa 5 Prozent nach, der IBEX-35 verlor dagegen nur 0,6 Prozent. Auch Telefónica geriet unter Druck, ebenso der portugiesische Versorger Galp Energia. Die in den USA gehandelten Papiere der Bank rutschten vorbörslich um 3,7 Prozent auf 12,37 Dollar.

Die Schwäche blieb damit ein Länder- und Unternehmensthema. US-Indizes lagen vorbörslich leicht im Plus.

Zusätzlicher Gegenwind

Hinzu kam eine Abstufung: Jefferies senkte die Einstufung auf „Hold“. Das verstärkte den negativen Impuls am Montag. Gleichzeitig dürfte die anstehende Sitzung der US-Notenbank, die am 27. Oktober beginnt, die Risikobereitschaft gedämpft haben.

Brasilianische Konkurrenten wie Itaú Unibanco und Bradesco verzeichneten bei ihren US-Papieren sogar noch deutlichere Abschläge als Santander. Der Markt preist offenbar ein höheres Risiko für das brasilianische Bankgeschäft ein, etwa durch fiskalpolitische Unsicherheit.

Zahlen am Mittwoch

Einen ersten Anhaltspunkt liefert Santander selbst. Am 28. Oktober legt die Bank ihre Neunmonatszahlen für 2026 vor. Dann zeigt sich, wie robust die Erträge in Brasilien zuletzt waren. Gelingt es dem Management, die Ergebnisentwicklung dort überzeugend darzulegen, könnte das den Druck der Wahlnachricht zumindest teilweise abfedern.