Software schlägt Chips — so lässt sich die jüngste Stimmungsverschiebung im Technologiesektor zusammenfassen. Nach Monaten, in denen Halbleiterwerte die Schlagzeilen dominierten, wenden sich Analysten wieder den großen Software-Plattformen zu. SAP steht dabei besonders im Blick.

KI als Rückenwind, nicht als Bedrohung

Der entscheidende Stimmungswandel kam am 29. Mai. Mehrere US-Softwareaktien legten kräftig zu, nachdem Anleger ihre Sorge ablegten, KI könnte klassische Softwaregeschäfte verdrängen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Jüngste Unternehmensergebnisse zeigen: KI treibt den Software-Gebrauch an, erhöht Kundenausgaben und öffnet neue Umsatzquellen für führende SaaS-Plattformen.

Analysten unterscheiden nun schärfer. Auf der einen Seite: Unternehmen, die durch KI unter Druck geraten. Auf der anderen: Anbieter wie SAP, die von höherer Produktivität, neuen Produkten und wachsender Kundennachfrage profitieren können. SAP treibt KI-Funktionen aktiv in seine Cloud-Architektur voran — genau das, was Investoren derzeit suchen.

Kurserholung mit Fragezeichen

Die SAP-Aktie schloss am Freitag bei 156,40 Euro — ein Tagesplus von 3,67 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von gut sieben Prozent. Das klingt solide, doch der größere Kontext trübt das Bild: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie rund 23 Prozent im Minus, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 271,60 Euro sogar mehr als 42 Prozent.

Der RSI liegt bei 78 — technisch überkauft. Kurzfristig könnte das die Dynamik bremsen.

Was die kommende Woche bringt

Neben der Frage, ob die Software-Erholung Bestand hat, liefert die nächste Woche weitere Orientierung. Neue Daten zur europäischen Inflation — zuletzt bei 2,7 Prozent — könnten den Zinspfad der EZB beeinflussen. Für Wachstumswerte wie SAP ist das relevant: Niedrigere Zinsen stützen höhere Bewertungen. Setzen Gewinnmitnahmen bei den hochgelaufenen Chipherstellern ein, dürfte frisches Kapital genau in solche Cloud-Werte fließen.