Eine drohende Geldstrafe der EU ist vom Tisch. SAP hat der Europäischen Kommission verbindliche Zusagen angeboten, um ein Kartellverfahren zu beenden. Am Donnerstag akzeptierte Brüssel den Vorschlag. Für den Softwarekonzern bedeutet das: keine Strafe, aber zehn Jahre lang bindende Verpflichtungen.
Worum es in dem Verfahren ging
Die EU-Kommission hatte im September des Vorjahres Ermittlungen gestartet. Der Verdacht: SAP könnte Wettbewerber im Markt für Wartung und Support von On-Premise-Software behindern. Die Kartellwächter prüften, ob SAP seinen Kunden den Wechsel zu Konkurrenzanbietern erschwert.
SAP reagierte und passte seinen Vorschlag mehrfach an. Grund waren Rückmeldungen von Drittparteien, die die Kommission im Verfahren eingeholt hatte.
Diese Zugeständnisse macht SAP
Der Konzern erleichtert seinen Kunden künftig den Wechsel zu anderen Dienstleistern. Auch Vertragskündigungen sollen einfacher werden. SAP bietet zudem eine alternative Berechnungsmethode für Lizenzgebühren an, auf deren Basis sich Wartungs- und Servicekosten bemessen.
Zwei weitere Punkte kommen hinzu: SAP verzichtet auf Wiedereinführungsgebühren. Rückwirkende Wartungsgebühren für wiederkehrende Kunden fallen künftig niedriger aus.
EU-Kartellamtschefin Teresa Ribera begründete die Entscheidung. Kunden von SAPs On-Premise-Business-Software erhielten mehr Freiheit bei der Wahl ihrer Wartungs- und Supportleistungen. Unfaire Einschränkungen, die Kosten erhöhten und den Wettbewerb bremsten, fielen weg. SAP selbst sieht in den Verpflichtungen mehr Klarheit und Sicherheit für Kunden mit komplexen On-Premise-Umgebungen.
Die Aktie bleibt unter Druck
Am Kurs ändert die Einigung vorerst wenig. SAP schloss den Freitagshandel bei 138,50 Euro, ein Plus von 0,13 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 31,44 Prozent zu Buche. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt der Rückgang sogar 47,09 Prozent.
Der aktuelle Kurs liegt knapp sechs Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, erreicht erst am 25. Juni. Zum 52-Wochen-Hoch von 265,75 Euro aus dem Juli des Vorjahres fehlen fast 48 Prozent. Auch der 200-Tage-Durchschnitt von 178,70 Euro liegt weit über dem aktuellen Niveau.
Die Beilegung des EU-Verfahrens dürfte regulatorische Unsicherheit aus der Aktie nehmen. Ob die Zugeständnisse das margenstarke Wartungsgeschäft spürbar belasten, bleibt allerdings offen. Parallel treibt SAP seine KI-Strategie voran: Am 6. Juli schloss der Konzern die Übernahme des Data-Lakehouse-Anbieters Dremio ab, eine Meldung vom 1. Juli bestätigte zudem Umstrukturierungen im Produktbereich.
Am 23. Juli veröffentlicht SAP seine Halbjahreszahlen. Sie dürften zeigen, ob sich die operative Entwicklung stabilisiert – und ob der Kurs nach dem schwachen Jahresstart Boden gutmachen kann.
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