Starke operative Zahlen, aber ein massiver Kursverfall an der Börse. Bei SAP klaffen Realität und Marktstimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie rutschte am Montag um gut ein Prozent auf 132,62 Euro ab. Damit nähert sich das Papier dem jüngsten 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf rund 34 Prozent.
US-Sektor zieht SAP nach unten
Der aktuelle Druck kommt nicht aus Walldorf. Er kommt aus den USA. Der Beratungsriese Accenture hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr auf drei bis vier Prozent gekappt. Zeitgleich sanken die Neubuchungen um zwei Prozent. Die Sorge: Künstliche Intelligenz verdrängt das klassische Beratungsgeschäft. Das schickte Schockwellen durch den gesamten Markt. Aktien von Konkurrenten wie Capgemini brachen zeitweise um elf Prozent ein. Auch SAP geriet in diesen Abwärtssog.
Milliarden-Wettlauf um KI
Parallel dazu belastet eine Ankündigung von Oracle. Der US-Konkurrent plant massive Infrastrukturausgaben. Satte 95 Milliarden US-Dollar fließen bis zum Geschäftsjahr 2027 in neue Rechenzentren. Das schürt branchenweite Ängste vor sinkenden Margen. Investoren fürchten, dass auch SAP im KI-Wettbewerb deutlich mehr Geld ausgeben muss. Goldman Sachs reagierte bereits. Die Investmentbank senkte das Kursziel für SAP. Die Analysten strichen ihre Margenschätzung für das zweite Halbjahr 2026 zusammen. Der Grund sind erwartete höhere Kosten bei Hardware und Komponenten.
Gefangen in der Ruhephase
Ausgerechnet jetzt tritt SAP in die sogenannte Quiet Period ein. Bis das Management am 23. Juli die Halbjahreszahlen vorlegt, darf es keine geschäftskritischen Informationen veröffentlichen. Neue Impulse aus der Konzernzentrale bleiben also aus. Die Folge: Der Markt ist auf Schätzungen angewiesen. Dabei lief das operative Geschäft zuletzt rund. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz auf 9,56 Milliarden Euro. Der Gewinn lag bei 1,66 Euro je Aktie.
Einige Experten nutzen das niedrige Kursniveau. Die UBS rechnet mit einem besseren Geschäftsumfeld im zweiten Quartal. Analyst Michael Briest erwartet steigende Margen und belässt sein Kursziel bei 205 Euro. Auch Berenberg rät mit einem Ziel von 215 Euro zum Kauf. Analyst Nay Soe Naing sieht ein historisch niedriges Bewertungsniveau im Softwaresektor.
Am 23. Juli müssen die Walldorfer liefern. Dann rückt besonders das Cloud-Wachstum in den Fokus. Bekräftigt SAP die Jahresprognose, könnte das den Abwärtstrend stoppen.
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