Fast auf Jahrestief, fast halber Kurs im Vergleich zum Vorjahr — und trotzdem hält Bernstein an einer Kaufempfehlung für SAP fest. Das Research-Haus bekräftigt sein Buy-Rating mit einem Kursziel von 273,00 Euro. Auf Basis des aktuellen Kurses von 138,70 Euro entspricht das einem Aufwärtspotenzial von knapp 97 Prozent.
Oracle-Zahlen treffen europäischen Softwaresektor
Der jüngste Kursrutsch hat wenig mit SAP selbst zu tun. Auslöser war Oracle: Der US-Konzern kündigte für das Geschäftsjahr 2027 Investitionsausgaben zwischen 90 und 95 Milliarden Dollar an — Analysten hatten rund 68 Milliarden Dollar erwartet. Die Botschaft dahinter: Wenn selbst ein starkes Oracle-Quartal unter massiven KI-Infrastrukturkosten leidet, könnte das auch andere Enterprise-Software-Konzerne belasten.
SAP verlor nach den Oracle-Zahlen vom 11. Juni zeitweise rund vier Prozent und war damit schwächster DAX-Wert. Verstärkt wurde der Druck durch eine Sektorabstufung europäischer IT-Aktien durch die UBS.
Operative Stärke trifft auf Sektorstimmung
Die eigenen Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Im ersten Quartal 2026 wuchs SAPs Cloud-Umsatz um 27 Prozent, der Gesamtumsatz stieg auf 9,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Der Cloud-Auftragsbestand kletterte auf 21,9 Milliarden Euro.
Kein Wunder, dass Bernstein die Bewertung als übertrieben niedrig einstuft. JPMorgan hingegen bestätigte nach den Oracle-Zahlen lediglich seine Hold-Einstufung — ohne Kurszielnachbesserung.
Die Aktie notiert aktuell rund 26 Prozent unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts von 186,59 Euro. Zum 52-Wochen-Tief bei 135,52 Euro fehlen weniger als drei Prozent.
Halbjahresbericht als nächster Test
Um Zukäufe zu finanzieren, platzierte SAP Ende Mai eine Euro-Anleihe über 3,5 Milliarden Euro mit Laufzeiten bis zu sieben Jahren. Das Kapital fließt in allgemeine Unternehmenszwecke und mögliche Akquisitionen.
Am 23. Juli legt SAP seinen Halbjahresbericht vor. Der Markt schaut dabei auf zwei Kennzahlen: Cloud-Auftragsbestand und Cloud-Bruttomarge. Beide zeigen, ob die KI-Strategie des Konzerns kommerziell trägt — oder ob die Investitionskosten auch bei SAP stärker zu Buche schlagen als erwartet.
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