Der Softwarekonzern SAP sieht sich in Indien mit einer juristischen Niederlage konfrontiert. Das oberste Gericht in Neu-Delhi verpflichtete die indische Konzerntochter am gestrigen Montag per gerichtlicher Anordnung dazu, Software- und Supportdienstleistungen für den Energieversorger Nayara Energy unverzüglich wiederaufzunehmen. Nayara Energy deckt knapp acht Prozent des indischen Energiebedarfs ab.
Gericht erklärt Sanktionsbegründung für unzureichend
Auslöser des Rechtsstreits war das Vorgehen des Walldorfer Konzerns im Sommer des Vorjahres. Nachdem Nayara Energy im Juli 2025 auf eine Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt worden war, sperrte SAP wenige Tage später den Zugang zum Support-Portal. Das Gericht in Neu-Delhi stufte diesen Schritt nun als vorläufigen Vertragsbruch ein.
Richter Vikas Mahajan wies die Verteidigung von SAP zurück. Der Konzern hatte argumentiert, der Support laufe über die deutsche Muttergesellschaft SAP SE, weshalb europäische Sanktionen und deutsche Ausfuhrkontrollen eine Fortführung unmöglich machten.
Das Gericht stellte hingegen fest, dass die Verträge indischem Recht unterliegen, welches Vorrang vor ausländischen Regelungen habe. Zudem seien Lizenzen und Dienstleistungen global angelegt und nicht ausschließlich an deutsche Server gebunden.
Der Fall verdeutlicht das wachsende Risiko für internationale Technologiekonzerne, die zwischen westlichen Sanktionsregimen und lokalen Vertragsverpflichtungen in Schwellenländern navigieren müssen. Die sofortige Wiederherstellung des Supports soll den reibungslosen Betrieb des indischen Großkunden sicherstellen.
JPMorgan sieht höhere Hürden vor Quartalsbericht
Parallel zu den juristischen Entwicklungen richten Analysten den Blick bereits auf die anstehenden Geschäftszahlen für das dritte Quartal, die für den 21. Oktober terminiert sind. Das US-Analysehaus JPMorgan beließ seine Einstufung für die SAP-Aktie heute auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro.
Analyst Toby Ogg begründete seine Zurückhaltung mit der Bewertung. Durch den vorangegangenen Kursanstieg liege die Messlatte für den Konzern wieder spürbar höher. Die anstehenden Quartalsergebnisse erwartet Ogg im Rahmen der bisherigen Markterwartungen. Auch die Erste Group Bank zeigte sich zuletzt vorsichtiger und passte ihre Prognose für den bereinigten Jahresgewinn je Aktie leicht nach unten an.
Im Xetra-Handel zeigte sich die Aktie von den Vorgängen unbeeindruckt. Das Papier notiert aktuell bei 185,76 Euro, was einem Tagesgewinn von 1,7 Prozent entspricht. Am Markt überwiegt derzeit die Zuversicht in das robuste Cloud-Geschäft, das bereits im zweiten Quartal für ein solides Erlösplus gesorgt hatte.
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