Auf der großen Bühne der NVIDIA GTC präsentiert der Walldorfer Softwarekonzern aktuell seine nächste Ausbaustufe der Unternehmens-KI. Während die Verzahnung mit dem Chip-Giganten immer konkretere Formen annimmt, reagieren Investoren mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Der Kontrast zwischen technologischer Aufrüstung und anhaltender Marktskepsis hat den Aktienkurs nun auf einen neuen Tiefpunkt gedrückt.

Tiefe Integration mit NVIDIA

Im Zentrum der technologischen Neuausrichtung stehen autonome KI-Agenten. SAP demonstrierte auf der Entwicklerkonferenz, wie das Assistenzsystem Joule künftig komplexe Lieferketten-Szenarien simulieren und optimieren soll. Dafür greift das Unternehmen direkt auf die GPU-beschleunigte cuOpt-Engine von NVIDIA zurück. Erste Pilotkunden verzeichnen durch den Einsatz dieser sogenannten Agentic AI bereits messbare Erfolge, darunter eine Halbierung der Onboarding-Zeiten für Lieferanten und 30 Prozent weniger ungeplante Anlagenausfälle.

Um diese Entwicklung zu beschleunigen, stellte der Konzern im ersten Quartal den Joule Studio Agent Builder zur Verfügung. Unternehmen können damit eigene KI-Fähigkeiten auf Basis ihrer spezifischen Geschäftslogik entwickeln.

Jahrestief trotz Milliarden-Rückkauf

An der Börse verfehlen diese Fortschritte bislang ihre Wirkung. Am gestrigen Mittwoch rutschte das Papier auf ein neues 52-Wochen-Tief von 160,20 Euro ab. Damit summiert sich der Kursverlust seit Jahresbeginn auf deutliche 20,69 Prozent. Selbst das neu aufgelegte Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro konnte den Abwärtsdruck bisher nicht stoppen.

Zusätzlichen Gegenwind lieferten zuletzt kritische Sicherheitslücken im Quotation Management, die auf veraltete Log4j-Abhängigkeiten zurückzuführen sind. Da moderne SAP-Umgebungen stark vernetzt operieren, können solche lokalisierten Schwachstellen schnell zu breiteren operativen Risiken für die zentralen Plattformdienste anwachsen.

Fokus auf das Cloud-Wachstum

Um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, muss das Management die strategischen Initiativen in zählbare Ergebnisse übersetzen. Analysten gehen für das laufende Jahr im Schnitt von einem Umsatzanstieg um gut 10 Prozent auf 40,6 Milliarden Euro aus. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Cloud-Segment, das währungsbereinigt um 23 bis 25 Prozent wachsen soll. Am 23. April 2026 präsentiert der Konzern die Ergebnisse des ersten Quartals und liefert damit den entscheidenden Datenpunkt zur tatsächlichen KI-Umsatzbeteiligung sowie zum Fortschritt der laufenden ERP-Migrationen.