Ein CEO, der die eigene Entwicklermannschaft in Frage stellt — das läuft nicht geräuschlos an den Märkten vorbei. SAP-Chef Christian Klein sagte in einem Interview, es gebe eine Chance, dass bei SAP in drei bis vier Jahren niemand mehr Software entwickle. Die Reaktion des Kurses: weiteres Nachgeben.
Doppelter Gegenwind
Auf XETRA fiel die Aktie heute zeitweise auf ein neues Mehrjahrestief von 130,62 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit rund 37 Prozent verloren — vom 52-Wochen-Hoch bei 269,35 Euro trennen den Kurs inzwischen mehr als 50 Prozent.
Jefferies-Analyst Charles Brennan trägt mit einer Kurszielsenkung von 230 auf 210 Euro zum Stimmungsbild bei, hält jedoch an seiner Kaufempfehlung fest. Als Ursache nennt er kein SAP-spezifisches Problem, sondern ein generell schwaches Umfeld für europäische Softwarewerte. Die bevorstehende Q2-Berichtssaison dürfte laut Jefferies keine starken Impulse liefern.
Was Kleins Aussage wirklich bedeutet
Kleins Zitat klingt auf den ersten Blick beunruhigend — tatsächlich ist es zweischneidig. In demselben Interview betonte er, das ERP-System sei „das Gehirn des Unternehmens“. Je tiefer KI in Preisgestaltung, Logistik und Finanzen eingebettet werde, desto wertvoller werde genau dieses Kernsystem. Die Aussage ist also eher ein Plädoyer für SAPs zentrale Rolle als eine Ankündigung des eigenen Niedergangs.
Marktbeobachter werten das Zitat dennoch als Unsicherheitsfaktor — weil es Fragen über Kleins Strategie für den Übergang aufwirft, bevor SAP konkrete Antworten geliefert hat. Kritische Stimmen zweifeln ohnehin daran, ob die Migrationswerkzeuge für Bestandskunden rechtzeitig am Markt sind, um Abwanderungen zu Konkurrenzlösungen zu verhindern.
Niedriges Volumen, kein Panikverkauf
Auffällig: Das Handelsvolumen lag heute zeitweise bei nur rund einem Viertel des üblichen Tagesdurchschnitts. Der Kursrückgang geht damit eher auf ruhigen Abgabedruck zurück als auf eine breit angelegte Verkaufswelle. Morningstar bewertet die Aktie weiterhin mit fünf Sternen und sieht SAP als deutlich unterbewertet — mit einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil durch die tiefe Verwurzelung in Unternehmensinfrastrukturen.
Am 23. Juli legt SAP die Ergebnisse zum zweiten Quartal vor. Die Gewinnerwartungen wurden zuletzt leicht nach oben angepasst — ein grundsätzlich positives Signal. Allerdings haben selbst besser als erwartet ausgefallene Zahlen den Kurs in den vergangenen Quartalen nicht zuverlässig stabilisiert. Der Test, ob Kleins KI-Vision als Chance oder Risiko gelesen wird, kommt also in vier Wochen.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 25. Juni liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

