Fast halbiert in zwölf Monaten — die SAP-Aktie steckt in einer der schwersten Korrekturen ihrer jüngeren Geschichte. Am gestrigen Donnerstag markierte das Papier bei 134,38 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Heute, am großen Verfallstag, könnte es nochmals unruhig werden.

Tief nach tiefem Tief

Der Schlusskurs von 135,76 Euro liegt nur knapp über dem frisch markierten Jahrestief. Seit Januar 2026 hat die Aktie fast ein Drittel ihres Wertes verloren. Über zwölf Monate beträgt das Minus sogar 45 Prozent — gemessen am Hoch von 266 Euro im Juli 2025 ist das Papier nahezu halbiert.

Hinter dem Einbruch steckt ein Bewertungsproblem. Der Markt zweifelt, ob SAP die Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur schultern kann, ohne die Marge zu belasten. US-Rivale Oracle hat massive Ausgabenprogramme angekündigt. Goldman Sachs hat daraufhin seine Prognose für die SAP-Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 gesenkt. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.

Hexensabbat als Risikofaktor

Der heutige Freitag bringt den großen Verfallstag an den Terminbörsen. Optionen und Futures auf Indizes und Einzelaktien laufen aus. Für SAP bedeutet das erfahrungsgemäß erhöhtes Handelsvolumen und abrupte Kursausschläge, weil institutionelle Investoren Positionen rollen oder glattstellen.

Technisch ist die Lage angespannt. Der RSI liegt bei 35 — das deutet auf beginnende Überverkauftheit hin. Allerdings verläuft der 200-Tage-Durchschnitt bei 186 Euro, also gut 27 Prozent über dem aktuellen Kurs. Von einer Trendwende ist die Aktie weit entfernt.

Analysten halten an höheren Zielen fest

JPMorgan bewertet die Aktie weiterhin mit „Neutral“, setzt das Kursziel aber auf 175 Euro. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von rund 29 Prozent. Die Analysten verweisen auf das strukturell starke Cloud-Backlog. Allerdings läuft die Migration der Bestandskunden von On-Premise- auf Abo-Modelle langsamer als erhofft.

Hinzu kommt ein makroökonomischer Gegenwind. Die US-Notenbank hat Zinssenkungen auf frühestens 2027 verschoben. Das erhöht den Abzinsungsfaktor für Wachstumsaktien und drückt auf die Bewertungsmultiplikatoren — ein strukturelles Problem, das SAP mit vielen Tech-Werten teilt.

Ob die Unterstützung bei 134 Euro heute per Schlusskurs hält, wird der erste Belastungstest sein. Ein Bruch könnte weitere Verkäufe in Richtung 130 Euro auslösen. Der nächste fundamentale Fixpunkt ist der 23. Juli 2026, wenn SAP den Halbjahresbericht vorlegt.