Der Softwaresektor hat gerade wenig zu feiern — und SAP steckt mittendrin. Während Konkurrent Salesforce gestern Abend durchwachsene Quartalszahlen vorlegte, rückt der Blick unweigerlich auf die Walldorfer: Beide Konzerne leiden unter demselben Narrativ, das den gesamten Sektor belastet.

KI als Fluch der Software-Branche

Investoren fürchten, dass klassische Softwaregeschäftsmodelle durch den Aufstieg von KI-Tools unter Druck geraten. SAP hat seit Jahresbeginn mehr als ein Viertel seines Börsenwerts verloren und kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 184 Milliarden Euro. Das ist kein Einzelschicksal: Salesforce, mit rund 145 Milliarden Dollar derzeit kleiner bewertet als SAP, kämpft mit demselben Gegenwind.

Das Muster ist bekannt. Kapital wandert von Software- und Cloud-Titeln in Halbleiter und KI-Infrastruktur ab. SAP leidet also weniger an unternehmenseigenen Problemen als an einer sektorweiten Rotation, die Anleger nervös macht.

Charttechnik sendet erste Signale

Technisch betrachtet hat sich das Bild bei SAP zuletzt leicht aufgehellt. Die Aktie kletterte über ihre 50-Tage-Linie — ein erstes prozyklisches Kaufsignal. Weder RSI noch MACD widersprechen: Beide Indikatoren zeigen Aufwärtstrends, der MACD vollzog zuletzt einen Vorzeichenwechsel, was kurzfristig einen neuen Aufwärtstrend anzeigt.

Der übergeordnete Abwärtstrend ist damit noch nicht gebrochen. Das mittelfristige Anstiegspotenzial reicht charttechnisch bis zur Trendkanaloberkante bei rund 180 Euro — etwa 20 Prozent Luft nach oben, wenn man einen Stopp-Loss bei 135 Euro setzt.

Was jetzt zählt

Der Salesforce-Abend illustriert das Grundproblem: Selbst solide Quartalszahlen ändern kaum etwas an der KI-Skepsis der Märkte. Barclays-Analyst Raimo Lenschow brachte es auf den Punkt — der mit KI verbundene Umsatz wachse zwar, bleibe im Gesamtkontext aber gering, und KI erzeuge im gleichen Schritt neue Herausforderungen.

Für SAP bedeutet das: Positive Nachrichten, die den Erwartungsdruck brechen, könnten angesichts des gesunkenen Bewertungsniveaus überproportional wirken. Das Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 2 zu 1, das die Charttechnik aktuell bietet, ist selten — ob fundamentale Katalysatoren folgen, entscheidet sich spätestens bei den nächsten Quartalsergebnissen im Juli.