SAP-Aktien profitierten in der vergangenen Woche von einer breiten Rally europäischer Softwaretitel. Reuters berichtete am Donnerstag, dass der Sektor um 2,7 Prozent zulegte, wobei SAP zu den Treibern zählte. Als Auslöser nannte die Agentur den möglichen Übernahmedeal von Silver Lake für Workday, der die Bewertungen von Softwareunternehmen europaweit stützte.

Der Effekt reicht bis in den aktuellen Handel hinein: Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 186,70 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent auf Tagessicht. Über sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 4,0 Prozent. Auf Monatssicht steht sogar ein Zuwachs von 33 Prozent zu Buche – ein deutliches Signal dafür, wie stark sich die Stimmung für den Softwarekonzern zuletzt aufgehellt hat.

Analysten reagieren zurückhaltend auf die Kurserholung

Trotz der jüngsten Kursstärke bleibt das Bild bei den Analystenhäusern gemischt. Mehrere Institute senkten nach den zurückliegenden Quartalszahlen ihre Kursziele für SAP, wie Medienberichten zufolge zu erfahren war. Als Gründe wurden eine reifere Cloud-Migrationsphase, niedrigere EBIT- und EPS-Prognosen sowie erhöhte Modellvolatilität genannt.

Bereits Ende Juli hatte Goldman Sachs sein Kursziel nach den Zahlen zum zweiten Quartal von 230 auf 215 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ jedoch beibehalten. Jefferies bestätigte zur gleichen Zeit sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 210 Euro.

Bank of America begründete eine Zielsenkung mit leicht niedrigeren Cloud-Margen im zweiten Quartal. Diese Einschätzungen datieren allesamt aus der zweiten Julihälfte und spiegeln damit nicht mehr zwingend die aktuelle Marktlage nach der jüngsten Kursrally wider.

Charttechnik zeigt überkaufte Situation

Die kräftige Erholung der vergangenen Wochen hat SAP charttechnisch in überkauftes Terrain geführt. Der Relative-Stärke-Index auf 14-Tage-Basis notiert bei 75 Punkten und signalisiert damit eine angespannte Kurzfristlage. Gleichzeitig bleibt die Aktie mit einem Abstand von 23 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro, das im Oktober markiert wurde, noch deutlich von früheren Höchstständen entfernt.

Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Kursdynamik und dem weiterhin bestehenden Abstand zum Jahreshoch dürfte die Debatte unter Analysten befeuern. Während die Sektor-Rally kurzfristig für Rückenwind sorgt, bleiben strukturelle Fragen zur Cloud-Margenentwicklung und zum Tempo der Migration bestehen – Themen, die mehrere Häuser bereits vor der jüngsten Kursbewegung zu Vorsicht gemahnt hatten.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die Marktstimmung im Softwaresektor hat sich spürbar verbessert, getragen von Übernahmefantasie und einer generellen Risikofreude an den Börsen. Ob sich diese Dynamik in nachhaltig höheren Kurszielen der Analysten niederschlägt, bleibt angesichts der zuletzt eher zurückhaltenden Einschätzungen zu den operativen Kennzahlen offen.