SAP-Aktien geraten am heutigen Montag unter Druck und fallen im XETRA-Handel um rund 1,9 Prozent auf 181,62 Euro. Damit setzt sich eine Schwächephase fort, die den Titel binnen sieben Tagen bereits 4,4 Prozent gekostet hat.

Charttechnisch mehren sich die Warnzeichen: Nach der kräftigen Erholung vom Jahrestief bei 127,50 Euro auf zwischenzeitlich über 190 Euro sehen Marktbeobachter eine mögliche Top-Bildung im Bereich zwischen 180 und 190 Euro. Als nächste Unterstützungszone gilt die Marke zwischen 165 und 175 Euro, wo auch die 200-Tage-Linie bei 168,60 Euro und die 50-Tage-Linie bei 162,49 Euro liegen.

Zeiss bricht SAP-Cloud-Projekt ab

Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgt ein gescheitertes Digitalisierungsprojekt bei einem prominenten SAP-Kunden. Der ASML-Zulieferer Zeiss hat den geplanten Neuaufbau seiner SAP-Cloud-Umgebung nach dem sogenannten Greenfield-Ansatz gestoppt, nachdem die Kosten die Marke von 200 Millionen Euro überschritten hatten.

Das Unternehmen wechselt stattdessen zu einer schonenderen Brownfield-Migration, bei der bestehende Systeme schrittweise angepasst statt komplett neu aufgebaut werden.

Ein ähnliches Projekt hatte bereits Lidl vor Jahren nach rund 500 Millionen Euro Kosten aufgegeben. Berichten zufolge verfehlen etwa 60 Prozent aller S/4HANA-Migrationen ihr Budget oder ihren Zeitplan – ein Umstand, der Druck auf Unternehmen erzeugt, da SAP die Wartung für die Altsoftware ECC bis 2027 einstellt.

Dass Umstellungen auf die neue SAP-Generation nicht immer reibungslos verlaufen, zeigte sich zuletzt auch bei anderen Firmen: Bei einem Zulieferer für Bauelemente hatten negative Effekte aus einer SAP-Einführung an einem Produktionsstandort das Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 belastet, laut einer Einschätzung der UBS-Analystin Leonie Zirn allerdings zeitlich begrenzt.

Gilg: KI ersetzt keine unternehmenskritische Software

Auf der anderen Seite positioniert sich SAP-Präsident Jan Gilg offensiv gegen die Sorge, generative KI könnte klassische Unternehmenssoftware überflüssig machen.

Nach der sogenannten „SaaSpocalypse“, die SAP-Aktien im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent hatte fallen lassen, sieht Gilg künstliche Intelligenz gerade für sogenannte „mission-critical“ Anwendungen nicht als Ersatz, sondern als Wachstumstreiber.

SAP arbeitet konkret an einer KI-gestützten Vertriebsorganisation mit signaldatenbasierter Kundensegmentierung und autonomen Agenten für Angebote und Verträge. Als Beispiel dient der Reisekonzern Amadeus, bei dem ein autonomer KI-Agent rund 40.000 fehlerhafte Transaktionen bereinigt haben soll.

Fundamental unter langjährigem Bewertungsschnitt

Fundamental bleibt SAP trotz der jüngsten Kursverluste kein Schnäppchen im klassischen Sinne, notiert aber deutlich unter der eigenen Historie: Das für 2026 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 26,3 – gegenüber einem Zehn-Jahres-Mittel von 39,3. Im zweiten Quartal 2026 steigerte SAP den Umsatz auf 9,88 Milliarden Euro nach 9,03 Milliarden Euro im Vorjahr, der Gewinn je Aktie kletterte von 1,46 auf 1,89 Euro.

Analysten rechnen für das laufende Jahr mit einem Ergebnis je Aktie von 7,10 Euro. Die Dividende für 2025 lag bei 2,50 Euro, für 2026 werden 2,66 Euro erwartet.

Die nächsten Quartalszahlen will SAP am 21. Oktober vorlegen – ein Termin, der zeigen dürfte, ob sich die charttechnische Schwäche auch operativ fortsetzt oder ob das Unternehmen den Wachstumskurs bestätigen kann.