Liebe Traderinnen und Trader,

drei Verlusttage in Folge für Halbleiter- und KI-Titel weltweit, und mittendrin ein DAX-Schwergewicht, das einfach nicht mitspielt: SAP legte am Freitag um 0,20 Prozent auf 137,92 Euro zu, während Infineon das Schlusslicht der DAX-Kursliste bildete. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Muster, das die kommenden Wochen prägen dürfte. Wer nur auf den Indexstand starrt, übersieht die eigentliche Story: Software-Cashflow und robuste Gewinnsektoren behaupten sich, während Hardware-Werte Federn lassen.

Die Rotation weg vom Chip-Trade

Der DAX gab auf Wochensicht von 24.963 auf 24.769 Punkte nach, ein Minus von rund 0,77 Prozent – belastet durch weltweite Gewinnmitnahmen bei Halbleiter- und KI-Titeln. Doch während Infineon abgab, hielt SAP nicht nur die Stellung, auch Nemetschek verlor nur marginal. Das deckt sich mit einer aktuellen Analyse von Barclays: Europas Unternehmen starten mit verbesserter Gewinndynamik in die Q2-Saison, 13 Prozent erwartetes EPS-Wachstum stehen 26 Prozent in den USA gegenüber – doch klammert man Energie und Technologie aus, liegen beide Regionen bei rund 5 Prozent nahezu gleichauf. Barclays nennt explizit Banken neben Halbleitern, Investitionsgütern, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Bergbau und Energie als die Sektoren mit dem stärksten Gewinnprofil für 2026 – bei einer insgesamt vorsichtigeren FY26-Prognose von 12 Prozent EPS-Wachstum gegenüber einem Marktkonsens von 17 Prozent.

Für SAP kommt fundamentaler Rückenwind hinzu: Konzerne wie Hapag-Lloyd stellen ihren Finanzbereich derzeit auf S/4HANA um – ein Beleg dafür, dass Softwaregeschäfte weiterlaufen, auch wenn der Chip-Zyklus dreht. Wer im DAX gerade umschichtet, sollte deshalb nicht nur die Verlierer im Blick behalten, sondern gezielt nach relativer Stärke bei Software und Financials suchen.

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Die Abkehr vom überhitzten Chip-Trade ist längst kein rein europäisches Phänomen – auch am US-Markt zeichnet sich eine deutliche Sektor-Rotation ab, weg von den bekannten Tech-Schwergewichten. Ein kostenloser Sonderreport von Börsenexperte Henrik Voigt zeigt, welche drei US-Aktien aus Bereichen wie E-Commerce und Logistik von dieser „Rolling Recovery“ profitieren könnten. Kostenlosen US-Sonderreport sichern

Delivery Hero: Der Übernahmepreis klettert auf 41 Euro

Konkreter wird es bei Delivery Hero. Die Gespräche mit Uber sind nach Berichten dieser Woche weit fortgeschritten, der mögliche Angebotspreis kletterte von zuvor 33 auf jetzt 41 Euro je Aktie. Uber hält bereits fast 25 Prozent direkt und hat Zugriff auf fast 37 Prozent der Anteile – das ist keine vage Übernahmefantasie mehr, sondern eine Preisspanne mit klarer Richtung. Wer die Aktie im Depot hat oder über einen Einstieg nachdenkt, sollte die Differenz zwischen aktuellem Kurs und dem 41-Euro-Angebot als die entscheidende Kennzahl der kommenden Tage behandeln.

Netflix: Zahlen im Rahmen, Vertrauen beschädigt

Ganz anders die Reaktion bei Netflix. Der Q2-Umsatz von 12,56 Milliarden Dollar traf die Erwartung von 12,58 Milliarden nahezu exakt, das EPS von 0,80 Dollar lag sogar leicht über der Prognose von 0,79 Dollar – auf den ersten Blick solide Zahlen. Der Kurs brach dennoch ein: minus 7,26 Prozent auf 68,95 Dollar am 17. Juli, im nachbörslichen Handel zeitweise bis zu 12 Prozent im Minus. Zwei Gründe trieben den Ausverkauf: Die Q3-Umsatzprognose von 12,86 Milliarden Dollar verfehlt die Konsenserwartung von 13 Milliarden, und Netflix reduziert seine „What We Watched“-Transparenzberichte ab 2027 von halbjährlich auf jährlich. Der Markt liest Letzteres als Versuch, schwächere Engagement-Trends aus dem Blick zu nehmen. Goldman Sachs senkte das Kursziel entsprechend von 110 auf 94 Dollar. Bei einem KGV von rund 21,7 (TTM) und einem Analysten-Konsensziel von 97,91 Dollar bleibt zwar Erholungspotenzial zwischen aktuellem Kurs und Zielspanne – die Guidance-Kürzung dürfte den Titel aber vorerst unter Druck halten.

SpaceX: Leerverkäufer kassieren Milliarden

Ein Lehrstück in Sachen IPO-Übertreibung liefert derweil SpaceX. Nach dem Börsengang zu einer Bewertung von 86 Milliarden Dollar fiel die Aktie am Mittwoch erstmals unter den Ausgabepreis von 135 Dollar und eröffnete am Freitag bei rund 127 Dollar – die Marktkapitalisierung hat gegenüber ihrem Hoch bereits rund eine Billion Dollar verloren. Leerverkäufer sitzen laut S3 Partners auf Buchgewinnen von etwa 5 Milliarden Dollar. Das nominale Short-Interesse stieg von 4,5 Milliarden Dollar am 15. Juni auf inzwischen 25 Milliarden Dollar; rund 192 Millionen Aktien, etwa 30 Prozent des Streubesitzes, sind leerverkauft. Für Trader ist das ein Signal mit zwei Seiten: Ein derart hohes Short-Interesse kann bei positiven Nachrichten jederzeit einen Squeeze auslösen. Solange aber der fundamentale Gegenwind – darunter eine abgesagte Starship-Testkampagne – nicht nachlässt, bleibt der Trend fragil.

Airbus: Ein Termin am 28. Juli, der zählt

Deutlich sauberer liest sich die Lage bei Airbus. Die Aktie liegt seit dem Korrekturtief im April rund 30 Prozent im Plus, gestützt durch einen Auftragsbestand von 9.253 Verkehrsflugzeugen im Wert von über 600 Milliarden Euro und mehr als 800 Neubestellungen zwischen Januar und Mai. Bank of America hat den Titel in ihre Favoritenliste für das dritte Quartal aufgenommen. Am 28. Juli legt der Konzern Q2-Zahlen vor, Analysten erwarten für das zivile Kerngeschäft einen operativen Gewinnrahmen von rund 10 Milliarden Euro – nach 7,13 Milliarden Euro bereinigtem EBIT im Gesamtjahr 2025. Bis 2028 soll der Nettogewinn auf 8,29 Milliarden Euro steigen, ein jährliches Plus von 15,1 Prozent. Wer auf Value mit einem klaren Termin setzt, findet hier einen der saubersten Fälle im aktuellen Markt.

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Während Chip-Titel ins Straucheln geraten, rücken bei institutionellen Investoren zunehmend andere US-Sektoren in den Fokus – ähnlich wie bei Airbus zeigt sich, dass klare fundamentale Termine und breitere Branchenrotationen oft die verlässlicheren Signale liefern als der nächste Tech-Hype. Ein kostenloser Report von Analyst Henrik Voigt nennt drei konkrete US-Aktien samt WKN, die von dieser Verschiebung profitieren könnten. Jetzt Sektor-Rotation-Report kostenlos lesen

Marschroute

Im DAX bleibt die Sektor-Rotation der Schlüssel: SAP und die von Barclays hervorgehobenen Bankwerte als relative Stärke, Infineon und der Halbleiterkomplex als Belastung. Bei Delivery Hero markiert die Spanne zum möglichen 41-Euro-Angebot die Messlatte der kommenden Tage. Netflix dürfte sich an der neuen Goldman-Marke von 94 Dollar und der Konsenszielzone von 97,91 Dollar orientieren, SpaceX bleibt wegen des Rekord-Short-Interesses hochvolatil um die 127-Dollar-Marke. Airbus liefert mit dem 28. Juli einen klaren Termin – ebenso wie die Fed mit ihrer Zinsentscheidung am 29. Juli, die auch für Bitcoin richtungsweisend sein dürfte: Optionshändler positionieren sich dort mit Call-Spreads im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar bis zum 31. Juli auf die Marke von 72.000 Dollar. Die EZB pausiert im Juli, den nächsten Zinsschritt erwartet die DWS erst im September.

Das Wochenende geht zu Ende, die Terminliste für die kommende Woche ist bereits dicht – nutzen Sie die freie Zeit, um Ihre Positionierung vor Airbus, Fed und den anstehenden Zahlen in Ruhe zu sortieren.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer