Liebe Traderinnen und Trader,

der DAX kratzt an seiner Bestmarke von 26.445 Punkten, kommt aber nicht durch: viel Kaufbereitschaft, kaum Anschlusskäufe. Die eigentliche Geschichte dieser Woche spielt sich in den Einzelwerten ab – im TecDAX, in ausgewählten Schwergewichten und in der Frage, ob die US-Inflationsdaten am Mittwoch den Zinssenkungshoffnungen der Bullen recht geben oder sie zerschlagen. Genau dort liegt das Setup der Handelswoche.

SAP: Vom Prügelknaben zum Wochengewinner

Kein DAX-Wert erzählt die Rotation dieser Rally besser als SAP. Auf Wochensicht sprang die Aktie fast zwölf Prozent, binnen 30 Tagen liegt sie rund 30 Prozent im Plus. Der Kontext bleibt trotzdem ernüchternd: Auf Zwölf-Monats-Sicht steht der Titel noch immer klar zweistellig im Minus, das 52-Wochen-Hoch von 251,70 Euro aus dem vergangenen August ist weit entfernt. Genau das ist die These: Hier läuft eine Erholungs-Rally aus einer tiefen Korrektur, kein neuer Aufwärtstrend aus der Stärke. Der TecDAX, den SAP mitzieht, ist mit über zwölf Prozent Jahresplus der stärkste der deutschen Indizes. Wer den Wert tradet, sollte wissen: Das Momentum ist real, die Fallhöhe nach dem Rebound aber ebenso. Ein Rücksetzer nach einem 30-Prozent-Lauf in vier Wochen ist die Regel, nicht die Ausnahme.

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Die Rotation zwischen SAP, Hochtief und Bayer zeigt, wie schnell sich Führungswechsel unter deutschen Schwergewichten vollziehen können – wer nur die bekanntesten Namen im Blick hat, übersieht mitunter die eigentlichen Gewinner. Ein kostenloser Report stellt drei deutsche Unternehmen aus Immobilien, Maschinenbau und Automobilsegment vor, die im aktuellen Rendite-Machtkampf die Nase vorn haben könnten. Kostenlosen Report „3 deutsche Giganten“ sichern

Hochtief: Der Chart bricht — nach 112 Prozent in zwölf Monaten

Hochtief war einer der stillen Stars der Rally: gut 112 Prozent auf Jahressicht, getragen von der Rechenzentrums- und Infrastruktur-Story. Im Handelsverlauf gab die Aktie nun nach und notiert um 447 Euro – nach einem Vortagesschluss von 455 Euro. Analysten sehen mit einem Kursziel von 468,51 Euro zwar noch moderates Aufwärtspotenzial, doch bei einem KGV von 31,6 ist die Bewertung ambitioniert. Bemerkenswert ist das Muster: Ein Momentum-Wert, der nach einem solchen Lauf die runde 450-Euro-Marke unterschreitet, sendet ein technisches Warnsignal. Für Trader ist das die eigentliche Botschaft der Woche – die Second-Wave-Werte, die die Rally getragen haben, zeigen erste Schwäche, während der Index selbst noch nach oben schielt. Wer Gewinne laufen ließ, sollte die Stopps enger ziehen.

Bayer: Jefferies bremst — 46 statt Kaufkurs

Bayer hat einen Downgrade kassiert: Jefferies stuft auf „Hold“ und setzt das Kursziel bei 46 Euro an – Analyst Michael Leuchten sieht damit rund sechseinhalb Prozent Rückschlagpotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs von etwa 49 Euro. Die Aktie gab im Tagesverlauf nach. Das ist die klassische Ernüchterung nach einer Erholung: Erst traut man dem Kerngeschäft mehr zu, dann kommt die Mahnung, dass Rechtsrisiken und Bewertung nicht verschwunden sind. Für Bayer-Trader heißt das konkret: Der 46-Euro-Bereich wird zur psychologischen Zielmarke, an der sich entscheidet, ob die Erholung Bestand hat.

Der Mittwoch entscheidet: US-Inflation gegen die Zinssenkungs-Hoffnung

Der eigentliche Taktgeber liegt nicht in Frankfurt, sondern in Washington. Am Mittwoch und Donnerstag kommen die US-Verbraucher- und Erzeugerpreise – und die Erwartungshaltung ist zerbrechlich. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht war ein Schock: Statt eines Stellenzuwachses stand für Juli ein Minus von 23.000 in den Büchern, bei einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. Prompt kippte die Zinsfantasie: Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinssenkung im September fiel von 67 auf gut 40 Prozent, je nach Berechnung. Parallel treibt der ungelöste Konflikt um die Straße von Hormuz die Ölpreise – Brent notiert über der 84-Dollar-Marke, WTI zieht kräftig an. Steigende Energiepreise plus hartnäckige Inflation sind Gift für genau die Zinssenkungs-Hoffnung, die diese Rally trägt. Ein CPI-Wert oberhalb der Erwartung würde exakt jene Titel treffen, die zuletzt am stärksten liefen. Das ist das Asymmetrie-Risiko der Woche: Nach oben ist wenig Luft bis zum Allzeithoch, nach unten viel Fallhöhe.

Bitcoin: Wale verkaufen in die Stärke

Bitcoin notiert um 64.200 Dollar und damit gut ein Prozent tiefer, nachdem im August ein Zwischenhoch bei rund 65.400 Dollar markiert wurde. Interessant ist die Divergenz dahinter: Während die Spot-ETFs mit über 850 Millionen Dollar die höchsten Zuflüsse seit dem Frühjahr verzeichneten, verkaufte eine einzelne Großadresse binnen drei Wochen über 7.500 BTC. Institutionelle kaufen, ein einzelner Wal verteilt – ein klassisches Muster nahe eines Widerstands. Der 50-Monats-Durchschnitt bei rund 65.800 Dollar bleibt der Deckel, den es zu knacken gilt. Solange dieser hält, ist die Range das Handelsumfeld, nicht der Ausbruch.

Marschroute

  • DAX: Widerstand bleibt das 52-Wochen-Hoch bei 26.445 Punkten – erst darüber öffnet sich Raum. Der CPI am Mittwoch ist der Auslöser.
  • SAP: Momentum intakt, aber nach 30 Prozent in vier Wochen überkauft. Rücksetzer einplanen, nicht dem Hoch hinterherlaufen.
  • Hochtief: Die 450-Euro-Marke ist gefallen – nach dem 112-Prozent-Lauf Stopps disziplinieren.
  • Bayer: 46 Euro (Jefferies-Ziel) als Referenz für die Frage, ob die Erholung trägt.
  • Bitcoin: 65.800 Dollar bleibt der Deckel, 64.300 Dollar die Bollinger-Mitte als Support. Range handeln, bis der Ausbruch gelingt.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer