SAP, Novo Nordisk & Enel: Wenn KI-Ängste auf Pharma-Enttäuschungen treffen – und ein Versorger überrascht

KI-Sicherheitstool von Anthropic drückt SAP und Softwarewerte, Novo Nordisk enttäuscht mit Studienergebnis. Enel überzeugt mit massiven Investitionen in Erneuerbare und Aktienrückkauf.

SAP, Novo Nordisk & Enel: Wenn KI-Ängste auf Pharma-Enttäuschungen treffen – und ein Versorger überrascht
Kurz & knapp:
  • Softwarebranche leidet unter KI-Angst vor Anthropic
  • Novo Nordisk verfehlt Studienziel gegen Eli Lilly
  • Enel plant 53-Milliarden-Investitionen und Aktienrückkauf
  • Neue Trump-Zölle belasten DAX und deutsche Autobauer

Liebe Leserinnen und Leser,

drei Schlagzeilen, drei völlig unterschiedliche Geschichten – und doch verbindet sie alle die Frage: Wie schnell können etablierte Geschäftsmodelle unter Druck geraten? Während SAP und TeamViewer heute unter den Sorgen leiden, dass ein neues KI-Tool von Anthropic ihre Software-Dienstleistungen überflüssig machen könnte, kämpft Novo Nordisk mit einer gescheiterten Studie zu seinem Hoffnungsträger im Abnehmmittel-Markt. Gleichzeitig zeigt der italienische Energieversorger Enel, wie man mit massiven Investitionen in erneuerbare Energien und einer großzügigen Dividendenpolitik Anleger begeistert. Der DAX rutschte unter 25.000 Punkte, die US-Märkte zeigen sich nervös – und über allem schwebt erneut die Unsicherheit um Trumps Zollpolitik, die nach dem Supreme-Court-Urteil vom Freitag in die nächste Runde geht.

Software-Branche im Sinkflug: Anthropics Sicherheitstool erschreckt Investoren

Was ein einziges KI-Tool anrichten kann, zeigt sich heute eindrucksvoll an den Börsen diesseits und jenseits des Atlantiks. SAP verlor im XETRA-Handel zeitweise über 3,4 Prozent und rutschte auf 167,86 Euro – Schlusslicht im DAX. TeamViewer stürzte im MDAX sogar auf ein Rekordtief. Der Auslöser? Der OpenAI-Konkurrent Anthropic hatte am Wochenende ein Sicherheitstool für sein KI-Modell Claude vorgestellt, das Codebasen automatisch auf Sicherheitslücken scannt und gezielte Software-Patches zur manuellen Überprüfung vorschlägt.

Die Reaktion der Märkte zeigt, wie nervös Investoren mittlerweile auf jede Nachricht reagieren, die traditionelle Software- und Cybersicherheitsanbieter gefährden könnte. In den USA setzte sich die Talfahrt fort: Zscaler sackte um 8,5 Prozent auf ein Tief seit Herbst 2023, Salesforce und Oracle büßten jeweils über 6 Prozent ein, Cloudflare verlor weitere 7 Prozent nach bereits schwachem Freitag. Die Angst ist greifbar: Wenn KI-Systeme künftig selbstständig Code analysieren und Patches vorschlagen können, was bleibt dann noch für die klassischen Softwareanbieter übrig?

Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung besonders brisant, da SAP nicht nur DAX-Schwergewicht ist, sondern auch als vermeintlich defensiver Tech-Wert galt. Die heutige Reaktion zeigt: In Zeiten disruptiver KI-Innovationen gibt es keine sicheren Häfen mehr im Software-Sektor.

Pharma-Schock: Novo Nordisk verfehlt Studienziel gegen Eli Lilly

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk erlebte einen schwarzen Montag. Die Aktie sackte um 6,4 Prozent ab, nachdem das Unternehmen bekannt gab, dass sein experimenteller Gewichtssenker CagriSema in einer direkten klinischen Studie den primären Endpunkt verfehlt hat. Konkret konnte das Mittel nicht nachweisen, dass es dem Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly in puncto Gewichtsverlust nicht unterlegen ist – obwohl es immerhin eine Gewichtsreduktion von 23 Prozent nach 84 Wochen erreichte.

Die Enttäuschung wiegt schwer, denn Novo Nordisk hatte große Hoffnungen in CagriSema gesetzt, um im hart umkämpften Markt für Abnehmmittel gegen Eli Lilly bestehen zu können. Die US-Konkurrenz profitierte prompt: Eli Lilly legte an der Wall Street um 4,5 Prozent zu. Für Anleger zeigt sich hier einmal mehr, wie riskant das Geschäft mit Pharmainnovationen ist – selbst wenn ein Medikament wirkt, reicht das nicht immer aus, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Besonders bitter: Auch der deutsche Spezialverpackungshersteller Gerresheimer, der unter anderem Injektionspens für Abnehmmittel produziert, wurde mit in den Strudel gezogen und verlor 6,4 Prozent. Die Verflechtungen in der Pharma-Zulieferkette zeigen sich hier in aller Deutlichkeit.

Enel glänzt mit Investitionsoffensive und Aktienrückkauf

Während viele europäische Titel heute unter Druck standen, setzte sich Enel klar ab. Der italienische Energieversorger legte im EuroStoxx 50 um beeindruckende 6,8 Prozent auf 9,70 Euro zu. Der Grund: Auf einem Kapitalmarkttag präsentierte das Unternehmen einen ambitionierten Dreijahresplan mit Bruttoinvestitionen von rund 53 Milliarden Euro – ein Plus von etwa 10 Milliarden Euro gegenüber dem vorherigen Plan. Rund 20 Milliarden Euro davon fließen allein in erneuerbare Energien.

Zusätzlich kündigte Enel ein Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Euro und eine Dividendenerhöhung an. Für Anleger ist diese Kombination aus Wachstumsinvestitionen und Aktionärsfreundlichkeit ein starkes Signal. Während viele Versorger noch zögern, setzt Enel konsequent auf den Ausbau grüner Energie – und zeigt damit, dass Nachhaltigkeit und Profitabilität sich nicht ausschließen müssen.

Die Botschaft ist klar: Wer im Energiesektor langfristig erfolgreich sein will, muss jetzt massiv in die Infrastruktur der Zukunft investieren. Enel macht vor, wie das geht – und wird dafür von den Märkten belohnt.

Anzeige: Eine ähnlich fundamentale Verschiebung findet gerade im Verteidigungssektor statt – und die wenigsten Anleger haben sie bisher auf dem Radar. Carsten Müller analysiert in seinem kostenlosen Webinar „Bytes statt Bomben“, wie die NATO-Ostflanke mit KI-gesteuerten Drohnenschwärmen, Sensorsystemen und Software statt tonnenschwerer Hardware gesichert wird. Er zeigt konkret 4 spezialisierte Technologie-Unternehmen, die von den massiven europäischen Verteidigungsinvestitionen profitieren – mit einem errechneten Gewinnpotenzial von bis zu +934 %. Sie erfahren, warum die klassischen Rüstungskonzerne bei dieser digitalen Revolution ins Hintertreffen geraten und welche agilen Tech-Schmieden die Aufträge erhalten. Die Bundesrepublik Deutschland hält bei einem dieser Champions sogar 25 Prozent der Anteile – ein klares Signal für die strategische Bedeutung. Details zur New-Defence-Analyse

Trump-Zölle 2.0: Das nächste Kapitel der Unsicherheit

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Handelsstreit war nur von kurzer Dauer. Nachdem der Supreme Court am Freitag einen Großteil von Trumps Zöllen auf Basis eines Notstandsgesetzes für unrechtmäßig erklärt hatte, kündigte der US-Präsident bereits am Wochenende neue Zölle an. Er beruft sich nun auf Abschnitt 122 des Handelsgesetzes von 1974 und erhebt einen globalen Basiszoll von 15 Prozent, der zunächst für 150 Tage gilt.

Für europäische Exporteure bedeutet das: Die Unsicherheit bleibt. Zwar deutet der US-Handelsbeauftragte an, dass bereits vereinbarte Handelsabkommen – wie das Turnberry-Abkommen zwischen EU und USA – weiterhin gelten könnten. Doch das EU-Parlament hat die Umsetzung des Deals am Montag formal auf Eis gelegt, bis Klarheit über die US-Position besteht.

Deutsche Autobauer wie BMW, VW und Mercedes-Benz verloren zwischen 1,8 und 2,9 Prozent. Der DAX fiel um 1,06 Prozent auf 24.992 Punkte und rutschte damit wieder unter die psychologisch wichtige 25.000er-Marke. Marktbeobachter sprechen von „Zollchaos“ – und das trifft es ziemlich genau. Unternehmen wird die Planungsgrundlage immer mehr entzogen, was sich in nervösen Märkten und Zurückhaltung bei Investitionen niederschlägt.

Lichtblicke: Ifo-Index und Nvidia-Erwartungen

Nicht alles ist düster. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar unerwartet deutlich auf 88,6 Punkte (Januar: 87,6) und übertraf damit die Prognose von 88,1. „Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Besonders erfreulich: Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen verbesserten sich. Die Fiskalpakete für Infrastruktur und Verteidigung scheinen allmählich zu wirken.

An der Wall Street richtet sich derweil alle Aufmerksamkeit auf Mittwoch. Dann wird Nvidia seine Zahlen für das vierte Quartal vorlegen. Analysten erwarten erneut Rekordzahlen, doch die eigentliche Spannung liegt beim Ausblick und den KI-Investitionen. Nach den enttäuschenden Reaktionen auf die hohen Ausgaben anderer Tech-Giganten wird Nvidia beweisen müssen, dass sich die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz auch langfristig auszahlen. Die Aktie legte vorbörslich leicht zu – ein Zeichen vorsichtigen Optimismus.


Die heutige Börse zeigt einmal mehr: Wir leben in Zeiten, in denen etablierte Geschäftsmodelle schneller unter Druck geraten können, als viele es für möglich gehalten hätten. Ob KI-Tools, gescheiterte Pharma-Studien oder politische Zollkapriolen – Anleger müssen flexibel bleiben und dürfen sich nicht auf vermeintliche Sicherheiten verlassen. Die gute Nachricht: Es gibt auch Gewinner – wie Enel oder Eli Lilly – die zeigen, dass mit der richtigen Strategie auch in turbulenten Zeiten Erfolg möglich ist.

Bis morgen – bleiben Sie wachsam!

Beste Grüße
Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 1823 Artikel

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Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

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