Scottish Mortgage Investment Trust kauft im Rekordtempo eigene Aktien zurück. Das Management reagiert damit auf einen überraschenden Kursrutsch nach dem historischen SpaceX-Börsengang. In wenigen Wochen steht eine entscheidende Hauptversammlung an. Der Vorstand fordert mehr Spielraum für riskante Privatmarkt-Wetten.
Aggressive Stützungskäufe
Am 16. Juni erwarb der Fonds an einem einzigen Handelstag 2,325 Millionen eigene Papiere. Der Durchschnittspreis lag bei rund 1.486 Pence. Das ist doppelt so viel Volumen wie am Vortag. Die Aktion markiert einen klaren Strategiewechsel.
Künftig kauft der Trust nur noch Aktien zurück, wenn der Kurs unter dem Nettoinventarwert (NAV) liegt. Die alte, großzügigere Stützungspolitik ist Geschichte. Das bisherige Ausmaß bleibt gewaltig. In den vergangenen zwei Geschäftsjahren erwarb Scottish Mortgage rund 307 Millionen Aktien. Das entspricht 22 Prozent des damaligen Streubesitzes.
Der SpaceX-Effekt verpufft
Der aktuelle Druck resultiert direkt aus dem jüngsten Mega-Börsengang von SpaceX. Elon Musks Raumfahrtunternehmen feierte am 12. Juni sein Debüt. Die Aktie schoss um 19 Prozent nach oben. Die Marktkapitalisierung durchbrach die Marke von zwei Billionen US-Dollar.
Für Scottish Mortgage hätte das ein Festtag sein müssen. Der Fonds hält einen SpaceX-Anteil im Wert von über vier Milliarden Dollar. Stattdessen rutschte die eigene Aktie um gut fünf Prozent ab. Viele Anleger hatten den Trust nur als Vehikel für SpaceX genutzt. Nach dem Listing machten sie massiv Kasse. Ein schwacher Tech-Sektor verstärkte den Abwärtsdruck.
Fondsmanager Tom Slater denkt derweil nicht an einen Verkauf. Er will die SpaceX-Position auch nach dem Börsengang langfristig im Portfolio behalten.
Abstimmung über die Zukunft
Am 2. Juli blickt der Markt nach Edinburgh zur Hauptversammlung. Der Vorstand will die Obergrenze für nicht börsennotierte Investitionen anheben. Bisher liegt das Limit bei 30 Prozent des Gesamtvermögens.
Tatsächlich machen private Beteiligungen bereits über 40 Prozent aus. Allein die Aufwertung von SpaceX trieb diesen Einzelposten auf 21 Prozent des Portfolios. Aktionäre stimmen auf der Versammlung zudem über die neue Rückkauf-Regel ab. Maximal 15 Prozent der Aktien dürfen künftig unter NAV-Bedingungen erworben werden.
Das nächste große Zugpferd steht bereits bereit. Das KI-Unternehmen Anthropic macht aktuell knapp drei Prozent des Fonds aus. Nach einer jüngsten Finanzierungsrunde wird das Startup mit 900 Milliarden Dollar bewertet. Anthropic hat bereits Papiere für einen Börsengang eingereicht. Händler erwarten beim Debüt eine Bewertung von 1,5 Billionen Dollar.
Gegenwind bei der Finanzierung
Das Umfeld für private Wachstumswerte bleibt schwierig. Die Finanzierungskosten sind anhaltend hoch. Zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 brach das Volumen von Tech-Deals um 70 Prozent ein. Dieses Risiko müssen Aktionäre akzeptieren, wenn sie der neuen Strategie zustimmen.
Aktuell notiert die Aktie bei 17,07 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von rund einem Viertel auf der Kurstafel. Vom Rekordhoch im Mai ist das Papier jedoch noch gut 12 Prozent entfernt. Am 2. Juli stimmt die Hauptversammlung über das neue Mandat ab. Ein Votum für die höhere Privatmarkt-Quote würde den riskanten Fokus auf ungelistete Wachstumswerte endgültig zementieren.
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