Scottish Mortgage dreht im Kapitalmanagement die Richtung. Nach Jahren massiver Rückkäufe nutzt der Investment Trust nun die Nachfrage am Markt und gibt eigene Aktien wieder aus. Das ist mehr als eine technische Maßnahme: Der Schritt signalisiert, dass der Fonds nicht mehr mit Abschlag gehandelt wird, sondern mit Aufschlag zum Nettoinventarwert.
Am 29. Mai 2026 platzierte Scottish Mortgage 2,85 Millionen Aktien aus dem Treasury-Bestand zu 1.521,59 Pence je Stück. Der Ausgabepreis lag über dem damaligen Nettoinventarwert, wodurch die Transaktion für bestehende Anteilseigner tendenziell wertsteigernd wirkt.
Vom Rückkauf zur Ausgabe
Die Wende ist bemerkenswert. Zwischen 2024 und 2025 hatte die Gesellschaft für rund 3 Milliarden Pfund eigene Aktien zurückgekauft, um den Abschlag zum Nettoinventarwert einzuengen. Diese Strategie reduzierte die Schwankungen des Discounts und erhöhte den NAV je Aktie.
Jetzt ist die Lage anders. Nach der Platzierung sind gut 1,11 Milliarden Aktien im Umlauf, während noch 371,9 Millionen Papiere im Treasury-Bestand liegen. Damit bleibt ausreichend Material für weitere Platzierungen, falls der Markt weiter bereit ist, einen Aufschlag zu zahlen.
Der Kurs passt in dieses Bild: Am Freitag schloss Scottish Mortgage bei 18,07 Euro; in den vergangenen 30 Tagen legte der Wert um 10,01 Prozent zu. Seit Jahresbeginn beträgt der Gewinn 30,13 Prozent.
SpaceX treibt die Konzentration
Ein zentraler Treiber bleibt das Engagement in nicht börsennotierten Unternehmen. Per 28. Februar 2026 lag deren Anteil am Gesamtvermögen bei 37,2 Prozent, wobei SpaceX allein 15,4 Prozent des Portfolios ausmachte. Das erhöht die Chancen auf starke Wertzuwächse, macht die Bewertung aber auch stärker abhängig von privaten Finanzierungsrunden.
Die Aktionäre haben deshalb eine Anpassung der Anlagepolitik genehmigt. Das Management erhält zusätzliche Kapazität von 250 Millionen Pfund für neue oder nachfolgende Investments in private Unternehmen, selbst wenn die Schwelle von 30 Prozent überschritten ist. Dieser Spielraum muss jährlich erneuert werden.
Niedrige Kosten, geringere Verschuldung
Die laufenden Kosten bleiben mit etwa 0,33 Prozent niedrig, Performance Fees fallen nicht an. Der Verschuldungsgrad sank binnen Jahresfrist von 13 auf rund 11 Prozent; der durchschnittliche Fremdkapitalkostensatz beträgt 3,6 Prozent. Der Rückgang entstand vor allem durch organisches Portfoliowachstum, nicht durch einen deutlichen Schuldenabbau.
Nach den Jahreszahlen ist eine Schlussdividende von 2,97 Pence je Aktie für den 10. Juli 2026 vorgesehen. Damit steigt die Ausschüttung für das Jahr auf 4,57 Pence.
In der ersten Juniwoche rückt der Aufschlag zum Nettoinventarwert in den Mittelpunkt. Hält er sich, kann Scottish Mortgage weitere Aktien aus dem Treasury-Bestand ausgeben und frische Liquidität für das langfristige Wachstumsportfolio sichern.
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