Ein Investmenttrust kämpft gegen die eigene Börsenbewertung. Scottish Mortgage Investment Trust hat den Rückkauf eigener Aktien in dieser Woche noch einmal verschärft. Der Grund: Der Anteilsschein notiert deutlich unter dem Wert des eigenen Portfolios, und die Lücke wird größer statt kleiner.
Rückkäufe im großen Stil
Am Freitagabend, dem 24. Juli 2026, meldete Scottish Mortgage den Kauf von 500.000 eigenen Aktien für den Bestand. Der Preis: 1.320,22 Pence je Anteil. Das war nicht der erste Schritt in diesem Monat.
Bereits Anfang Juli hatte der Trust über 2,3 Millionen Aktien zurückgekauft. Inzwischen hält Scottish Mortgage insgesamt 411.058.993 eigene Aktien im Bestand. Im Umlauf bleiben noch 1.073.721.887 Anteile.
Der Vorstand verfolgt damit ein klares Ziel: die Differenz zwischen Aktienkurs und dem Wert des zugrunde liegenden Portfolios verkleinern. Bislang mit begrenztem Erfolg.
Der Abstand zum inneren Wert wächst
Am Freitagabend lag der faire Nettoinventarwert bei 1.473,69 Pence je Aktie. Der tatsächliche Börsenkurs liegt spürbar darunter, der Abschlag zum Nettoinventarwert beträgt mittlerweile rund 10,9 Prozent.
Die Kursentwicklung selbst zeigt, wie stark der Druck derzeit ist. Die Aktie schloss am Freitag bei 15,23 Euro, ein Minus von 0,98 Prozent zum Vortag. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 5,43 Prozent zu Buche, der 14-Tage-RSI ist auf 28,7 gefallen — ein Wert, den Charttechniker als überverkauft einstufen.
Zum Jahresanfang liegt Scottish Mortgage dennoch mit 11,25 Prozent im Plus. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Plus sogar 20,97 Prozent. Das kurzfristige Bild bleibt trotzdem angespannt: Vom 50-Tage-Durchschnitt von 16,93 Euro trennen die Aktie aktuell gut zehn Prozent nach unten.
Abschied von Tesla, Einstieg in die „Agentic Era“
Während der Kurs schwächelt, vollzieht das Fondsmanagement einen strategischen Umbau. Portfoliomanager Tom Slater und Lawrence Burns haben kürzlich eine neue Ausrichtung in Sachen künstliche Intelligenz skizziert. Die erste Phase des KI-Booms drehte sich um Hardware und Infrastruktur, etwa um Nvidia. Jetzt richtet sich der Blick auf Unternehmen, die autonome Software-Agenten entwickeln — Systeme, die komplexe kommerzielle und digitale Aufgaben eigenständig erledigen.
Diese Neuausrichtung markiert zugleich das Ende einer Ära. Im Juli 2026 hat sich Scottish Mortgage vollständig von Tesla getrennt, nach 13 Jahren im Portfolio. Das freigewordene Kapital fließt jetzt in neue Wetten: satellitengestützte Konnektivität und KI-Infrastruktur, die das Management für das kommende Jahrzehnt als aussichtsreicher einstuft.
Starkes Geschäftsjahr, schwacher Börsenkurs
Die fundamentale Bilanz spricht eigentlich für den Trust. Im Geschäftsjahr bis März 2026 erzielte Scottish Mortgage eine Gesamtrendite auf Nettoinventarwert-Basis von 27,4 Prozent — deutlich mehr als der FTSE All-World Index im selben Zeitraum. SpaceX bleibt die größte Einzelposition im Portfolio.
Die Aktionäre haben zudem grünes Licht für mehr Flexibilität bei nicht-börsennotierten Beteiligungen gegeben. Der Trust darf künftig zusätzliche 250 Millionen Pfund in unnotierte Unternehmen investieren, selbst wenn die traditionelle 30-Prozent-Grenze für den Privatanteil dabei überschritten wird. Das soll sicherstellen, dass Scottish Mortgage seine erfolgreichsten privaten Beteiligungen auch in späten Finanzierungsrunden vor einem möglichen Börsengang weiter unterstützen kann.
Der Widerspruch zwischen starker operativer Leistung und schwachem Börsenkurs bleibt vorerst bestehen. Die fortgesetzten Rückkäufe zeigen, wie ernst der Vorstand die Situation nimmt — ein schnelles Schließen des Bewertungsabschlags ist damit aber nicht garantiert.
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