Der SpaceX-Börsengang war historisch — für Scottish Mortgage Investment Trust aber kein Grund zur Freude. Kaum war das größte IPO der Geschichte vollzogen, verkauften Anleger die Anteile des Trusts. Das Ergebnis: Die Aktie rutschte unter den Nettoinventarwert, und der Trust kauft nun aktiv zurück.
Rückkauf bestätigt Abschlag
Am 18. Juni erwarb Scottish Mortgage 1,6 Millionen eigene Aktien zu je 1.486,56 Pence. Die Papiere gehen ins Treasury. Damit liegen nun rund 375 Millionen Aktien im Eigenbestand — ausgegebene Aktien ohne Treasury-Bestand: knapp 1,11 Milliarden.
Das Signal dahinter ist eindeutig. Der Trust kauft nur zurück, wenn der Kurs unter dem Nettoinventarwert notiert. Die Transaktion bestätigt also, dass der Abschlag wieder da ist.
Bereits am 16. Juni hatte der Trust 2,325 Millionen Aktien in einer einzigen Sitzung zurückgekauft — zum nahezu gleichen Preis. Das Tempo zeigt, wie konsequent das Management den Dip nutzt.
Das SpaceX-Paradox
SpaceX legte das größte IPO der Börsengeschichte hin. Das Unternehmen platzierte 556 Millionen Aktien zu je 135 Dollar, eröffnete bei 150 Dollar und schloss mit einem Kursplus von rund 19 Prozent. Die Marktkapitalisierung überstieg zwei Billionen Dollar.
Scottish Mortgage hält eine SpaceX-Beteiligung im Wert von mehr als vier Milliarden Dollar. Eigentlich ein Grund zur Freude. Stattdessen fiel der Trust-Kurs um 5,29 Prozent auf 16,12 Euro — ein klassischer „Sell the News“-Effekt. Anleger, die den Trust gezielt wegen des SpaceX-Engagements gekauft hatten, stiegen nach dem Listing aus.
Der Schlusskurs liegt aktuell bei 16,91 Euro — rund 13 Prozent unter dem Allzeithoch von 19,50 Euro aus dem Mai. Auf Jahressicht steht der Trust dennoch mit knapp 22 Prozent im Plus.
Private-Anlagen sprengen das Limit
Das SpaceX-IPO hat ein strukturelles Problem verschärft. Die Beteiligung macht inzwischen 21 Prozent des Portfolios aus. Private, nicht börsennotierte Anlagen liegen insgesamt bei über 40 Prozent — weit über der bisherigen Obergrenze von 30 Prozent.
Das Management will diese Grenze anheben. Auf der Hauptversammlung am 2. Juli in Edinburgh stimmen die Aktionäre darüber ab. Kein Nebenpunkt: Eine Genehmigung würde das Risikoprofil eines der meistgehaltenen britischen Investmenttrusts dauerhaft verändern.
Was am 2. Juli auf dem Spiel steht
Die Hauptversammlung entscheidet über mehrere Punkte. Neben der Anhebung des Limits für Privatanlagen steht eine neue Rückkaufermächtigung für bis zu 14,99 Prozent der ausgegebenen Aktien zur Abstimmung — gültig nur bei Handel unter Nettoinventarwert.
Ferner sollen die Aktionäre eine Schlussdividende von 2,97 Pence je Aktie genehmigen. Die Gesamtausschüttung für das Geschäftsjahr bis März 2026 steigt damit auf 4,57 Pence — ein Plus von 4,3 Prozent und das 43. Jahr in Folge mit einer Dividendenerhöhung. Auszahlung: 10. Juli, vorbehaltlich der Zustimmung.
Die langfristige Bilanz bleibt stark. Der Nettoinventarwert legte im Geschäftsjahr bis März 2026 um 27,4 Prozent zu. Über zehn Jahre erzielte Scottish Mortgage einen NAV-Zuwachs von 435 Prozent — der FTSE All-World kam im gleichen Zeitraum auf 234 Prozent.
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