Scottish Mortgage kauft weiter massiv eigene Anteile zurück — und das mitten in einem der unruhigsten Phasen für Technologiewerte seit Jahren. Der britische Investmenttrust setzt damit ein klares Signal: Das Management glaubt an den langfristigen Wert seines Portfolios, auch wenn die Märkte gerade das Gegenteil suggerieren.

Großer Rückkauf zum Quartalsende

Am 29. Juni erwarb der Trust 1,5 Millionen eigene Aktien zu je 1.428,20 Pence. Die Anteile gehen ins Treasury — sie werden also nicht eingezogen, sondern gehalten. Damit steigt die Gesamtzahl der im Treasury gehaltenen Aktien auf knapp 388 Millionen.

Das Ziel: den Abschlag des Kurses auf den Nettoinventarwert (NAV) begrenzen und Aktionären Liquidität bieten. Im Umlauf befinden sich weiterhin rund 1,1 Milliarden stimmberechtigte Aktien.

Tech-Sektor unter Druck

Das Timing ist kein Zufall. Der Technologiesektor, der das Herzstück des Scottish-Mortgage-Portfolios bildet, steht unter erheblichem Druck. Die sogenannten „Magnificent Seven“ — die sieben größten US-Technologiekonzerne — haben zusammen rund 2,3 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung verloren.

Steigende Zinsen und ein Stimmungsumschwung bei Investoren treiben Kapital aus Wachstumswerten in defensivere Sektoren wie Finanzen und Industrie. Microsoft etwa notiert rund 35 Prozent unter seinem Allzeithoch. Hintergrund ist die Skepsis gegenüber den enormen Investitionen in KI-Infrastruktur.

SpaceX: Kursschwäche und Indexaufnahme

Besondere Aufmerksamkeit gilt SpaceX, einer der bedeutendsten Privatbeteiligungen des Trusts. Der Raumfahrtkonzern hat seit seinen Juni-Hochs mehr als 30 Prozent verloren. Investorenlegende Jeremy Grantham von GMO äußerte sich skeptisch: Er bezweifelt, dass SpaceX seine langfristigen Versprechen einlösen kann — und verwies auf erhebliche kumulierte Verluste im Unternehmen.

Am 29. Juni legte die SpaceX-Aktie kurzfristig um rund 4,5 Prozent auf 161 Dollar zu. Ein möglicher Grund: Anfang Juli soll SpaceX in den Nasdaq-100 aufgenommen werden. ETFs, die diesen Index abbilden, müssen die Aktie dann zwingend kaufen — das dürfte kurzfristig für zusätzliche Nachfrage sorgen.

Aktives Kapitalmanagement als Stabilitätsanker

Scottish Mortgage nutzt seine Bilanz aktiv, um den eigenen Kurs in turbulenten Phasen zu stützen. Die anhaltenden Rückkäufe deuten darauf hin, dass das Management die aktuelle Schwäche als temporär einschätzt — als eine Art Vakuum in der KI-Monetarisierung, nicht als strukturellen Bruch.

Im Juli stehen Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne an. Sie werden zeigen, ob die massiven KI-Ausgaben langsam in Erträge münden. Für einen Trust wie Scottish Mortgage, dessen NAV direkt an diesen Entwicklungen hängt, sind das die entscheidenden Zahlen der nächsten Wochen.